Interview60 Jahre Priester – Kardinal Kasper im Interview „Der Zölibat hat seine Probleme“

Von Almut Siefert 

Vor 60 Jahren wurde Kardinal Walter Kasper, der ehemalige Bischof der Diözese Stuttgart-Rottenburg, zum Priester geweiht. Im Gepräch erklärt er, warum er sich heute wieder für diesen Weg entscheiden würde, warum manche Kritik an Papst Franziskus für ihn schlicht respektlos ist, und wie es sich mit dem Zölibat lebt.

Kardinal Walter Kasper wünscht sich, dass alle Religionen zusammenarbeiten, um den Frieden auf dieser Welt zu verbreiten. Foto: dpa
Kardinal Walter Kasper wünscht sich, dass alle Religionen zusammenarbeiten, um den Frieden auf dieser Welt zu verbreiten. Foto: dpa

Rom - Das Reformationsjahr hat der Ökumene einen neuen „Drive“ gegeben, sagt Kardinal Kasper. Er ist überzeugt, dass beide Kirchen gewillt sind, einen Schritt nach vorne zu machen. Dies gehe nur in Schritten, nicht mit einem großen Sprung.

Kardinal Kasper, Papst Franziskus nutzt den Kurznachrichtendienst Twitter wie keiner vor ihm. Was würden Sie – auf die Twitter-üblichen 140 Zeichen begrenzt – den Menschen sagen, wenn man Sie bitten würde, beim nächsten Evangelischen Kirchentag in Berlin zu sprechen?
Grundsätzlich kein Problem. Da gehen auch viele Katholiken hin. Der Kirchentag ist inzwischen recht ökumenisch. Also, noch mal in Twitter-Länge: Wenn möglich hingehen! Und teilnehmen!
Vor genau einem Jahr, im April 2016, waren Sie zusammen mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, bei Papst Franziskus. Wie steht es im Jahr 2017, 500 Jahre nach der Reformation, um die Ökumene?
Das Reformationsjahr hat der Ökumene einen neuen Drive gegeben. Heinrich Bedford-Strohm war ja vor Kurzem wieder beim Papst und vergangenen Sonntag bei der 200-Jahr-Feier der evangelisch-lutherischen Gemeinde hier in Rom – das waren sehr gute Begegnungen. Ich denke, beide Kirchen sind gewillt, einen Schritt nach vorne zu machen. Das geht zwar nur in Schritten, nicht mit einem großen Sprung. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.
Vor rund 20 Jahren kam das umstrittene Werk „Kampf der Kulturen“ von Samuel Huntington raus, in dem er nicht die Kriege zwischen Nationen, sondern zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen prophezeit, auch von Religionskriegen ist die Rede. Haben Sie es damals gelesen?
Ich habe es nicht ganz gelesen, aber Teile davon sehr genau studiert.
Was dachten Sie damals darüber, und wie denken Sie heute darüber?
Es gibt heute Auseinandersetzungen zwischen den Kulturen und den Religionen. Leider, denn die Religionen sollten zusammenarbeiten für den Frieden. Nun gibt es Konflikte nicht mit den Muslimen allgemein, aber mit radikalisierten muslimischen und auch mit hinduistischen Gruppen. Die katholische Kirche hat sich für den Dialog entschieden. Sie möchte mit allen Religionen für den Frieden und die Gerechtigkeit in der Welt zusammenarbeiten. Man schätzt die anderen Religionen, ohne sich mit ihnen zu vermischen, aber alle Religionen haben den Frieden als ihr Programm. Wir wollen mit den gemäßigten Muslimen unter gegenseitigem Respekt zusammenleben und zusammenarbeiten. Mit Terroristen ist das selbstverständlich nicht möglich. Für die sind die Polizei und die Justiz zuständig, nicht wir.



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