Abschlussprüfungen Die letzten Prüfungen von Gerhard Kicherer

Von hem 

Alle reden über das Abitur. Dabei schwitzen ab heute auch die ­Hauptschüler, berichtet Gerhard Kicherer, der Rektor der Friedrich­Schiller-Schule in Renningen.

Herr Kicherer, mit welchen Gefühlen begleiten Sie Ihre letzten Abschlussprüfungen?
Ja, vieles, was ich derzeit tue, mache ich ein letztes Mal – so auch diese Prüfungen. Da ist ein Stückchen Wehmut natürlich schon dabei. Aber ich bin jetzt 29 Jahre Schul­leiter, irgendwann muss man eben seinen Hut nehmen.
Der Hauptschulabschluss steht nicht ganz so im Fokus der Öffentlichkeit wie etwa das Abitur. Für Ihre Schüler ist er aber trotzdem eine Herausforderung, oder?
Klar, mit Sicherheit. Für unsere Schüler ist es ganz wichtig, dass sie in Stufe 9 eine Prüfung ablegen. In der Realschule und im Gymnasium bekommen die Schüler ja automatisch einen gleichwertigen Abschluss, wenn sie eine Versetzung von der 9. in die 10. Klasse bekommen.
Welche Fähigkeiten sind da besonders gefordert?
Zum einen zählen alle Noten der Klasse 9. Ab Dienstag folgt dann die Abschlussprüfung in Deutsch, Mathe und Englisch. Gegebenenfalls können die Schüler anschließend freiwillig noch ins Mündliche gehen. In die Note fließt außerdem auch eine themenorientierte Projektprüfung ein, für die sich die Schüler ein Thema aussuchen und in der Gruppe bearbeiten, zum Beispiel zum ­Vulkanismus oder zu einem geschicht­lichen Thema. Außerdem findet während des Schuljahres eine dezentrale Englischprüfung statt, bei der die Schüler einen Partnerdialog führen.
Der Hauptschulabschluss hat nicht den ­besten Ruf.
Das stimmt, aber auch diese Schüler sollten eine Möglichkeit haben, ins Berufsleben einsteigen zu können. Dafür ist der Hauptschulabschluss da.
Geschenkt wird er niemandem, oder?
Nein. Das bestätigen uns auch Realschüler, die jedes Jahr zu uns kommen, um bei uns ihren Hauptschul­abschluss abzulegen. Das machen sie, wenn sie zum Beispiel innerhalb von zwei Jahren dreimal sitzengeblieben sind. Wenn sie nun auch in die 10. Klasse nicht versetzt werden würden, würden sie ohne Abschluss von der Schule fliegen. Daher kommen auch in diesem Jahr wieder elf Schüler zu uns, um hier ihre Prüfungen abzulegen, damit sie in diesem Fall wenig­stens den Hauptschulabschluss haben. ­Einige Realschüler springen aber auch ­wieder ab, wenn sie erfahren, was für den Hauptschulabschluss alles gefordert wird.
Welche Chancen hat man denn heute noch mit einem Hauptschulabschluss?
Ich würde sagen, dass ein guter Hauptschulabschluss mehr wert ist als ein schlechter Realschulabschluss. Das ist mit dem Abitur aber das gleiche: Sind die Noten gut, hat man viele Möglichkeiten, sind die Noten schlecht, hat man weniger gute Chancen.
Wie viele Schüler gehen nach der Hauptschule gleich in den Beruf?
Wenige. Die Jugendlichen sind in der 9.  Klasse gerade mal 15 Jahre alt. Viele ­Betriebe stellen Minderjährige noch gar nicht ein, weil da der Jugendschutz noch gilt. Deshalb gehen nur durchschnittlich 20  Prozent unserer Schüler nach dem Hauptschulabschluss direkt in den Beruf. 30 Prozent machen die zweijährige Berufsfachschule an der Leonberger Berufsschule und 50 Prozent bleiben bei uns hier in der 10.  Klasse und machen den mittleren ­Bildungsabschluss.
Hand aufs Herz: Bei Ihrem eigenen Abitur damals – hatten Sie einen Spickzettel?
Ich hab nie mit Spickzetteln gearbeitet. Ich kenne aber alle Tricks der Schüler. Ich bin eigentlich auch kein Typ, der bei Prüfungen aufgeregt ist. Vorbereitung ist eben alles, das gilt für meine Arbeit auch heute noch: Wenn ich unvorbereitet bin, dann ist Adrenalin unterwegs. Wenn ich meine Prüfungen und meine Tage umsichtig plane, dann kann ich beruhigt sein.



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