Abgas-Skandal Osterloh fordert einen Neubeginn

Weiter heißt es in dem Papier, die Entscheidung zur Nutzung der Manipulations-Software sei „eigenmächtig“ von einzelnen Mitarbeitern auf nachgeordneten Arbeitsebenen der Aggregate-Entwicklung getroffen worden - „wovon der Vorstand von Volkswagen keine Kenntnis hatte“. Der gesamte Vorstand habe erst wenige Wochen vor dem öffentlichen Auffliegen der Affäre von den Software-Manipulationen gewusst. Andere Sichtweisen seien Behauptungen „ins Blaue hinein“.

Allerdings heißt es im Schriftsatz zugleich, nach derzeitiger Kenntnislage hätten sich bei VW ab Ende Mai 2015 die Hinweise darauf verdichtet, dass es zum Einsatz eines gegen US-Recht verstoßenden Programms gekommen sein könnte. Einzelne Vorstandsmitglieder seien aber nur in „allgemeiner Form“ informiert worden.

Winterkorn selbst bekam bereits im Mai 2014 eine Notiz über Unregelmäßigkeiten beim Motor EA189. Ob er sie zur Kenntnis genommen hat, ist aber laut VW nicht dokumentiert.

Im April soll über Stand der Ermittlung informieren werden

Osterloh forderte einen Neubeginn. Es gehe darum, die „moralischen Fundamente unseres Unternehmens“ neu zu befestigen, sagte er in einer Rede im niedersächsischen Landtag in Hannover. „Das geht nicht ohne die Rückgewinnung von Vertrauen - dem unserer Kunden, unserer Belegschaften, aber auch von Politik und Gesellschaft.“ VW sei in den letzten Jahren „sehr vom eigenen Tempo des Wachstums eingenommen“ gewesen, vielleicht auch „zu sehr vom eigenen Erfolg beeindruckt“. „Vielleicht haben wir auch übersehen, dass nicht jedes Problem ingenieurs-mäßig behandelt werden kann“, meinte der Betriebsratschef.

Die „Bild am Sonntag“ hatte unter Berufung auf Verhöre der von VW beauftragten Kanzlei Jones Day berichtet, Winterkorn habe die Notiz nach eigener Aussage damals gelesen. Der damalige VW-Finanzchef und jetzige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hatte Medienberichten zufolge am 8. September 2015 Kenntnis darüber erhalten, dass der Autobauer US-Behörden gegenüber eine Betrugssoftware eingeräumt hat.

Volkswagen will nun die vielen Anlegerklagen im Zuge der Abgas-Affäre mit einem gebündelten Sammelverfahren vor Gericht schnell aus der Welt schaffen. Dazu stellte der Konzern selbst einen Antrag auf ein sogenanntes Musterverfahren vor dem Oberlandesgericht Braunschweig. In der zweiten April-Hälfte will VW öffentlich über den Stand der bisherigen internen Ermittlung und Aufklärungsarbeit informieren.

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