Ex-Vize-Weltmeister gestorben Erinnerungen an Motorradlegende Reinhold Roth

Honda-Kollege Toni Mang (links) gönnt Reinhold Roth 1987 bei der Siegerehrung in Hockenheim  einen Schluck Champagner aus seiner Magnumflasche. Foto: imago/Norbert Schmidt
Honda-Kollege Toni Mang (links) gönnt Reinhold Roth 1987 bei der Siegerehrung in Hockenheim einen Schluck Champagner aus seiner Magnumflasche. Foto: imago/Norbert Schmidt

Der frühere Motorrad-Vizeweltmeister Reinhold Roth ist im Alter von 68 Jahren am Freitag gestorben. Einen Unfall am 17. Juni 1990 beim Großen Preis von Jugoslawien in Rijeka hatte Roth mit schwersten Verletzungen überlebt. Seitdem war er pflegebedürftig.

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Wangen im Allgäu - Die Parallelen sind unverkennbar. Dies war Elfriede Roth sofort klar, als sie Ende 2013 vom Skiunfall von Michael Schumacher gehört hat und langsam die dramatischen Konsequenzen bekannt wurden. Da kamen sofort Erinnerungen an den Unfall ihres Mannes Reinhold Roth auf. Der Oberschwabe aus Amtzell war am 17. Juni 1990 bei einem Motorrad-Rennen in Rijeka verunglückt. Der zweimalige 250er-Vizeweltmeister war einem langsam fahrenden Konkurrenten beim Überholen auf dessen Motorrad geprallt. Die Ärzte diagnostizieren ein Schädel-Hirn-Trauma. Weil die medizinische Versorgung vor Ort schlecht war, blieb Roth fünfeinhalb Minuten ohne Sauerstoff. Zehn Prozent Überlebenschance hatten die Ärzte dem damals 37-Jährigen gegeben. „Sie durchlebt wirklich die gleichen Gefühle, die ich auch durchlebt habe“, erzählte Roth in einer Talkshow. Beide Motorsportler wurden zum Pflegefall.

Sowohl bei Schumacher als auch bei Roth mussten die beiden Ehefrauen Corinna Schumacher und Elfriede Roth das Leben nach dem Schicksalsschlag völlig neu organisieren. Und neben der Pflege mussten beide dafür sorgen, dass die Kinder nicht zu kurz kommen. Einerseits Gina-Maria und Mick Schumacher, andererseits Matthias Roth, der damals gerade sechs Jahre alt war. Zufrieden sagte Roth später: „Ich habe unser Leben ganz gut gemeistert.“

Während Corinna Schumacher ihren pflegebedürftigen Ehemann komplett vor der Öffentlichkeit abschirmt, ging Elfriede Roth damit sehr offen um. Im Gegensatz zum Rekord-Formel-1-Weltmeister war ihr Mann „nur“ zweimaliger Motorrad-Vizeweltmeister.

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Auch mit Journalisten sprach sie ausführlich über die gesundheitlichen Fortschritte ihres Mannes. Etwa, dass er nach sieben Jahren wieder ein Wort gesprochen habe. Und als er sitzen konnte, wurde er jeden Tag im Rollstuhl spazierengeschoben. Aber sie hat auch gestanden: „Die ersten drei Jahre waren hart, zuerst funktionierst du nur.“ Große Unterstützung fand Elfriede Roth in ihrer Familie und im Glauben, wie sie regelmäßig sagte.

Niemals hat Elfriede Roth mit ihrem Schicksal gehadert. Oder den Beruf ihres Mannes verdammt. „Wir haben 16 wunderschöne Jahre miteinander verbracht“, sagt sie noch heute, „und er hat mir so viel geboten, da müssen andere 80 Jahre alt werden und haben dann nicht so intensiv gelebt wie wir.“

Noch vor dem Unfall hatte Familie Roth ein Grundstück in Amtzell. Der Baubeginn des Hauses im mediterranen Stil war danach. Für Reinhold Roth wurde ein eigener Bereich angelegt. An der Wand hing seine gelb-weiße Lederkombi, auf einem Regal standen einige seiner Pokale. Und es gab Zimmer für die Physio- und Ergotherapie. „Ich wollte, dass Reinhold jeden Tag gefordert wird“, sagte sie. Und der ehemalige Sportler hat die Herausforderung angenommen.

Roth war Kettenraucher und wurde von allen nur „Jointie“ genannt

Herausfordernd war schon der Beginn seiner Laufbahn. Mit wenig Geld musste er klarkommen. Immer wieder musste er Rückschläge erleiden, weil er kein konkurrenzfähiges Material bekommen hatte. Erst als er 1987 dank der Unterstützung eines Sponsors, sinnigerweise ein Zigarettenhersteller für den Kettenraucher Roth, der deshalb von allen nur „Jointie“ genannt wurde, zum Werksfahrer aufstieg, avancierte er zum Siegfahrer. Seinen mühevollen Aufstieg hat er nie vergessen, für die Fans nahm er sich immer Zeit, machte auch gerne Späße mit ihnen.

Gerne erzählte Elfriede Roth auch von einem Traum. „Da war ein großes Maisfeld, er steht an der Türe, Gott vor ihm. Matthias und ich stehen weit weg, wie so kleine Pünktchen – und dann schickt Gott ihn zurück zu uns und Reinhold kommt mühsam, mit ganz kleinen Schritten auf uns zu. Das war unser Leben: viele kleine Schritte und mühsam – vor allem für Reinhold.“

Am Freitag hat Reinhold Roth seinen langen Kampf verloren. Im Kreis seiner Familie ist er mit 68 Jahren friedlich eingeschlafen.

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