Stadtkind Stuttgart

Freund & Kupferstecher macht einen Kiosk Späti-Kultur für Stuttgart

Von Björn Springorum 

Das Büdle am Berliner Platz ist der jüngste Baustein der Freund & Kupferstecher-Crew. Beim Ortstermin am neuen Kiosk sagt Betreiber Felix Klenk Interessantes über etwaige Stuttgarter Spätis.

Felix Klenk vor seinem Büdle. Kippen, Kaffee und Süßkram verkauft sein alter Schulfreund Jan Dietze. Foto: Björn Springorum
Felix Klenk vor seinem Büdle. Kippen, Kaffee und Süßkram verkauft sein alter Schulfreund Jan Dietze. Foto: Björn Springorum

Stuttgart – Das britische Imperium, so sagte man einst, war ein gewaltiges Reich, in dem die Sonne niemals unterging. In Stuttgart tut sich gerade etwas ähnliches. An manchen Tagen ist es beinahe rund um die Uhr möglich, einen von Freund-K betriebenen Laden zu besuchen. Abends in die Bar, nachts in den Club – und morgens in den neuen Kiosk.

Freund-K, das ist die überaus umtriebige Agentur im Stuttgarter Westen, die uns seit drei Jahren mit dem Club Freund & Kupferstecher erfreut, die seit einem knappen Jahr in Personalunion mit der Schräglage die Bar Süssholz bespielt, die das F&K-Studio oberhalb des Clubs für Events vermietet, die das Straßenfest Westallee ausrichtet und zudem als Agentur für DJs, Filmemacher oder Fotografen fungiert. Jüngster Baustein in diesem Jungimperium: Das F&K Büdle, die freundliche Übernahme des durchaus legendären Kiosks um die Ecke des Clubs am Berliner Platz. Früh raus aus dem Club und dann erst mal zum Kiosk um die Ecke, der wenig später öffnet – da kann Stuttgart dann auch mal Großstadt.

Kippen, Kaffee, Weiße Mäuse

Wie viele andere Entscheidungen innerhalb des F&K-Kollektivs, geschah auch das weder geplant noch bewusst. „Eigentlich wollten wir 2017 gar nichts machen und einfach mal ein bisschen Ruhe in alles reinbringen“, verrät Felix Klenk nämlich bei unserem Treffen am neuen Büdle. Klassisch mit Kaffee aus dem Pappbecher und jenem legendären Zitroneneistee-Gesöff aus dem Tetrapak (kennst du es nicht, warst du nie in der Schule!) lümmeln wir an einem Stehtisch vor dem Kiosk. „Doch als der Vorbesitzer des Eddin Kiosk meinte, dass er den Laden abgeben wollte, mussten wir einfach zugreifen.“

Das hat durchaus Gründe. Zum einen fehlt Felix Klenk und seinem Geschäftspartner Christopher Warstat wie jedem vernünftigen Stuttgarter die Späti-Kultur in unserer Stadt; zum anderen ist so ein Kiosk für ihn eine einzige wahrgewordene Kindheitserinnerung. „Deshalb gibt es bei uns nicht nur Kippen, Kaffee und Bier, sondern auch Brause, Weiße Mäuse und all den geilen Kram, den man sich früher nach der Schule für 20 Pfennig beim Kiosk geholt hat.“ Nicht zu vergessen: Center-Shock-Kaugummis, Panini-Sammelbildchen und Schokozigaretten!

Ein Herz für Spätis

Und noch etwas gibt Klenk zu bedenken: „Wie es aussieht, wird das Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr demnächst ja gekippt, weswegen wir einfach mal schauen wollen, wie es in Stuttgart so ist mit dem Späti-Potential.“ Da darf man ruhig hellhörig werden, wenn ein Macher wie Klenk so etwas beiläufig fallen lässt. Mit einer ganzen Reihe an F&K-Spätis wird aber wohl nicht zu rechnen sein – zumindest nicht sofort. „Aber wer weiß, vielleicht gefällt uns das Kiosk-Business ja so gut, dass wir es irgendwie ausweiten wollen.“ Zwei Worte: Bitte ja!

Bis es soweit ist, kann man sich erst mal im Büdle von Klenks Schulfreund Jan Dietze bedienen lassen. „Mir ist wichtig, dass ein Kiosk ein Gesicht hat, also ist er auch der Hauptverantwortliche für unser Büdle.“ Für Klenk ist das hier mehr als ein Ort, an dem man kurz einen Kaffee holt und zur Bahn weiter eilt. Klar, diese Kundschaft ist ebenso wichtig, das Herz eines solchen Kiosks liege jedoch in der Persönlichkeit und der Stammkundschaft. „Das hat der Vorbesitzer prima hinbekommen“, meint er. „Bei ihm war die ganze Hood zu Gast, man kannte sich, schüttete sich das Herz aus.“

Die Netzwerker

Auch Klenk und Warstat kennt man. Seit sie vor drei Jahren das Stereo übernommen und daraus ihr Freund & Kupferstecher gemacht haben, ist viel passiert. Der Club ist und bleibt zwar das Epizentrum ihrer Agentur Freund-K; er ist aber eben nur ein Puzzleteil in einem Kosmos, der von Anfang an auf Vielfalt und Netzwerken ausgelegt war. „Wir wollten nie nur Clubbesitzer sein, nie nur in die Gastronomie“, betont Klenk. „Wir wollten einfach schauen, was sich in einer Stadt machen lässt, wollten Menschen zusammenbringen und Potentiale ausschöpfen.“ Das ist ihnen trotz des schweren Starts und einiger harter Zeiten sehr gut gelungen.

Mittlerweile sind locker 50 Menschen im Freund-K-Dunstkreis tätig. Tendenz: steigend. Denn auch wenn man jetzt erst mal wieder etwas Ruhe reinbringen will, wird ihnen wahrscheinlich eh wieder irgendwas vor die Füße fallen. Klenk: „Ich denke aber nicht, dass das so schnell kommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den nächsten Monaten einen zweiten Club eröffnen“, meint er und grinst, „liegt so bei fünf Prozent.“ Also, Lottospielen ist aussichtsloser...

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