Abstimmung in Walheim Bürgerentscheid: Knappes Nein zur Lärmschutzwand

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Es ist knapp, aber eindeutig: Gut 55 Prozent der Walheimer haben in einem Bürgerentscheid den umstrittenen Lärmschutzwall an der Bahnlinie abgelehnt. Die Anhänger sind enttäuscht.

Albrecht Dautel  verkündet das Ergebnis des Bürgerentscheids. Foto: factum/Granville
Albrecht Dautel verkündet das Ergebnis des Bürgerentscheids. Foto: factum/Granville

Walheim - Es waren ziemlich viel Emotionen im Spiel: Bis zum Wochenende der Abstimmung haben Anhänger und Gegner der Lärmschutzwand entlang der Bahnlinie noch einmal ihre Anhänger mobilisiert und Nachbarn zu überzeugen versucht. Es wurde knapp: 1304 Bürger haben sich beteiligt, das ist exakt die Hälfte der stimmberechtigten Walheimer.

Davon haben 55,4 Prozent mit Nein und damit gegen die Lärmschutzwand gestimmt und 44,6 Prozent mit Ja. Das nötige Quorum ist erreicht, der Bürgerentscheid ist bindend, der Wall gescheitert.

„Damit ist die Frage kommunalpolitisch entschieden“, kommentierte der Bürgermeister Albrecht Dautel das Resultat. Er hatte sich im Vorfeld für die Wand ausgesprochen. „Klar, ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht“, räumte Dautel ein, der nur noch wenige Monate im Amt ist. Denn schon am 1. Juli wird sein Nachfolger gewählt, Dautel wechselt als Rathauschef nach Bönnigheim.

Hohe Wahlbeteiligung von 50 Prozent

Er kann trotz der Niederlage mit einem guten Gefühl aus dem Amt scheiden. „Es war ein guter Tag für Walheim“, erklärt er. Die Wahlbeteiligung von 50 Prozent zeige, dass die Bürgerschaft engagiert diskutiert und zur Wahlurne geschritten sei. Das Ergebnis sei wegen der hohen Beteiligung auch „qualifiziert“ und legitimiert.

Die Bahn hatte geplant, zwei Meter hohe Lärmschutzwände zu errichten, was gut 2,5 Millionen Euro kosten sollte. Das hätte aber nicht die Gemeinde bezahlt, sondern wäre über ein Förderprogramm des Bundes abgedeckt gewesen. Die Wände sollten im Bereich des neu gestalteten Bahnhofsbereichs an der Ostseite durchbrochen werden – so teilte es der Schienenkonzern in einem Schreiben vor einem Jahr mit. Auf Brücken und an drei Grundstücken sollte der obere Teil des Wand aus transparenten Teilen bestehen. An zwei Eisenbahnunterführungen wäre der Lärm gedämmt worden. Nun ist das passé. „Ich werde der DB Netze mitteilen, dass wir den Wall nicht wollen“, erklärte Dautel. Er gehe davon aus, dass der Schienenkonzern nun „passiven Lärmschutz“ finanzieren werde, als Zuschüsse für Schallschutzfenster und Lüftungsanlagen in den Häusern.

Drei Jahre Streit im Ort

Der Bürgerentscheid hat eine lange Vorgeschichte: Der Gemeinderat hatte den gut 1000 Meter langen Wall im Jahr 2015 abgelehnt, mit der denkbar knappsten Entscheidung bei Stimmengleichheit. Das hat immer wieder zu Diskussionen geführt. Die Bahn weigerte sich, weiter zu planen, solange es kein grünes Licht aus Walheim gebe. Schließlich hatte der Bürgermeister Albrecht Dautel einen Bürgerentscheid ins Spiel gebracht, für den es aber keine erfolgreiche Zweidrittelmehrheit gab.

Schließlich hatte sich eine Initiative für aktiven Lärmschutz gegründet und dem Bürgermeister im Dezember 2017 mehr als 300 Unterschriften vorgelegt. Damit hatte sie eine Volksabstimmung erzwungen – als Anwohner hätte etwa der Initiator Kurt Schober sich über einen Wall gefreut. „Wir hätten das Ergebnis schon ein halbes Jahr früher haben können“, sagt der Bürgermeister Albrecht Dautel. Die erfolgreichen Gegner der Lärmschutzwand trafen sich am Sonntagabend, um den Erfolg zu feiern.

Bei den Reaktionen in der Facebook-Gruppe „Wir Walheimer“ überwiegt der Wunsch, dass der Streit beendet sei. So postet etwa Marko Horwarth: „In der Hoffnung, dass jeder das jetzt so akzeptiert.“