Abschiebedrama im Kino Polizisten in Gewissensnot

Omar Sy und Virginie Efira als Polizisten im Dilemma Foto: Thi/ault Grabherr/Studiocanal/dpa
Omar Sy und Virginie Efira als Polizisten im Dilemma Foto: Thi/ault Grabherr/Studiocanal/dpa

Das französische Kino-Drama „Bis an die Grenze“ mit Omar Sy erzählt einfühlsam vom harten Polizeialltag und schweren Entscheidungen.

Kultur: Bernd Haasis (ha)
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Stuttgart - Ist der abgelehnte Asylbewerber aus Tadschikistan, der kein Wort Französisch spricht, tatsächlich an Leib und Leben bedroht, wenn man ihn zurückschickt? Stimmt sein aktenkundiges Zeugnis, wonach er wochenlang wüst gefoltert wurde, bevor ihm die Flucht gelang? Diese Fragen stürzen drei Streifenpolizisten in ein schweres Dilemma; sie helfen nur aus, weil bei den Kollegen Personalnot herrscht, und die Fahrt zum Flughafen wird zur Gewissensprüfung.

Doch der französischen Regisseurin Anne Fontaine („Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“) geht es um viel in ihrem Drama, das im Original schlicht und treffend „Police“ heißt. Zunächst führt sie die Zuschauer einfühlsam an die drei Protagonisten heran: Durchsetzt von Szenen aus dem Privatleben zeigt sie dreimal hintereinander dieselben kurzen Ausschnitte auf dem Revier und im Einsatz, jeweils aus der Perspektive der Figur, die gerade vorgestellt wird. Das funktioniert hervorragend, denn Fontaine konnte exzellente Darsteller gewinnen.

Die selben Szenen aus drei Blickwinkeln

Virginie Efira („Birnenkuchen mit Lavendel“) spielt die unglückliche Virginie. Ehemann und Kleinkind warten zu Hause auf sie, doch sie deckt sich mit Arbeit ein, denn sie hat sich mit ihrem Kollegen Aristide auf eine folgenschwere Affäre eingelassen. Omar Sy („Ziemlich beste Freunde“, „Lupin“) spielt diesen Aristide als Charmeur, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat, manchmal einen zuviel. Grégory Gadebois („Intrige“) ist Erik, ein regelfixierter Befehlsempfänger, dessen Frau ihm die Hölle heißmacht, weil sie ihr kinderloses Leben mit ihm als gescheitert ansieht.

Der Film vibriert vor Zwischentönen, alle drei Figuren erweisen sich als zutiefst ambivalent. Virginie treibt durch eine wolkenverhangene Gegenwart, in Rückblenden strahlt, lacht und tanzt sie mit Aristide. Der wirkt zunächst wie ein unverbindlicher Schwerenöter, der alles auf die leichte Schulter nimmt, doch Omar Sy gelingt es, auch eine sensible Seite zu offenbaren.

Schlaglichter aus einem harten Polizei-Alltag

Der Film wirft ein Schlaglicht auf einen harten Polizei-Alltag, der in Deutschland nicht anders sein dürfte: Überstunden und Sonderschichten, gewalttätige Ehemänner, tote Babies, Schlägereien. Jede und Jeder haben sie Strategien, die Bilder des Tages abzuschütteln. Und man wünscht ihnen, was hier nirgends zu sehen ist: wenigstens ab und zu ein wenig Wertschätzung.

Police – Bis an die Grenze. F 2020. Regie: Anne Fontaine. Mit Omar Sy, Virginie Efira. 99 Minuten. Ab 12 Jahren.




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