Abgang des Uber-Chefs Notbremsung beim Fahrtenvermittler

Der  Rabauke des Silicon Valley:  Travis Kalanick muss seinen Posten räumen. Für die Investoren wurde  sein Verhalten  jetzt offensichtlich untragbar. Foto: AFP
Der Rabauke des Silicon Valley: Travis Kalanick muss seinen Posten räumen. Für die Investoren wurde sein Verhalten jetzt offensichtlich untragbar. Foto: AFP

Nach einer Reihe von Skandalen zwingen die Investoren den umstrittenen Uber-Gründer Travis Kalanick zum Rücktritt.

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Washington - Eigentlich konnte Travis Kalanick wissen, was nach diesem verbalen Schlagabtausch von ihm erwartet wurde. Anfang Februar geriet der Boss  des Fahrdienstleisters Uber mit einem seiner Fahrer aneinander. Ein Video zeigt, wie sich der Chauffeur bei dem 40-jährigen Vorstandschef über die immer höheren Anforderungen und den sinkenden Verdienst beschwert. „Ich habe 97 000 Dollar verloren. Ihretwegen bin ich bankrott“, klagt der Mann. Kalanick reagiert aggressiv. „Bullshit“, ruft er: „Einige Menschen übernehmen einfach keine Verantwortung für ihren eigenen Mist.“

Verantwortung übernehmen – das hätten viele Mitglieder des Verwaltungsrates auch von dem Start-up-Unternehmer erwartet, seit täglich neue Skandalmeldungen über Diskriminierungen, Schikanen und Betrügereien das Erfolgsimage von Uber zerstören. Doch der ebenso ehrgeizige wie umstrittene Firmengründer kündigte vor einer Woche nur an, er wolle nach dem Unfalltod seiner Mutter eine Auszeit nehmen. Das reichte den Investoren nicht: Am Mittwoch zogen fünf Geldgeber die Notbremse und verlangten Kalanicks sofortigen Rücktritt.

Kalanick hatte das Start-up 2009 mit einem Partner gegründet

„Viel Glück!“, hatte der Uber-Chef seinem verzweifelten Fahrer beim Aussteigen noch eiskalt zugerufen. So ähnlich klingt auch der Brief, den die Wagniskapitalfirmen aufsetzten. „Uber voranbringen“, lautet die Überschrift der Quasikündigung. Das Schreiben hat Gewicht, denn die fünf Investoren verfügen über 40 Prozent der Stimmrechte. Offensichtlich traf Kalanick, der sich gerade fern des Firmensitzes San Francisco in Chicago aufhielt, die Nachricht unvorbereitet. Nach einem Bericht der „New York Times“ führte er noch längere Diskussionen. Doch dann beugte er sich dem Ultimatum und trat zurück. „Ich liebe Uber mehr als alles andere auf der Welt und in diesem schwierigen Moment in meinem persönlichen Leben habe ich die Forderung der Investoren akzeptiert, beiseitezutreten, damit Uber wieder zum Aufbauen zurückkehren kann, statt durch einen weiteren Kampf abgelenkt zu werden“, erklärte Kalanick, der gemeinsam mit einem Partner 2009 das Unternehmen gegründet und damit die Taxi-Welt revolutioniert hatte.

Inzwischen ist Uber mit einem Wert von knapp 70 Milliarden Dollar das teuerste Start-up aller Zeiten. Tatsächlich ist die Geschäftsidee  des Fahrtenvermittlers faszinierend und hat in den USA rasend schnell Verbreitung gefunden: Statt umständlich ein Taxi zu rufen, öffnen viele Amerikaner einfach die Uber-App auf ihrem Smartphone. Per Satellitenortung wird der eigene Standort bestimmt. Nun muss man nur noch die Zieladresse eingeben. Sekundenschnell ermittelt die Software, wo der nächste Fahrer ist und was die Tour kostet. Meist holt einen das Fahrzeug innerhalb weniger Minuten ab, und man wird ebenso freundlich wie zuverlässig durch die Stadt chauffiert. Der Clou dabei: Die Fahrer sind selbstständig und sitzen hinter dem Lenkrad ihres privaten Autos. Uber legt die Preise fest und kassiert einen erheblichen Prozentsatz als Gebühr.

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