Bis 2021 gab es in den Kreisen Ludwigsburg und Enz die Tonnen rund und flach. Vergleiche mit Böblingen sind nur teilweise möglich.

 
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Der Landkreis Böblingen ist mit seinem Wertstoffhof-System ein Solitär in der Region Stuttgart. Gern rühmt man sich beim zuständigen kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetrieb und dem Landratsamt dafür, dass ebenjenes Bringsystem nicht nur regelt, dass die sortenrein vorsortierten Wertstoffe die Abfallgebühren niedriger hielten, da sie beim Weiterkauf mehr Geld einbringen, sondern dass sie auch dazu beitragen, dass einerseits mehr Wertstoffe als solche erfasst und wieder- oder weiterverwertet werden können. Dass das System andererseits auch dazu führe, dass die Menschen im Kreis Böblingen bewusster darauf achteten, wie viele Abfälle sie verursachen.

Kaum zu vergleichen

Unsere Zeitung, zu deren Verbreitungsgebiet auch Kommunen im Enzkreis sowie im Kreis Ludwigsburg gehören, wollte sich dies einmal genauer ansehen und die Abfallmengen vergleichen. Doch die unterschiedlichen Erfassungssysteme machen einen Vergleich teilweise schwierig.

Am ehesten lassen sich noch die Mengen beim Restmüll vergleichen, der schlichten Schwarzen Tonne. Hier schneidet Böblingen mit 118 Kilo je Einwohner leicht besser ab als Ludwigsburg mit 121,7 Kilo. Deutlich mehr ist es im Enzkreis mit 130,9 Kilo Hausabfällen pro Kopf.

Achten die Menschen im Kreis Böblingen also sorgsamer darauf, möglichst wenig Müll zu verursachen? Oder entsorgen sie die Wertstoffe korrekt, so dass diese im Recycling landen? Eindeutig lässt sich diese Frage nicht beantworten.

Bis zum Jahresende 2021 gab es im Enzkreis und im Kreis Ludwigsburg für Wertstoffe das System der Tonne rund und der Tonne flach – auch das einmalig in Deutschland. Zusammen mit dem Rest- und Biomüll wurden also insgesamt vier Abfalltonnen der Haushalte regelmäßig geleert. In die Tonne flach kam alles, was sich eben flach machen lässt: Papier, Kartonagen, Verpackungsfolien, Plastiktüten, aber auch Styropor. In die Tonne rund sollten Glas, Dosen und Verpackungen aus Kunststoff, wie etwa Joghurtbecher oder Plastikflaschen. Dieses Mischmasch wurde dann in einem weiteren Schritt sortiert.

Weniger Altpapier

Die Einwohner dieser beiden Kreise konnten also Glas und und Papier direkt zu Hause in die Tonne geben. Im Kreis Böblingen gibt es zwar auch eine Papiertonne für daheim, die vom AWB geleert wird, Glas dagegen muss zu Containerstandorten oder Wertstoffhöfen gebracht werden. So liegt Böblingen beim Altglas (25 Kilo je Einwohner) vor Ludwigsburg (27,9) und dem Enzkreis (30,1). Beim Altpapier fiel 2021 im Kreis Ludwigsburg mit 64,7 Kilo pro Kopf die geringste Menge an (Böblingen 68 und Enzkreis 90 Kilo).

Bei den übrigen Wertstoffen differiert die Erfassung beziehungsweise Trennung teilweise sehr stark, so dass sich hier keine Mengen vergleichen lassen. Der Enzkreis betreibt zusätzlich zehn Recyclinghöfe und ein Entsorgungszentrum. Der Kreis Ludwigsburg hat neun Wertstoffhöfe, darunter einen in Korntal-Münchingen. Deren Einteilung ist recht ähnlich der Wertstoffhöfe im Kreis Böblingen, variiert jedoch im Detail. So können im Enzkreis auf dem Recyclinghof im Bereich Verpackungen nur Kunststofffolien und Styropor abgegeben werden. Im Kreis Ludwigsburg kommen alle Verpackungen, die nicht aus Glas oder Papier sind, in den gleichen Container.

Zum Jahreswechsel 2021/22 wurde in beiden Kreisen das System jetzt umgestellt. Künftig gibt es für die Haushalte fünf Tonnen, die regelmäßig geleert werden: Rest- und Biomüll (schwarz und braun), Papier (grün), Glas (blau) und die Gelbe Tonne.