50 Jahre Atrio Leonberg Selbstständig und selbstbestimmt leben

Von Arnold Einholz 

Der diakonische Unternehmensverbund Atrio versteht sich als Partner von Menschen mit geistigen, körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen.

Mit der „Beschützenden Werkstatt“ in der Bahnhofstraße hat die  50-jährige Erfolgsgeschichte von Atrio begonnen. Foto: privat
Mit der „Beschützenden Werkstatt“ in der Bahnhofstraße hat die 50-jährige Erfolgsgeschichte von Atrio begonnen. Foto: privat

Leonberg - Dass Menschen mit einer Behinderung ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sind, sie selbstständig und selbstbestimmt arbeiten sowie wohnen und an allen Angeboten teilnehmen können, aber auch die notwendige Unterstützung und Begleitung erfahren, ist nicht immer selbstverständlich gewesen. Dass es vor Ort aber der Fall ist, ist der Verdienst von Atrio Leonberg. Der diakonische Unternehmensverbund blickt auf 50 Jahre segensreiches Wirken zurück.

Alles hat damit begonnen, dass der Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind in Stadt und Kreis Leonberg“, in dem Eltern und engagierte Bürger aktiv sind, am 10. Oktober 1968 die bereits im Juni gleichen Jahres beschlossene Gründung der „Beschützende Werkstatt für geistig und körperlich Behinderte in Stadt und Kreis Leonberg“ vollzogen hat. Geeignete Räume für die Betreuung und Förderung von Menschen mit einer Beghinderung zu finden, war nicht einfach. Auch die Öffentlichkeit war nicht besonders aufgeschlossen für die Aufgaben und Ziele der Beschützenden Werkstatt. Im Juli 1970 ging es dann mit sieben Mitarbeitern in den angemieteten Räumen eines Steinmetzbetriebes in der Bahnhofstraße los.

Die Wartelisten waren lang

Angelegt war die Werkstatt für 26 Arbeitsplätze. Die Betriebe gaben ihre ursprüngliche Zurückhaltung auf und erkannten, dass auch Behinderte gute Arbeit leisten. Es regnete Aufträge und auch das Vertrauen der Eltern in die Einrichtung wuchs. 1973 waren alle Arbeitsplätze belegt, es gab Wartelisten. Die Werkstatt musste expandieren und so wurde 1975 die Werkstatt für Behinderte (WfB) in der Böblinger Straße im Ramtel gebaut.

Schon wenige Monate nach dem Umzug wurde klar, dass man zu klein geplant hatte, und so entstanden in einem zweiten Bauabschnitt weitere 60 Arbeitsplätze. Gleichzeitig kam das Problem auf, dass Menschen mit einer Behinderung auch außerhalb der Werkstatt Betreuung benötigen. Vor allem fehlte es an Wohnraum – als Interimswohnheim wurde 1978 das ehemalige Verwaltungsgebäude der Brauerei Kirchner in Eltingen umgebaut und bezogen. Ende 1984 war dann das erste WfB-eigene Wohnheim in der Ulmer Straße fertig. Und seither ist die WfB, die inzwischen in dem diakonischen Unternehmensverbund Atrio aufgegangen ist, immer wieder gewachsen.

Aufgabenstellung und Ziele haben sich verändert

„Der Wandel in der Namensgebung macht am besten deutlich, wie sich die Aufgabenstellung und die Ziele im Laufe der Zeit verändert haben“, sagt Atrio-Vorstand und Geschäftsführer Bernhard Siegle. Dem Trägerverein von Atrio gehören die Kommunen aus dem Altkreis und Einzelpersonen an. Und so gehört es zu den Aufgaben Siegles, auch den Willen des Vereins in die Tochterunternehmen einfließen zu lassen.

„Anfangs ging es darum, in der Werkstatt die Menschen zu beschützen und zu versorgen. Als wir 1998 zur Behindertenhilfe wurden und die Tochtergesellschaft Werkstatt für Behinderte gegründet wurde, waren eine gute Förderung und Unterstützung wichtige Ziele“, sagt Siegle im Rückblick. Die Umfirmierung 2012 in Atrio habe viel mit dem Thema Inklusion zu tun und das Bewusstsein, dass die Gesellschaft durch die Vielfalt der Menschen reicher wird. „Wir nutzen Chancen und setzen auf die Fähigkeiten und Möglichkeiten jedes Einzelnen und jeder Einzelnen“, sagte Siegle. Alle Angebote von Atrio sind auf die individuellen Bedürfnisse angepasst. „Das betrifft zum einen die Arbeit, die stark ausdifferenziert und aufgefächert ist, aber auch die große Palette der Wohnangebote“, erläutert Bernhard Siegle.

Der diakonische Unternehmensverbund hat auch einen Aufsichtsratsvorsitzenden. Von Anfang an bis 1991 war es der Unternehmer Manfred Pfau, ihm folgte der ehemalige Leiter der Leonberger Stadtkämmerei Wilfried Gaißert. Im Jahr 2016 hat Gerd Winkler das Amt übernommen. Atrio ist nicht nur in Leonberg aktiv. Auch in Höfingen gibt es eine Werkstatt und eine Wohnanlage, im Gerlingen ein Mehrgenerationenhaus und in Ditzingen ein Wohnhaus. Doch das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. In Weil der Stadt und in Renningen hat Atrio ebenfalls Wohnprojekte angestoßen.




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