VfB-Heimfluch gegen den 1.FC Köln Hilfe, die Kölner kommen!

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Wenn der VfB das Bundesliga-Schlusslicht empfängt, gilt es auch einen Heimfluch zu besiegen. Seit mehr als zwanzig Jahren haben die Stuttgarter gegen den FC zu Hause nicht mehr gewonnen.

Im September 1996 gewann der VfB mit Krassimir Balakov  letztmals zuhause gegen Köln. Foto: Baumann
Im September 1996 gewann der VfB mit Krassimir Balakov letztmals zuhause gegen Köln. Foto: Baumann

Stuttgart - In Stuttgart wirbelte das magische Dreieck mit Fredi Bobic, Giovane Elber und Krassimir Balakov, der Trainer hieß Joachim Löw, es wurde unter Bundeskanzler Helmut Kohl noch in D-Mark bezahlt, und in Wembley hatte Oliver Bierhoff einige Wochen zuvor die DFB-Elf per Golden Goal zum Europameister-Titel geschossen, als der VfB ein Hochgefühl erlebte, das sich bis dato nicht mehr eingestellt hat. Drei Punkte zu Hause gegen Köln waren seither nicht mehr drin. Denn der 4:0-Erfolg über den FC vom 8. September 1996 ist bis heute der letzte Bundesliga-Heimsieg der Stuttgarter über den Geißbock-Club geblieben.

Man darf also getrost von einem Heimfluch sprechen, der über dem Verein für Bewegungsspiele liegt, wenn es um Gastspiele des 1. FC Köln in Stuttgart geht. Dies gilt auch angesichts der Tatsache, dass das aktuelle Bundesliga-Schlusslicht nach 1996 in Summe acht Jahre in den Niederungen der zweiten Liga kickte. Durch die kurzzeitige Absenz des VfB gab es auch in der Vorsaison keine direkten Duelle. Doch die nackten Ergebnisse aus den vergangenen elf Bundesliga-Heimspielen gegen den FC lassen jeden Fan der Stuttgarter vor dem Anpfiff in der Mercedes-Benz-Arena am Freitag (20.30 Uhr) erschaudern: 1:1, 0:3, 0:0, 0:0, 2:3, 1:3, 0:2, 0:1, 2:2, 0:2 und 1:3, so lauteten bis heute die Endstände aus VfB-Sicht.

Hannes Wolf hält nichts von Heimflüchen

Schlechte Schwingungen, Heimflüche und dunkle Vorahnungen sind allerdings nicht die Sache von Hannes Wolf. Der Stuttgarter Trainer ist ein Realist, was aber nicht daran liegt, dass sich der 36-Jährige dieser Tage einen Schnupfen eingefangen hat. „Die Kölner haben eine gute Mannschaft, die zuletzt unglücklich agiert hat“, sagt Wolf über die Elf vom Rhein, die nun als Schlusslicht mit gerade mal zwei geschossenen Toren ohne den verletzten, 17 Millionen Euro teuren Stoßstürmer Jhon Córdoba am Neckar aufkreuzt: „Sie sind angeschossen – das macht sie gefährlich.“

Tatsächlich sollten sich die Stuttgarter, die gegen den FC immerhin eine passable Auswärtsbilanz aufweisen, gegen Köln zu Hause nie sicher sein. „Der VfB hat ein Riesenspiel gezeigt“, lobte der Kölner Mittelfeldmann Matthias Lehmann etwa nach dem ersten Spieltag der Saison 2015/16. Das Problem aus Stuttgarter Sicht: unter dem neuen Trainer Alexander Zorniger brachte das offensive Pressing damals zwar Chancen in Hülle und Fülle, aber beim 1:3 keine Punkte. Es war der Anfang vom Ende in der finsteren Stuttgarter Abstiegssaison.

Und es lief auch sonst nicht rund daheim gegen Köln: Im Herbst 2009 gab es gegen Lukas Podolski und Co. ein 0:2, als der Torhüter Jens Lehmann den Ball 25 Meter vor dem eigenen Kasten vertändelte und Winfried Sanou aus 42 Metern ins leere Tor traf. Wenig später musste der Trainer Markus Babbel gehen, genauso wie ein Jahr zuvor der Meistercoach Armin Veh, für den ein 1:3 gegen die Domstädter das vorletzte Heimspiel seiner ersten Amtszeit beim VfB bedeutete.

Kommt der VfB den Kölnern gerade zur rechten Zeit?

Gastiert der 1. FC Köln also aus seiner Sicht gerade zur rechten Zeit beim Aufbaugegner aus Bad Cannstatt? Der VfB-Sportvorstand Michael Reschke jedenfalls verspürt ein ganz besonderes Kribbeln. „Das ist ein super wichtiges Spiel“, betont Reschke, der in Frechen nahe der Domstadt geboren ist: „Wenn wir gewinnen, stehen die Kölner lange hinten drin. Gewinnt der FC, sind sie bis auf drei Punkte an uns dran.“

Trotz zuletzt drei Spielen ohne Sieg mit dem derben Nackenschlag von Frankfurt, als man gegen eine an diesem Tag schwache Eintracht nach einer slapstickreifen Fehlerkette in der Nachspielzeit noch 1:2 verlor („Das sind schon Schmerzen, aber die muss man aushalten“, sagt Wolf), will Dennis Aogo das Köln-Spiel nicht zu hoch hängen. „Wir dürfen uns nicht darauf einlassen, die Partie gegen den FC als Schlüsselspiel zu sehen“, sagt der Linksverteidiger. „Das Spiel ist wichtig, aber nicht dahingehend, dass das Ergebnis die Richtung der kompletten restlichen Saison vorgibt.“

Schließlich besäßen die Kölner viel mehr Qualität in ihrem Kader, als es der Tabellenstand abbilde. „Viele Fans werden denken: ‚Wenn wir heute nicht gewinnen, wann dann?‘“, sagt Aogo. „Aber davon dürfen wir uns nicht beeinflussen lassen.“

Ein Sieg über den 1. FC Köln und damit auch gegen den Bundesliga-Heimfluch (im DFB-Pokal gab es 2012 einen 2:1-Erfolg) würde aber gleich in doppelter Hinsicht guttun: Zum einen hätte der VfB Luft zu den Abstiegsrängen und liefe nicht Gefahr, irgendwann die Gladbacher zu beerben: Denn die Borussia konnte zwischen 1989 und 2015 im eigenen Stadion gegen Bayer Leverkusen 22 Spiele lang nicht gewinnen.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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