Zukunftskongress in Stuttgart Die Zukunft der Stadt liegt im Grünen

Von Lisa Wazulin 

Dächer voller blühender Gärten, bewachsene Häuserfassaden: Schlaue Pflanzensysteme und mehr Grünflächen sollen den Städtern mehr Lebensqualität bieten.

Beliebte Fassade: Efeu kühlt und dämmt  besser als grauer Beton. Foto: dpa
Beliebte Fassade: Efeu kühlt und dämmt besser als grauer Beton. Foto: dpa

Stuttgart - Dächer voller blühender Gärten, bewachsene Häuserfassaden und Lärmschutzwände, die aus einem Gewirr von unzähligen Pflanzen bestehen – so oder so ähnlich könnte die Stadt der Zukunft aussehen. Dabei sind solche schlauen Lösungen, die das Leben in den immer enger werdenden Städten lebenswerter machen, keine Visionen einer fernen Zukunft – denn es gibt sie längst.

Ausgeklügelte Gärtnereien

„Unsere Pflanzensysteme sind Sofortlösungen für Grün an ungewöhnlichen Stellen“, erläuterte Hans Müller. Als Geschäftsführer der Firma Helix Pflanzensysteme will Müller das wertvolle Grün in die Infrastruktur der Städte integrieren. Seine Systeme sind technisch ausgeklügelte Gärtnereien, die mit einem ganzheitlichen Ansatz nicht nur schön aussehen, sondern in der Lage sind, Lärm zu schlucken, Regenwasser zu speichern und die Umgebung abzukühlen. Die Begrünung lässt sich dabei vertikal – auf dem Dach oder als Lärmschutz – installieren. Allerdings weiß Müller auch: Solche Sauerstoffspender brauchen viel Pflege – und die kostet.

„In allen deutschen Kommunen gibt es finanzielle Engpässe, wenn es um das öffentliche Grün geht“, erklärte Peter Menke. Seine Stiftung, die Grüne Stadt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere bei der Stadtentwicklung ein neues Bewusstsein für den Wert von Grün zu schaffen, sowohl in der Öffentlichkeit, als auch in der Politik und Wirtschaft. Das Problem daran: Die aufwendige Pflege der Flächen kostet oft mehr als eine einfachere Lösung aus Beton. Hinzu kommt die ständige Kontrolle und Pflege von öffentlichen Parks und der darin stehenden Laubriesen. „Bäume haben es nicht leicht in der Stadt“, so Menke. Nicht nur bringe der Klimawandel Trockenheit, frostige Winter und Hitze, sondern auch neue Krankheiten und Schädlinge mit sich. Diese setzen Kastanien und Platanen stark zu, deren Äste durch Pilzbefall plötzlich abbrechen können und so die Sicherheit der Fußgänger gefährden.

Gemeinsame Verantwortung fürs Grün

Damit hat auch Hans Joachim Augustin in seiner Stadt Essen zu kämpfen: „Ein Großteil unseres Geldes fließt in die Pflege und Kontrolle der Bäume,“ sagte Augustin, der für das Grün in Europas grüner Hauptstadt verantwortlich ist. Seine Stadt hat aus der Not an finanzieller Unterstützung eine Tugend gemacht – und einige öffentliche Grünflächen in die Hände der Bürger gegeben. „Das gemeinsame Pflegen stärkt das Bewusstsein und die Verantwortung für das Grün“, berichtete Augustin und betonte, wie wichtig solche Gemeinschaftsprojekte für den sozialen Zusammenhalt in den einzelnen Stadtteilen sein können.

„Der Druck und die Nachfrage nach dem öffentlichen Grün wächst“, weiß auch Peter Menke von der Stiftung Die Grüne Stadt. Langfristig seien die Kommunen trotz solcher Projekte wie in Essen nur mit der Hilfe des Bundes in der Lage, das Grün zu finanzieren. Trotzdem ist Menke überzeugt: Durch Carsharing und E-Mobilität werden die Pflanzen die neuen freigewordenen Flächen erobern.

Künftig sollen auch in Städten Nutzpflanzen angebaut werden, wie unser Video zeigt:

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