3. Stuttgarter Hate-Slam Wenn „Gott“ an die Zeitung schreibt

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Beim dritten Stuttgarter Hate-Slam in den Wagenhallen traten drei Zeitungen gegeneinander an. Eva-Maria Manz und Martin Gerstner für die StZ, Laura Thies und Miriam Zissler für die Augsburger Allgemeine sowie Roman Deininger und Max Hägler für die Süddeutsche Zeitung. Die Stuttgart-Korrespondenten der SZ holten zum zweiten Mal den goldenen „Arsch mit Ohren“.

Redakteurinnen und Redakteure von drei Zeitungen wetteifern um die schlimmsten  Leser: Lea Thies, Miriam Zissler, Martin Gerstner, Eva-Maria Manz,   Max Hägler und Roman Deininger (von links) . Die „Süddeutsche Zeitung“ gewinnt den Wettbewerb. Foto:  
Redakteurinnen und Redakteure von drei Zeitungen wetteifern um die schlimmsten Leser: Lea Thies, Miriam Zissler, Martin Gerstner, Eva-Maria Manz, Max Hägler und Roman Deininger (von links) . Die „Süddeutsche Zeitung“ gewinnt den Wettbewerb. Foto:  

Innenstadt - Von der Schräglage über das Rocker 33 und die Wagenhallen in die Porsche-Arena – davon hat der Moderator Michael Gaedt am Montag in den Wagenhallen beim Anblick der langen Warteschlange geträumt. Hass, Spott und Bösartigkeit sind immer noch Trend. Auch beim dritten Stuttgarter Hate-Slam mussten sich rund 500 Wartende ein alternatives Abendprogramm überlegen. Gaedt freute sich über die rund 600 jungen Leser: „Und das, obwohl ständig ein Überdruss der Printmedien beklagt wird.“ Der Andrang zeige, dass auch junge Leute noch gedruckte Zeitungen lesen. Dabei wurde er ein bisschen pathetisch: „Die Fackel der Aufklärung leuchtet also immer noch.“

Die Leser der Süddeutschen hassen am besten

Mit Pathos war es danach allerdings vorbei. Es wurde böse. Und am Besten hassen nach wie vor die Leser der „Süddeutschen Zeitung“. Die Stuttgart-Korrespondenten der „SZ“, Roman Deininger und Max Hägler, konnten ihren Titel von 2012 verteidigen und holten erneut den goldenen „Arsch mit Ohren“. Lea Thies und Miriam Zissler von der „Augsburger Allgemeinen“ wurden von der dreiköpfigen Zuschauer-Jury auf den zweiten Platz gewählt, das StZ-Team mit Eva-Maria Manz und Martin Gerstner auf den dritten.

Die „Augsburger Allgemeine“ konnte in puncto Bösartigkeit durchaus mithalten. „Es stinkt nach Schwefel bei Euch, ihr kleinen Scheißer“, schrieb ein Leser, der mit „Gott“ unterzeichnete. Auch bei der StZ ist das Verhältnis der Leser zu ihrer Zeitung nicht immer kuschelig. Auf eine Kolumnistin hatte es ein Leser besonders abgesehen. „Lassen Sie die Frau von einem Fischkutter von Bremen aus auf die offene Nordsee treiben“, rezitierte Gerstner aus dem Brief. Sogar für den frei werdenden Platz in der Zeitung hatte der aufmerksame Leser einen Vorschlag: „Selbst eine Anzeige von Lidl oder Aldi wäre ein Gewinn.“

Vor drei Jahren hat Uli Schwinge von der Edition Randgruppe mit Hilmar Pfister, ehemaliger Redakteur bei den „Stuttgarter Nachrichten“, den Hate-Slam ins Leben gerufen. Bei der dritten Auflage in den Wagenhallen konkurrierten die drei Teams darum, wer die bösesten, die lustigsten und die irrsten Briefe von seinen Lesern erhalten hat. Punkten konnten die Redakteure zudem noch mit der größten Beschimpfung und in der Kategorie „Freistil“.

Bananen heilen Aids

Doch nicht alle Leser wollen ihrer Zeitung Böses. Einige sind auch sehr bemüht, ihr Wissen mit der großen Masse zu teilen. Was gibt es da Besseres, als dieses Wissen in schriftlicher Form direkt an die Tageszeitung zu schicken. Während ein Leser der StZ über das Schicksal der Saatkrähe in Oberschwaben aufklärte, war es einem anderen wichtig, darüber zu informieren, dass sein „Bügeleisen radioaktiv bearbeitet“ wurde. Zudem hat ein gewiefter Leser der StZ in einer Selbststudie herausgefunden, dass „Bananen Aids heilen“.

Bei der „Süddeutschen Zeitung“ kann ein Leser wiederum aufatmen. Schon lange war ihr das sinkende Niveau der „SZ“ aufgefallen. Da Deininger Anfang September nach München wechselte, kennt sie nun die Ursache dafür. „Ich kann das nun konkret an ihrem Mitarbeiter Roman Deininger abmachen.“ Er wird nun in Zukunft seinen „blinden Schwabenhass“, der ihm von einem anderen Leser unterstellt wird, dort ausleben. Beim nächsten Hate-Slam haben dann vielleicht andere Redaktionen Chancen auf den Sieg – sofern auch Max Hägler dem Rat eines Lesers folgt und in Zukunft „lieber auf einem Swinger-Schiff forscht“.

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