75 Jahre Kampfmittelbeseitigung Die Spezialisten für Entschärfung brauchen mehr Personal

Thomas Strobl (links) lässt sich vom Feuerwerker Christoph Rottner die Entschärfung einer Fliegerbombe erklären. Foto: Simon Granville 7 Bilder
Thomas Strobl (links) lässt sich vom Feuerwerker Christoph Rottner die Entschärfung einer Fliegerbombe erklären. Foto: Simon Granville

Bei einem Empfang zum 75-jährigen Bestehen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes verteilt Innenminister Thomas Strobl viel Lob an die Mannschaft. Mit auf den Weg zurück ins Ministerium nimmt er den Wunsch nach einem Ende der Stellenbesetzungssperre.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Niemand weiß, wie lange der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes noch gebraucht wird oder wie viele Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs hierzulande noch im Boden stecken. Nur so viel steht fest: „Es werden sicher noch Jahrzehnte sein“, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer am Donnerstag im Wald zwischen Böblingen und Sindelfingen, wo die Abteilung seiner Behörde ihren Sitz hat. Auch Innenminister Thomas Strobl (CDU) sieht die Arbeit noch lange nicht am Ende: „Das ist eine Generationenaufgabe.“ Am Donnerstag waren beide dort zu Besuch anlässlich des 75-jährigen Bestehens.

Der Regierungspräsident äußert einen dringenden Wunsch

Damit diese Aufgabe auch weiterhin gut erledigt werden kann, hat der Regierungspräsident einen Wunsch ausgesprochen: Er bat Innenminister Thomas Strobl, sich für ein Ende der einjährigen Wiederbesetzungssperre frei werdender Stellen einzusetzen, die im Land gilt. Dem Kampfmittelräumdienst dräue aufgrund anstehender Pensionierungswellen ein Personalrückgang. In den kommenden fünf Jahren würden vier Mitarbeiter das Rentenalter erreichen. „Wir brauchen junge Leute“, so Reimer.

Für den Kampfmittelbeseitigungsdienst sind 35 Stellen vorgesehen, aktuell sind vier nicht besetzt. Bei Neueinstellungen kommt noch eine Besonderheit hinzu. So kommen die Feuerwerker zum Beispiel aus unterschiedlichen Handwerksberufen und können logischerweise nicht sofort mit der Entschärfungsarbeit loslegen. Sie müssen zunächst eingearbeitet werden, bevor sie solche Einsätze übernehmen können.

800 bis 1000 Fälle sind pro Jahr zu bearbeiten

Was die Leute vom Kampfmittelbeseitigungsdienst alles zu bewältigen haben, davon verschaffte sich der Innenminister bei einem Rundgang einen Eindruck. 800 bis 1000 Meldungen von Munitions- oder Bombenfunden gehen pro Jahr ein. Was zunehme, seien die Funde durch Magnetangler. Diese fischen in Gewässern mit Magneten nach Metallgegenständen und haben dann mitunter Überreste der Luftangriffe aus dem Zweiten Weltkrieg am Haken. Auch wenn sie dann den Kampfmittelbeseitigungsdienst rufen würden, könne das gefährlich werden: Nach all den Jahren im Wasser weiß niemand, wie sich das Material verändert hat. Der Zünder kann bei Bewegungen losgehen.

Der Innenminister erhält Einblick in die Arbeit

Feuerwerker heißen die Leute, die direkt an den Bomben arbeiten. Anhand zweier etwa 500 Pfund schwerer Exemplare, einer amerikanischen und einer britischen, demonstrierten sie dem Innenminister, wie sie vorgehen, insbesondere bei den perfiden Langzeitzündern. Natürlich waren die Demonstrationsobjekte längst unschädlich gemacht. Die Zünder waren so konstruiert, dass sie nicht gleich beim Aufschlag losgingen. Dabei wurde lediglich ein Mechanismus in Gang gesetzt, der mit Zeitverzug zur Explosion führen sollte. Die Menschen sollten sich nach einem Fliegerangriff sicher fühlen und wieder aus ihren Schutzanlagen kommen, und dann gingen die Bomben hoch. Sie waren dafür gedacht, hohen Schaden in der Zivilbevölkerung anzurichten. Und auch heute sind sie noch extrem gefährlich: Sie haben einen eingebauten Schutzmechanismus gegen das Herausdrehen des Zünders. Daher reißen die Feuerwerker diesen mit einer hydraulischen Vorrichtung ab.

Eine neue Halle steht auf dem Gelände

Seit dem letzten Besuch des Ministerpräsidenten ist ein Projekt auf der Wunschliste des Kampfmittelbeseitigungsdienstes erfüllt worden: Eine neue Halle steht auf dem Gelände. Es ist die Verpackungshalle, in der Munition, Granaten und Bomben transportsicher gepolstert und in Kisten verpackt werden. Diese Kisten kommen dann auf einen Lastwagen und werden in einer zentralen Anlage bei Hamburg vernichtet. Im Wald zwischen Sindelfingen und Böblingen mache man das nur noch mit zehn bis 15 Prozent der Funde. Der Bau der Halle war ein Wunsch an den Innenminister, der nun erfüllt sei. Reimer sagte, er hoffe, dass spätestens bis zum nächsten Besuch auch der Wunsch nach der Aufhebung der Besetzungssperre umgesetzt werde.




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