Abstrakte Kunst auf Schloss Filseck Die Kaiser-Berge und die konkrete Malerei

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Anton Stankowski, Karl Duschek, Otto H. Hajek: Die Göppinger Kunsthalle zeigt auf Schloss Filseck Druckgrafiken, in denen die Künstler mit Formen und Farben spielen. Einem solchen Spiel verdankt sich auch das Göppinger Stadtlogo.

Schloss Filseck beherbergt gerade Serigrafien konkreter Malerei Foto: LRA Göppingen/Carlucci
Schloss Filseck beherbergt gerade Serigrafien konkreter Malerei Foto: LRA Göppingen/Carlucci

Uhingen - Kreis, Rechteck und Linie. Rot, Gelb, Blau. Was übrig bleibt, wenn die Malerei die Welt vergessen will, wie wir sie sehen, zeigt jetzt eine Ausstellung auf Schloss Filseck bei Uhingen. Sie widmet sich Künstlern des 20. Jahrhunderts, die sich der sogenannten konkreten Kunst verschrieben haben. Ihre Anfänge hatte sie in den 20er-30er Jahren, ihre Vorreiter tragen klingende Namen: Max Bill, Theo van Doesburg und der in der Region gut bekannte Anton Stankowski. Im Lauf der Jahrzehnte kommen dann in Stuttgart Otto H. Hajek, Karl Duschek oder Karl Georg Pfahler dazu.

Sie alle vereint, dass sie sich in ihren Bildern oder Skulpturen auf die Grundmaterialien ihres Genres zurückziehen. Kreis, Rechteck, Linie. Rot, Gelb, Blau – und kein Hinweis darauf, was die oft sehr räumlichen Anordnungen jenseits des Werkes sein könnten, was sie „abbilden“ könnten. Da löst sich die Ecke eines hellblauen Quadrats in Winkelchen ab (Stankowski), dort verteilen sich wohl geordnet bunte kleine Rechtecke über die weiße Bildfläche (Karl Duschek) – fast wie die Komposition auf einem Notenblatt.

Was hat Musik mit Malerei zu tun?

Und diese Verbindung führt auch zum weiteren Verständnis dessen, was man auf Schloss Filseck sieht: Konkrete Kunst ist wie Musik, der abstraktesten und oft selbstbezüglichsten der Künste, die deshalb oft mit der Mathematik verglichen wird. Man betrachte die Beziehungen der Formen und Farben zueinander und lasse sie auf sich wirken. Oder mit den worten Max Bills: Konkrete Kunst „ordnet Systeme und gibt mit künstlerischen Mitteln diesen Ordnungen das Leben“.

Die Ausstellung in der Galerie im Ostflügel des hübschen Renaissance-Schlosses Filseck trägt den Titel „Konkrete Kunst – die autonome Form“. Kuratiert ist sie von der Göppinger Kunsthalle, namentlich von deren Leiter Werner Meyer, der Ende April das Zepter abgibt. Er bediente sich für die Schau vorwiegend der eigenen Sammlung, die eine ansehnliche Zahl an Serigrafien „konkret“ arbeitender Künstler enthält, vorwiegend mit regionalem Bezug. Die Druckgrafik bietet sich für die klaren Flächen und Linien der konkreten Kunst geradezu an. Die nun auf Schloss Filseck ausgestellten Arbeiten sind aber laut Meyers Nachfolgerin Melanie Ardjah nur eine Auswahl aus dem Fundus der Kunsthalle an konkreter Kunst.

Sammlung bietet Überraschungen

Und die Sammlung, die Ardjah weiter pflegen und ausbauen möchte, biete immer wieder Überraschungen, erzählt sie. So habe sich bei der Zusammenstellung der Schau gezeigt, dass der Breecher Bildhauer Fritz Schwegler (1935-2014), einer der Schwerpunkte der Kunsthallen-Sammlung, auch mal konkret gearbeitet habe.

Bei aller Ferne zu unserer Lebenswelt – die konkrete Kunst gehört zum Alltag, ohne dass wir es wissen: ein blaues Quadrat, in der Mitte eine weiße Fläche, in der eine Diagonale liegt, das ist das Logo der Deutschen Bank. Anton Stankowski hat es entworfen, der Künstler, der auch eine weit engere Verbindung zu Göppingen hat: Das Logo der Stadt Göppingen kommt aus dem Atelier, das er gemeinsam mit Karl Duschek unterhielt: drei, wenn man so will, übereinander gelegte Dreiecke – das ist es, was die beiden von den drei Kaiserbergen übrig gelassen haben. Kurz, knapp, sinnfällig, und nur wer weiß, worauf sich die Formen stützen, stellt sich etwas Natürliches im Hier und Jetzt vor.




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