125 Jahre TSV Birkach In die Sporthalle statt in die Kneipe

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Der Pfarrer bringt die trinkfreudige Dorfjugend 1888 zur Gründung des heutigen Turn- und Sportvereins.

Die Jugendfußaller im Jahr 1912. Foto: TSV Birkach
Die Jugendfußaller im Jahr 1912. Foto: TSV Birkach

Stuttgart-Birkach - Zwanzig junge Leute sind eines Tages im Jahr 1888 durch Birkach gezogen und haben gerufen: „Auf ihr Birkacher, bleibt nicht dahinter, lasst uns einen Sportverein gründen.“ Dann zogen sie sich in eine Küferwerkstatt im damals noch selbstständigen Bauern- und Handwerkerdorf zurück und hoben den TBB, den Turnerbund Birkach, aus der Taufe. Das war die Geburtsstunde des TSV Birkach, der am Freitag sein 125-jähriges Bestehen feiert.

Ganz von allein waren die jungen Birkacher Männer nicht auf die Idee gekommen, sich öfter sportlich zu betätigen. Der damalige Pfarrer äußerte heftige Kritik am Verhalten der Jugendlichen: „Die ledige Jugend männlichen Geschlechts besucht die Kirche zu wenig, das Wirtshaus zu viel und dürfte viel mehr Sinn für edlere Dinge zeigen.“

30 Pfennig Mitgliedsbeitrag

Wer im neuen Turnerbund, zu dessen erstem Vorsitzenden Wilhelm Ackermann gewählt wurde, Mitglied werden wollte, musste 30 Pfennig Mitgliedsbeitrag bezahlen. Nach dem Vorbild der Berliner Hasenheide des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn bauten die jungen Männer – auf die bescheidenen Birkacher Verhältnisse zugeschnitten – ihren ersten Turngarten, und zwar „Hinter den Gärten“.

Schon wenige Jahre später konnte der Verein erste Erfolge verzeichnen. Anfang des 20. Jahrhunderts zählten die Birkacher Turner zu den erfolgreichsten auf den Fildern. Auch die Fußballabteilung wurde zu dieser Zeit gegründet. Mit den Siegen der Leichtathletin Hermine Wittmann festigte sich der Ruf des Turnerbunds um das Jahr 1929. Weitere bedeutende Sportler, die der Verein in 125 Jahren hervorgebracht hat, sind der Geräteturner August Stabel, der Sprinter und Weitspringer Willi Heydlauf oder Karl Rückle, der lange der beste Turner im Gau war.

Glücksgriff für den Verein

Der Zweite Weltkrieg bedeutete für den Turnerbund das Ende. Zum 1. Januar 1946 wurden alle sportlichen Organisationen und deren Aktivitäten verboten. Doch schon zwei Jahre später, 1948, wurde in der Birkacher „Krone“ der neue Turn- und Sportverein gegründet. Die Initiative dazu hatte Wilhelm Winter ergriffen.

Der 1972 zum Vorsitzenden gewählte Rolf Lehmann erwies sich als Glücksgriff für den Verein. Nicht nur, aber vor allem, weil in der Amtszeit des SPD-Stadtrats die neue Bleibe für den TSV entstand – mit Tennisplätzen, Kleinspielfeld, Gymnastikwiese, Hartplatz und dem Vereinsheim.

Inzwischen hat der Verein 17 Abteilungen mit 1350 Mitgliedern. Angeboten werden Breiten-, Gesundheits- und Wettkampfsport. Die meisten Mitglieder spielen Fußball. Zudem gibt es viele Kurse für Nichtmitglieder. Die Jugendarbeit steht im Fokus, fast die Hälfte der Mitglieder sind Kinder. Zum Beispiel gibt es den Kindersportclub: Mit der Grundschule bietet der TSV Sport-Arbeitsgemeinschaften an, die über den normalen Sportunterricht hin-ausgehen. Sie sind Teil des Stundenplans.

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