20 Jahre Oblomow in Stuttgart Mit Wodka-Doppelherz auf Skiern bis in den Morgen

Die Absackerkneipe Oblomow trotzt jedem Wandel. Sind es die Leckereien in kurzen Schnapsgläsern wie Wodka-Doppelherz, die den Laden 20 Jahre lang jung gehalten haben? „Nein, wir sind und waren aber immer für solche Absurditäten aufgeschlossen. Das Übelste war Baileys-Apfelkorn“, erinnert sich Wagner. „Da kam noch ein Schuss Johannisbeersaft obendrauf und dann sah das Ganze geronnen aus – wir nannten es Gehirn.“ Tsiakmakis versucht zu erklären: „Das Oblomow ist so erfolgreich, weil wir niemanden ausschließen.“ Ins Oblomow kommt man auch auf Langlaufskiern rein. Das haben zwei Gäste mal gebracht, als ein halber Meter Neuschnee gefallen war. „Ich dachte, ich bin in Finnland“, sagt Wagner.

Heute stehen Wagner und Tsiakmakis nicht mehr so häufig selbst hinter der Bar wie früher. Das Nachtleben ganz missen möchten sie aber nicht. „Wenn ich die vergangenen 20 Jahre im Büro gesessen wäre, würde ich heute älter aussehen“, sagt Wagner, der bei all seinen Projekten eine fast schon Oblomow’sche Ruhe ausstrahlt.

„Gleich morgen!“ rief Oblomow erschrocken. „Was diese Menschen für Eile haben, als ob jemand mit der Hetzpeitsche hinter ihnen her wäre! Wir wollen es uns überlegen und miteinander besprechen, und dann, wenn Gott will!“

Das Lokal Oblomow wurde schon einige Male saniert, renoviert und oder umgebaut. Von der Decke des Oblomow hing bereits so ziemlich alles herunter, was man irgendwie dort befestigen kann – vom Flokati über ein deckenfüllendes Plastikbecher-Mobile bis zu weltraumhaften Halbkugel-Formationen. Eine der größten Veränderungen mache sich in der Karte bemerkbar: „Absturz ist unser Schwerpunkt, dass wir aber ab 15 Uhr geöffnet haben und warmes Essen anbieten, wissen nicht so viele Leute“, sagt Tsiakmakis.

Und wie haben sich die Gäste seit 1996 verändert? „Das ganze Ausgehverhalten hat sich geändert“, sagt Wagner und erzählt wieder von den 90er Jahren. „Damals hatten Unternehmen in Stuttgart große Pro­bleme, Mitarbeiter zu finden, weil man den Leuten das Nachtleben hier nicht zumuten wollte.“ Heute aber, vor allem seitdem die Theodor-Heuss-Straße zur Ausgehmeile der Leute aus dem Umland wurde, drängen alle nach Stuttgart rein.

Ob auf Skiern oder zu Fuß: In das Oblomow pilgern die meisten Gäste ab 3 oder 4 Uhr morgens. Am Wochenende kann man bis 8, unter der Woche bis 5 Uhr sitzen. Oder liegen. Oder einen dieser gewissen Zwischenzustände auskosten. Entscheidend dabei ist das Tempo, die richtige Bewegung. Auch hier liefert die Romanfigur die perfekte Handlungsanweisung für geschmeidige Oblomowerei.

Seine Bewegungen wurden, selbst wenn er erregt war, durch eine gewisse Weichheit und durch eine einer eigenartigen Anmut nicht entbehrende Lässigkeit gemäßigt.

Oblomow, Torstraße 20, S-Mitte, Party ab 20 Uhr.

 




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