20-Jähriger durchwühlt Böblinger Hotelzimmer Drei Polizisten bändigen den Dieb

Justitia hat entschieden: Die Richter  am  Böblinger Amtsgericht haben dem  Angeklagten noch eine allerletzte Chance gegeben. Foto: dpa/Volker Hartmann
Justitia hat entschieden: Die Richter am Böblinger Amtsgericht haben dem Angeklagten noch eine allerletzte Chance gegeben. Foto: dpa/Volker Hartmann

Ein mehrfach vorbestrafter 20-Jähriger stiehlt in einem Böblinger Hotel ein Diamantenarmband, prügelt sich mit der Polizei und kommt auf Bewährung frei.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)

Böblingen - Ein wertvolles Platinarmband hatte der 20-Jährige Böblinger gestohlen, und als er erwischt wurde, verletzte er drei Polizisten und beleidigte fünf Polizeibeamte. Und das alles, obwohl er wenige Wochen zuvor wegen Drogenbesitzes rechtskräftig verurteilt worden war und noch unter Bewährung stand.

Der Diebstahl des diamantenbesetzten Platinarmbands geschah am 23. September dieses Jahres in einem Böblinger Hotel und markiert das Ende einer Reihe von Unterschlagungen, Diebstählen und Drogendelikten, die der 20-Jährige in den vergangenen Jahren begangen hat.

Stress mit der Freundin

An diesem Abend im September habe der Angeklagte, wie er sagte, „Stress mit seiner Freundin gehabt“, und sich deswegen mit einem Freund zum Alkohol- und Drogenkonsum in einem Hotelzimmer verabredet. Dort ließen sie auch eine Prostituierte auf das Zimmer kommen. Im Hotel machten sie dann die Bekanntschaft eines Herren, der im Zimmer nebenan wohnte. Was sich genau zutrug, das blieb in der Gerichtsverhandlung am Dienstag unklar, weil der Angeklagte sagte, er habe durch den Alkohol und das Marihuana große Gedächtnislücken, immerhin ließ sich ein Alkoholspiegel von 1,3 Promille zum Tatzeitpunkt errechnen.

Der 20-Jährige sagte aus, auch wenn er sich nicht mehr erinnern könne, müsse er wohl das Armband gestohlen haben. Die Polizei geht davon aus, dass der Angeklagte das Zimmer nach Wertsachen durchwühlt habe und anschließend das Armband im Wert von mehreren tausend Euro eingesteckt habe. „Im Zimmer sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, berichtete ein Polizeibeamter, „so etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nicht gesehen.“ Der Geschädigte war inzwischen in das Zimmer zurückgekommen, und hatte angesichts des Schadens die Polizei alarmiert. Unterdessen versuchte der Angeklagte, zusammen mit seinem Freund aus dem Hotelzimmer fliehen.

Dabei entdeckte sie die Polizei. Der Freund des Angeklagten ließ sich widerstandslos Handschellen anlegen, aber der 20-Jährige nicht. Er versetzte einem Beamten einen so heftigen Stoß, sodass dieser gegen eine Glastür geschmettert wurde. Darauf nahm ihn ein anderer Polizist in den Schwitzkasten. Doch der 20-Jährige ließ sich abrupt fallen und riss den Beamten mit, worauf sich der Mann das Knie prellte. Beim Versuch den Angeklagten zu bändigen, wurde noch ein dritter Polizist verletzt, schließlich konnten ihm die Männer Handschellen anlegen. Dabei beleidigte er die Polizisten mit extrem unflätigen Ausdrücken.

Termine mit der Bewährungshelferin sind geplatzt

Wegen dieser Taten verurteilte ihn das Amtsgericht Böblingen am Montag zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und fünf Monaten. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, obwohl der Angeklagte wenige Wochen vor dem Diebstahl zu einer Bewährungsstrafe wegen Drogenbesitzes verurteilt worden war. In dieser Bewährungszeit hatte der Angeklagte die Termine mit der Bewährungshelferin platzen lassen und auch die Geldauflagen nicht rechtzeitig bezahlt, die später seine Mutter beglichen hat.

Der Richter machte dem Angeklagten klar, dass er die neue Bewährung sofort widerrufen werde, wenn sich der Angeklagte nicht an die Auflagen halte: Er muss 100 Arbeitsstunden ableisten, sich einen Job suchen und nachweisen, dass er keine Drogen nimmt. Immerhin hat sich der 20-Jährige im Gerichtssaal bei der Polizei entschuldigt.




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