Sanierungsfall in Leinfelden-Echterdingen Ritter-Scheuer-Sanierung würde Viertelmillion kosten

Von Natalie Kanter 

Die Ritter-Scheuer ist zum Krautfest die Anlaufstelle in Musberg. Die Scheune ist aber auch ein Sanierungsfall. Im Fachwerk sitzt ein Pilz und wohl auch der Holzwurm.

Die Ritter-Scheuer gehört zum historischen Musberg. Sie  ist ein Sanierungsfall und trägt deshalb seit Jahren Gerüst. Foto: Natalie  Kanter
Die Ritter-Scheuer gehört zum historischen Musberg. Sie ist ein Sanierungsfall und trägt deshalb seit Jahren Gerüst. Foto: Natalie Kanter

Musberg - Es ist Luxus für die Sanierung einer Scheune rund 240 000 Euro auszugehen, sagen die einen. Sie gehört schlichtweg zur historischen Ortsmitte und ist deshalb erhaltenswert, sagen die anderen. Leidenschaftlich, wortreich und durchaus kontrovers haben die Fraktionen des Gemeinderates in ihrer jüngsten Sitzung um den Erhalt der nicht denkmalgeschützten Ritter-Scheuer diskutiert. Schlussendlich gab das Gremium zumindest 10000 Euro frei. Eine weitere Untersuchung soll nun mehr Klarheit über den Zustand des Gebäudes bringen.

Die Fakten: Die Scheune klebt an dem Gebäude an der Filderstraße 42, in dem einst ein Gasthaus und nun eine Uhrenwerkstatt sowie ein italienischer Verein untergebracht sind. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum denkmalgeschützten Alten Rathaus und gehört zu einem Ensemble von historischen Gebäuden. Dieses Ensemble diente einst als Kulisse für das Musberger Heimatspiel.

Das alte Gemäuer ist eines von zwei historischen Lokalitäten Musbergs

Der örtliche Musikverein und die Siebenmühltal-Hexen lagern in der Scheuer Dinge. Einmal im Jahr – zum Krautfest – wird sie zur Anlaufstelle für ganz Musberg. „Tische werden aufgebaut. Die Leute kommen zusammen, trinken Viertele, Krautspezialitäten werden gereicht“, sagt Michael Burkhardt, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft. „Die Ritter-Scheuer ist dann eine von zwei historischen Lokalitäten in Musberg.“ Weil sie aber ein Sanierungsfall ist, trägt sie auf ihrer Stirnseite seit Jahren ein Gerüst. „Es geht einfach nicht vorwärts“, sagt Burkhardt. Er ist auf die Verwaltungsspitze zugegangen, um Schwung in die Sache zu bringen.

Zu den Mängeln des Hauses ist in der Vorlage zur Gemeinderatssitzung einiges nachzulesen: Seit 2014 bröckelt der Putz. Zwischen dem Holz des Fachwerkes gibt es undichte Stellen. 2015 wurde festgestellt, dass das Fachwerk stark beschädigt ist. Ein von der Stadt beauftragter Gutachter hat Ende 2016 Anzeichen für einen Pilzbefall entdeckt. Auch der Holzwurm hat sich dem Gutachten nach bereits durch das Gebälk gefressen. Der Experte geht davon aus, dass lediglich 30 Prozent oder auch weniger der Fassade erhalten werden kann. Der Rest muss ausgetauscht werden.

Eine junge Stadt sollte auf die wenigen alten Gebäude achten

Die Verwaltungsspitze will das Gebäude erhalten. „Die Scheune ist mehr als nur ein Lager. Sie hat einen stark ortsbildprägenden Charakter“, sagte Baubürgermeisterin Eva Noller in der Gemeinderatssitzung. Unserer Zeitung sagt sie: „L.-E. ist eine junge Stadt und hat nicht so viele historische Häuser. Auf die wenigen, die wir haben, sollten wir achtgeben.“

Die Stadtverwaltung hat auch schon über eine Nutzungsänderung nachgedacht. Denn auf der Rückseite der Scheuer liegt ein ebenfalls baufälliges Haus. Dieses gehört mittlerweile auch der Stadt. Nach einem Umbau hätte man dort beispielsweise Räume für die Jugend oder auch ein Flüchtlingsbüro unterbringen können. Dann aber müsste ein hoher sechsstelliger Betrag investiert werden.

Mit alten Gebäuden sorgsam umgehen

Auch CDU- Stadtrat Hans-Werner Engel sagte in der Sitzung: „Wir sollten mit unseren alten Gebäuden sorgsam umgehen. Die Ritter-Scheuer ist ein Stück Alt-Musberg.“ Er regte eine Ortskernsanierung an, wie sie in Echterdingen anlaufen wird.

Hans Huber, Fraktionschef der Freien Wähler, erklärte: „Wir können auch alles zubetonieren. Es gibt aber auch noch ein paar kulturelle und emotionale Dinge.“ Wolfgang Haug (FDP) stellte fest: „Wenn der Giebel der Scheuer auf die Straße fällt, dann haben wir ein größeres Problem.“

Ilona Koch (CDU) sprach sich dafür aus, das Gebäude an einen Investor, der auf die Sanierung alter Häuser spezialisiert ist, zu verkaufen. Fraktionskollegin Claudia Zöllmer unterstützte sie mit den Worten: „Eine viertel Million Euro für einen Lagerraum auszugeben ist eine Luxusdiskussion.“

Gertrud Link (SPD) sagte dazu: „Die Scheuer gehört zu einem Gebäudekomplex. Sie zu verkaufen ist irrwitzig.“ SPD-Fraktionschef Erich Klauser stellte fest: „Wir schieben den sozialen Wohnungsbau vor uns her, sanieren aber eine alte Scheuer.“ Damit sei er nicht einverstanden. Anders sehe es aus, wenn ein ganzes historisches Ensemble erhalten werde.