Abschied vom TVB Stuttgart Warum sich Johannes Bitter für Hamburg entschieden hat

Freut sich auf die Rückkehr im Sommer nach Hamburg: Nationaltorwart Johannes Bitter. Foto: dpa/Christian Charisius
Freut sich auf die Rückkehr im Sommer nach Hamburg: Nationaltorwart Johannes Bitter. Foto: dpa/Christian Charisius

Dass Johannes Bitter den Bundesligisten TVB Stuttgart am Saisonende verlassen wird, stand schon länger fest, nun hat der Nationaltorwart seinen Wechsel zu den Zweitligahandballern des HSV offiziell bekannt gegeben – und begründet.

Sport: Jürgen Frey (jüf)
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Hamburg/Stuttgart - Nach dem 30:28 mit Handball-Bundesligist TVB Stuttgart bei der MT Melsungen setzte sich Johannes Bitter mit einem guten Gefühl am Sonntagabend in Kassel in den Zug und machte sich auf nach Hamburg. Dort hielt sein emotionales Hoch am Montagvormittag bei seiner offiziellen Präsentation an. Der 38-Jährige genoss den Auftritt in der alten Heimat: „Ich bin super froh, wieder da zu sein. Mein Herz hängt am Handball in Hamburg.“

Vertrag bis 2026

Wie unsere Zeitung bereits am 20. Januar vermeldet hatte, kehrt der Nationalkeeper nach fünfeinhalb Jahren im Sommer an die Elbe zurück und unterschrieb beim aktuellen Zweitliga-Tabellenführer einen ligaunabhängigen Fünfjahresvertrag bis 2026.

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Wie es sich für eine europäische Metropole gehört, war schon die Inszenierung der Verpflichtung erstligareif: Ein Hochglanz-Video, untermalt mit Klaviermusik, dazu Bitters Stimme aus dem Off mit ganz viel Pathos: „Hamburg ist meine Heimat. Hamburg war mein Tor zur Welt. Hamburg bedeutet Familie und Freunde und ganz viele schöne Erinnerungen. Hamburg bedeutet Neustart. Hamburg ist meine Zukunft. Hamburg ich komme nach Haus“, sagt Bitter am Ende eines eineinhalbminütigen Clips.

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Bitter lagen diverse Anfragen aus der Bundesliga vor, selbst der FC Barcelona hatte angeklopft. Der spanische Renommierclub sucht für eine Saison Ersatz für Kevin Möller (zur SG Flensburg-Handewitt), da der als Nachfolger auserkorene Emil Nielsen erst 2022 vom HSC Nantes zu Barça wechselt.

Söhne leben in Hamburg

Doch der Keeper entschied sich letztlich für den Verein, mit dem er zwischen 2007 und 2016 seine erfolgreichste Zeit als Profi erlebte. Mit dem HSV gewann Bitter den DHB-Pokal (2010), die deutsche Meisterschaft (2011) und die Champions League (2013). Seit seinem Wechsel zum TVB pendelte er zwischen Stuttgart und Hamburg. Seine drei Söhne leben in der Hansestadt. Und der Club kann seine Erfahrung bestens gebrauchen. In der Hinrunde standen Eigengewächs Marcel Kokoszka (22) und Jonas Maier (27) – früher genauso wie die aktuellen HSV-Feldspieler Tobias Schimmelbauer und Jan Forstbauer in Stuttgart am Ball – zwischen den Pfosten. Mit sehr überschaubarem Erfolg. Deshalb wurde kurz vor Transferschluss mit sofortiger Wirkung auch Jens Vortmann vom Wilhelmshavener HV verpflichtet. Mit dem 33-Jährigen bildete Bitter 2015/16 schon einmal ein erfolgreiches Duo beim HSV. Und auch wenn Vortmanns Vertrag zunächst nur bis Saisonende gilt, dürften die beiden auch ab Sommer wieder ein Gespann bilden.

WM-Titel mit Jansen

Durch die Personalie Bitter nimmt die Hamburger Handball-Renaissance so richtig Fahrt auf. Denn er trifft auf alte Bekannte. Sein damaliger Trainer Martin Schwalb wird nach einem Intermezzo bei den Rhein-Neckar Löwen als Sportchef zum HSV zurückkehren. Und auf der Bank sitzt seit 2017 Bitters früherer Mitspieler Torsten „Toto“ Jansen, mit dem er auch Gold bei der Heim-WM 2007 abräumte. „Jogi ist eine tolle Verstärkung für uns – nicht nur als Spieler, sondern auch als Persönlichkeit“, sagte der ehemalige Linksaußen. „Er kann unseren jungen Kerlen und auch den nicht mehr ganz so jungen Spielern einiges mitgeben.“

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Bitter soll aber auch abseits des Feldes für Impulse sorgen. Club-Präsident Marc Evermann verriet die exakten Pläne noch nicht, er verspricht sich vom Weltmeister aber eine „Weiterentwicklung des wirtschaftlichen Bereichs“ und den „Ausbau von Netzwerken“. Ein finanzielles Risiko gehe der Verein mit der Verpflichtung nicht ein, betonte Evermann: „Wir haben immer gesagt, dass wir uns auf dem Weg in die Bundesliga nicht den Hals brechen wollen.“ Schließlich ist der HSV ein gebranntes Kind: Nach den glorreichen Erfolgen folgte nach jahrelangen Finanzproblemen Anfang 2016 der Rückzug aus der Bundesliga. Mit Bitter soll es jetzt wieder nach oben gehen. Der kündigte schon mal an: „Ich möchte den Verein mit einem kleinen Raketenantrieb ausrüsten.“

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