60 Jahre Bodenseewasserversorgung Zwei Arten Wasser in der Landeshauptstadt

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37,2 Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchen die Bürger der Landeshauptstadt pro Jahr – oder vielmehr gebrauchen, denn Wasser bleibt ja erhalten und kehrt, in welcher Form auch immer, in den Kreislauf zurück. Die Menschen im östlichen Stadtgebiet erhalten das etwas härtere Landeswasser; in den westlichen Bezirken fließt Bodenseewasser aus den Leitungen. Gemischt wird in Stuttgart nicht. Allerdings gibt es an der Solitude und in Ruit Anlagen, durch die im Notfall die Netzsysteme miteinander verbunden werden können, wie Maria Quignon von der BWV erläutert.

Was die Qualität des Wassers anbetrifft, so sollen Abertausende von Analysen pro Jahr belegen, dass das Wasser bedenkenlos getrunken werden kann. Auch Pflanzenschutzmittel oder Medikamente, die in den Kläranlagen noch nicht gut genug herausgefiltert werden können, seien nur in sehr geringen Mengen feststellbar, sagen beide Zweckverbände. Nach heutigem Stand der Wissenschaft könne ein gesundheitliches Risiko ausgeschlossen werden, heißt es in einer Stellungnahme der BWV.

Streit um den Wert des Wassernetzes

Die Landeswasserversorgung muss aber einen höheren Aufwand betreiben, da das Donauwasser stärker gereinigt werden muss als das recht saubere Bodenseewasser. Der Nitratgehalt, verursacht durch den Eintrag aus landwirtschaftlichen Flächen in das Grundwasser, ist beim LW-Wasser mit 23,9 Milligramm pro Liter recht hoch. „Ohne diesen Eintrag läge der Nitratgehalt bei zwölf Milligramm“, sagt Sprecher Bernhard Röhrle: „Den Wert zu senken, bleibt eine unserer großen Aufgaben.“Die existenziellen Probleme um das Wasser sind also in Stuttgart vorbei – politische gibt es aber sehr wohl. Die Stadt Stuttgart hat um die Jahrtausendwende ihr Wassernetz an die Energie Baden-Württemberg (EnBW) verkauft – und möchte es nun zurückhaben. Seitdem streiten sich Stadt und EnBW um den Kaufpreis. Ein erster Termin am Landgericht wurde nun aber vom Juli in den Dezember verlegt.

Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) ist im Übrigen der Vorsitzende beider Versorgungsverbände. Das ist insofern kurios, als die EnBW ja Eigentümer des Stuttgarter Netzes ist, und ihr gehören auch die Wasserbezugsrechte. Die Stimmrechte in den Verbandsversammlungen blieben aber bei der Stadt, so Maria Quignon. Was bedeutet: Vorerst ist Kuhn in dieser Sache der König, aber ein König ohne Land.




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