27. Filmschau Baden-Württemberg Schöne neue Welt?

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Deutscher Oscar-Kandidat: "Ich bin dein Mensch" von Maria Schrader Foto: Christine Fenzl/Majestic

Die Filmschau darf mit 2G+ zurück ins Kino. 2021 passt sich die Visitenkarte der baden-württembergischen Filmkultur den dystopischen Gegebenheiten an und präsentiert auffallend viele Zukunftsszenarien. Zur Eröffnung wird es dennoch finnisch-melancholisch.

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Stuttgart – Voriges Jahr musste die Filmschau Baden-Württemberg komplett online stattfinden. Zur 27. Auflage des Schaulaufens regionaler Filmerzeugnisse darf man mit 2G+-Regelung endlich wieder in den Innenstadtkinos Platz nehmen – und sich vom 1. bis zum 5. Dezember 2021 mal wieder davon begeistern lassen, wie viel im Filmländ Baden-Württemberg passiert. Good to know: In der Gloria-Passage gibt es ein kostenlose Schnelltestzentrum. Roll over, Hollywood!

Unter den insgesamt 100 Filmen im diesjährigen Programm finden sich unter anderem ein Studenten-Oscar-Gewinner, eine Oscar-Kandidatin, Deutschland- und Baden- Württemberg-Premieren und jede Menge spannende Debütfilme. Vergeben werden wie in jedem Jahr die mit insgesamt 14.000 Euro dotierten Baden-Württembergischen Filmpreise sowie der Jugendfilmpreis.

Die Zukunft sieht nicht gut aus

Insbesondere im offiziellen Wettbewerb um den besten Spielfilm fällt auf, wie kritisch sich junge Filmemacher:innen mittlerweile mit Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen. Unter den sieben nominierten Langfilmen gibt es gleich drei, die grob dem Genre Science-Fiction zugehörig sind und allesamt Entwicklungen zuspitzen, die längst begonnen haben: „Endjährig“ entwirft ein beklemmendes Zukunftsdeutschland, in dem alle Menschen nach dem 79. Lebensjahr staatliche Zwangs-Sterbehilfe auferlegt bekommen, um das überalterte und heruntergewirtschaftete Land zu retten.

Die deutsche Oscar-Hoffnung „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader zeichnet eine Welt, in der Androiden als perfekte Partner in der letzten Testphase angekommen sind. Der clevere, bewegende und dennoch leichte Film zeigt, wie viel Tücke doch im Wunsch nach Perfektion lauert. Am Ende sind es eben doch vielleicht gerade unsere Schwächen und Macken, die uns liebenswert machen. Und „Tides“ zeigt in einem eindringlichen „Mad Max“-ähnlichen Szenario, was mit der Menschlichkeit passiert, wenn es fast keinen Lebensraum mehr gibt.

Finnische Melancholie

Natürlich gibt es auch andere Themen. „Gracious Night“ etwa, ein von lakonischem Humor und stiller Melancholie gezeichnetes Kammerspiel, das in einer verlassenen Bar in Helsinki spielt und die Filmschau am 1. Dezember um 20:15 Uhr im Gloria eröffnen wird. Oder „Borga“, ein spektakulärer und aufwühlender Film zwischen Ghana und Mannheim. der Kurzfilm „Avantgarde“, der ein Berlin in den frühen Morgenstunden in eine surreale Halbwelt zwischen Realität und Fantasie verwandelt. Oder „Benztown“, ein absurder und dennoch hintersinniger Animationsfilm, der ziemlich eindringlich zeigt, wie sich eine Stadt gegen den Verkehr wehrt. Oder oder oder…

Frauenfußball in Namibia

Weinen, lachen, staunen, schlucken: Das Portfolio ist in diesem Jahr extra weit gefasst. Gilt auch für die Dokumentationen, für die Baden-Württemberg schon lange auch international gerühmt ist. „Mein fremdes Land“ von den Filmakademie-Studenten Johannes Preuss und Marius Brüning etwa, eine emotionale, unkitschige Suche nach den eigenen Wurzeln und der Identität. Der Film begleitet Manuel Sosnowski, der als einjähriges Baby in Bolivien von einer deutschen Familie adoptiert wurde und sich 31 Jahre später in seinem Geburtsland auf die Suche nach seiner Mutter macht. Oder „Namibia’s Number Nine“ von Stephanie Constantin und Sarah Lanz über Thomalina, eine Geschichte über die berühmte Fußballerin aus dem Team von Namibia und die Stöcke, die ihr zwischen die Beine geworden wurden. Kick it like Thomalina.

16 sterbende Schwäne

Klares Sahnehäubchen auf der 27. Filmschau Baden-Württemberg ist Eric Gauthier. Der bringt sein preisgekröntes „The Dying Swans Project“ als Director’s Cut auf die große Leinwand. 16 Solos für jedes Mitglied von seiner Compagnie im Theaterhaus, 16 Versionen des berühmten sterbenden Schwans. Auch dafür gibt es die große Leinwand. Zutritt zu allen Veranstaltungen ist nur mit 2G+ möglich. Außerdem ist es natürlich ratsam, sich tagesaktuell über die Entwicklungen zu informieren. Drücken wir alle Daumen, dass die Filmschau dieses Jahr ihre Rückkehr in die Kinos feiern kann. Die Beiträge hätten es mehr als verdient. Alle weiteren Informationen, Tickets und das gesamte Programm gibt es unter www.filmschaubw.de




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