20 Jahre Lara Croft und Tomb Raider Vom Busenwunder zur Pop-Ikone

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Nur wenige Computerspielfiguren erreichen Kultstatus über den Bildschirm hinaus. Lara Croft ist eine von ihnen. Warum ist die kurvige und kampfbereite Amazone in 20 Jahren zur Pop-Ikone geworden?

Eine frühe Version der Computerspielfigur Lara Croft. Das erste „Tomb Raider“ erschien vor 20 Jahren. Foto: Archiv 17 Bilder
Eine frühe Version der Computerspielfigur Lara Croft. Das erste „Tomb Raider“ erschien vor 20 Jahren. Foto: Archiv

Stuttgart - Es gibt Computerspielikonen, die sich seit Jahrzehnten im Bewusstsein der Öffentlichkeit halten. Der blaurote Klempner Mario ist eine von ihnen. Er ist einmal als unermüdlicher Kämpfer gegen einen Fässer werfenden Gorilla namens Donkey Kong gestartet und inzwischen so populär, dass sein Erscheinen auf den Apple-Geräten dem Chef der amerikanischen Kultfirma Tim Cook eine extra Erwähnung in seiner Keynote wert war.

Lara Croft gehört ebenfalls zu den Pop-Ikonen der Gegenwart. Vor 20 Jahren turnte die akrobatische und kampferprobte Amazone zum ersten Mal über die Bildschirme der Gamer und seither ist eine Menge passiert: ein ganzer Schwung Spiele ist erschienen, zwei Filme wurden gedreht, ein dritter ist in Vorbereitung, Bücher und Comics sind entstanden. Lara Croft zählt heute zu den weiblichen Ikonen der 90er Jahre, und das hat Gründe.

1. Das Spielerlebnis: Das erste Tomb Raider bot 1996 ein völlig neues Spielerlebnis. Auch wenn die hakelige Steuerung und die gelegentlich in die seltsamsten Richtungen blickende Sichtführung den Spieler immer mal wieder schier wahnsinnig machten, entwickelte die Hatz nach wertvollen Artefakten mit Rätseleinlagen durch labyrinthartige Tempel, Städte und Ausgrabungsorte in 3D-Grafik einen unwiderstehlichen Sog. Zwar hatte die Spieleserie vor ein paar Jahren technisch und vom Spielerlebnis her einige Hänger, hat sich aber gefangen und zählt zwischenzeitlich mit 35 Millionen Titeln zu den meistverkauften Spieleserien der Welt.

2. Die Figur: Lara Croft ist immer cool gewesen. Die Spieleentwickler haben ihr von Anfang eine virtuelle Lebensgeschichte verpasst und sie zur reichen Erbin eines englischen Schlosses gemacht, so dass sie als weiblicher Indiana Jones ihrer Leidenschaft für Archäologie frönen konnte. Mit coolen Sprüchen sprang und schoss sie sich durch eine vor und auf dem Bildschirm männerdominierte digitale Welt – und gewann sowohl gegen ihre Kontrahenten als auch die Herzen der Gamer. Lara Crofts Lebensgeschichte erfuhr zwar im Laufe der Jahre diverse Abwandlungen, aber im Kern blieb sich Lara Croft immer treu.

Auf feuchte Männerträume zugeschnitten

3. Der Kult: Die zunächst auf feuchte Männerträume zugeschnittene, comicartige Bikinifigur hielt Frauen nicht davon ab, sich mit Lara Croft zu identifizieren. Ihr Image als starke und unabhängige Persönlichkeit, die einen Mann im Zweifel auch einmal verhaute, war stärker. Bis heute ist Lara Croft fester Bestandteil der so genannten Cosplay-Szene, in der sich Menschen wie bekannte Figuren aus Comics, Filmen oder eben Computerspielen kleiden. Die angeblich auf einen Rechenfehler bei der Programmierung gründende übermäßige Oberweite schrumpfte übrigens von Spiel zu Spiel immer mehr auf Normalmaß.

4. Die Filme: Zumindest der erste Film „Lara Croft: Tomb Raider“ aus dem Jahr 2001 darf als eine der gelungeneren der meist katastrophal schlechten Computerspielverfilmungen in der Filmgeschichte gelten. Lara Crofts erster Auftritt auf der Kinoleinwand erfand das Genre zwar keineswegs neu, aber eine solide Handlung, die an spektakulären Orten spielt und eine überzeugende Angelina Jolie, der die Rolle der Lara Croft geradezu auf den Leib geschrieben zu sein schien, machten den Abenteuerfilm zum Erfolg. Der Nachfolger „Die Wiege des Lebens“ indes war nicht mehr als ein müder Aufguss des ersten Teils und fristet sein Dasein in den verstaubten Katakomben der Filmhistorie.