3. Oktober in Leonberg Ohne die Ehrenamtlichen wäre alles nichts

Von Thomas K. Slotwinski 

Ob Feuerwehr, Rettungsdienste, Sport, Kultur oder Kommunalpolitik: Viele engagierte Menschen halten unsere Gesellschaft am Laufen. Zum Tag der Einheit würdigt der Oberbürgermeister deren Engagement und blickt sorgenvoll in die Welt.

Voll des Lobes für das ehrenamtliche Engagement: Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. Foto: factum/Simon Granville
Voll des Lobes für das ehrenamtliche Engagement: Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - In Leonberg ist der 3. Oktober nicht nur der Tag der Einheit, sondern auch der Tag der Vereine. Schon vor weit mehr als zehn Jahren hatte der damalige Oberbürgermeister Bernhard Schuler den Nationalfeiertag zum Anlass genommen, das lokale Ehrenamt zu würdigen. Seither lädt die Stadt Vereinsvertreter und andere im Dienst der Gemeinschaft engagierte Menschen in die Steinturnhalle ein.

Eine Tradition, die Schulers Nachfolger Martin Georg Cohn (SPD) gerne übernommen hat. Und so bevölkern am Donnerstag rund 350 Menschen die Steinturnhalle. Sitzplätze gibt es allenfalls an den Rändern und auf der Empore. Der Rest muss stehen. Was Albert Kaspari positiv findet: „So kommt man schneller ins Gespräch“, meint der Vorsitzende des Obst-, Garten- und Weinbauvereins, der sich traditionell um die Verpflegung der Gäste kümmert.

Lebensgefährlicher Einsatz

Es wäre auch sonderbar, wenn bei einem Empfang, der im Zeichen des Ehrenamts steht, ein professioneller Caterer das Buffet bestücken würde. Und dass das freiwillige Engagement nicht nur eine erfreuliche Begleiterscheinung, sondern ein zentraler Bestandteil des öffentlichen Lebens ist, das verdeutlicht der Oberbürgermeister in seiner Ansprache: „Wenn Sie nicht tätig wären, was wäre dann?“

Soziale und kirchliche Einrichtungen stärken die Gesellschaftsentwicklung, Sport- und Kulturvereine sind für die Stadt profilprägend, Rettungsdienste wie das Rote Kreuz mit ihren zahllosen freiwilligen Helfern unersetzlich.

Beispielhaft nennt Martin Georg Cohn den lebensgefährlichen Einsatz der Feuerwehr beim Großbrand in der Vergärungsanlage am Frauenkreuz, bei der nicht nur Brandbekämpfer, sondern viele andere Helfer eine Katastrophe verhindert haben.

„Nicht alle verstehen sich gleich gut“

Cohn verschweigt nicht, dass es dabei zu internen Konflikten kommen kann, wie vor zwei Jahren bei der Leonberger Feuerwehr: „Nicht alle verstehen sich gleich gut, es gibt verschiedene Stimmungslagen und inhaltliche Meinungsverschiedenheiten, eben weil jede Münze zwei Seiten hat.“ Doch das gemeinsame Ziel, so sagt der Rathauschef, stehe über den Unstimmigkeiten. „Deshalb ist es immer wichtig, miteinander zu reden.“

Dass nicht alle die eigene Arbeit positiv beurteilen, das spürt er am eigenen Leib, sagt Cohn. „Doch wenn einer von zehnen sagt: Geh zu dem, der hilft dir, dann reicht das schon als Motivation.“

Respektvoller Umgang

Mit dem Beispiel aus der eigenen Praxis schlägt der OB eine Brücke zum Gemeinderat. Denn die Kommunalpolitiker in den Gremien sind allesamt ehrenamtlich tätig. „Während ihrer Freizeit übernehmen sie viel Verantwortung und müssen sich für etliche Entscheidungen öffentlich rechtfertigen.“ Dabei sei der Umgang im Leonberger Gemeinderat trotz der mitunter unterschiedlichen Sachpositionen stets respektvoll. Der Oberbürgermeister zitiert in diesem Zusammenhang unsere Zeitung, die das Klima im Gemeinderat augenzwinkernd mit „Alle haben sich plötzlich lieb“ umschrieben hat.

Während Martin Georg Cohn also zuversichtlich das Leonberger Innenleben analysiert, blickt er sorgenvoll in die Welt. War der Fall der Mauer vor 30 Jahren „ein Paukenschlag, der unblutig und im Konsens mit den Nachbarn ein neues Kapitel aufgeschlagen und den Kalten Krieg beendet hat“, so stelle sich die Weltpolitik von heute weniger verheißungsvoll dar. Boris Johnson und Donald Trump hätten vor allem eigene Interessen im Sinn.

Herzlich in Rovinj

Wie Völkerverständigung an der Basis funktioniert, das zeige die Partnerschaft mit Rovinj. Vergangenes Wochenende war ein Bus mit Schülern, Vereinsaktiven und Rathausleuten an der Adria, wo sie herzlich aufgenommen wurden: „Ein gutes Zeichen in Zeiten, in denen Europa ab und zu infrage gestellt wird. Das Europa, wie wir es heute haben, ist auch ein Ergebnis der deutschen Wiedervereinigung. Darauf können wir stolz sein.“

Mit dieser positiven Botschaft entlässt der Oberbürgermeister seine Gäste in den Feiertag, die rund um die Ansprache von dem hervorragenden Orchester Serenata unter der Leitung von Bernard Masing bestens in Festlaune versetzt werden.




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