Stuttgart von oben: das Bädle Von der Sauze zum Bädle

Von Caroline Holowiecki 

Was wenige wissen: Wo heute im Bädle in Stuttgart-Sillenbuch vornehmlich Kinder planschen, suhlten sich einst Schweine. Das weiß ein Anwohner zu berichten. Und er weiß noch mehr...

Günther Vallon hat viele Erinnerungen ans Bädle in Stuttgart-Sillenbuch. Foto: Caroline Holowiecki
Günther Vallon hat viele Erinnerungen ans Bädle in Stuttgart-Sillenbuch. Foto: Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Das Sillenbucher Freibad, von allen liebevoll Bädle genannt, ist zwar das kleinste in Stuttgart, aber überaus beliebt. Schwer vorstellbar, dass es mal ein Weiher war. Bereits um 1900 gab es den. Und der Anwohner Günther Vallon weiß: Tagsüber trieben Bauern ihre Hausschweine in die Senke, nachts suhlten sich dort Wildschweine – daher der Beiname Sauwette oder abgekürzt Sauze. Der Wetteweg, der am Bädle vorbeiführt, weist drauf hin.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weiher zum Feuerlöschteich ausgebaut. Aus Briefen seines Vaters weiß Günther Vallon, dass jene, die zum Luftschutzhilfsdienst eingeteilt worden waren, regelmäßig für Alarmübungen mit Eimern und Spritzen antreten mussten. Der Teich wurde während der Besatzung von den amerikanischen Truppen beschlagnahmt und als Freibad genutzt, heißt es aus dem Rathaus, und nach deren Abzug 1946 wurde erstmals ein öffentlicher Badebetrieb eingerichtet. Das Becken wurde ausgekleidet, der Nichtschwimmerbereich erhielt einen erhöhten Holzboden. Gespeist wurde das Becken über einen Hydranten, und das Wasser wurde so lange dringelassen, bis es grün und warm wurde, erinnert sich Günther Vallon. Er lacht.

Es traf ihn wie ein Brett

Besonders gut erinnert er sich an dieses eine Mal, als er mit Karacho ins Wasser gesprungen war – das zuvor gewechselt worden und nur 13 Grad kalt war. „Das hat mich getroffen wie ein Brett“, sagt er und grinst. Aber ob eiskalt oder giftgrün: Bei Jugendlichen war das Bädle der Hit. „Das war der Treffpunkt und hatte eine unheimlich wichtige soziale Funktion. Es gab ja nichts außer dem Sportverein.“ Ende der 1950er Jahre wurden eine Filteranlage und eine Heizung eingebaut, 2012/13 wurde das Bad grundsaniert, nachdem das Projekt auf Platz eins des Bürgerhaushalts gelandet war. Und heute? Ist es beliebter denn je. Viele Nachbarn, erzählt der Leiter Peter Weiss-Latzko, kommen direkt im Bademantel und warten schon um 7 Uhr darauf, dass ihr Bädle endlich aufmacht.

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