Adventskalender für die Region Stuttgart Sie müssen hellwach sein, wenn alles schläft

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Bis Weihnachten öffnen wir jeden Tag ein Türchen zu einem Ort in der Region Stuttgart, der sonst verschlossen ist. Heute blicken wir ins Schlaflabor des Göppinger Christophsbads.

Das Personal im Schlaflabor des Christophsbads hat die volle Kontrolle. Foto: Rudel/Archiv 7 Bilder
Das Personal im Schlaflabor des Christophsbads hat die volle Kontrolle. Foto: Rudel/Archiv

Göppingen - Schlafen ist die natürlichste Sache der Welt: für viele Menschen allerdings nicht die einfachste. Dies zeigt sich in unterschiedlichen Studien, die mittlerweile davon ausgehen, dass etwa jeder Dritte unter Schlafstörungen leidet, viel konkreter aber noch im Schlaflabor des Christophsbads in Göppingen. Die acht Betten sind permanent belegt, Nacht für Nacht und das seit Jahren. Die Warteliste ist lang.

Selbst sogenannte Notfallpatienten mit schweren Befunden, ernsten gesundheitlichen Störungen oder einem hohen persönlichen Leidensdruck müssten oft bis zu zwölf Monaten ausharren, erklärt Robert Bundt. Der Facharzt für Schlafmedizin, Neurologie und Psychiatrie leitet das Schlaflabor in der Fachklinik seit 2003, mit großem Erfolg und einer immer größer werdenden Nachfrage. Wenn er könnte, würde er mit seinem Team allzu gerne mehr tun. Aber die Einrichtung ist für das Christophsbad – aus wirtschaftlicher Sicht – im besten Fall ein Nullsummenspiel. „Anfangs konnten wir den stationären Pflegesatz abrechnen. Inzwischen ist das für die Krankenkassen aber nur noch eine ambulante Leistung, obwohl die Leute bei uns logischerweise übernachten müssen“, sagt Bundt und zeigt kein Verständnis für die Sparmaßnahmen. In der Tat ist die Einordnung der Kassen nicht wirklich nachzuvollziehen, zumal die Patienten in der Regel zwei Nächte hintereinander im Schlaflabor zubringen müssen.

Der Betrieb läuft rund um die Uhr

Ein Blick in die Zimmer und in die Arbeitsräume zeigt zudem, dass es dort rund um die Uhr etwas zu tun gibt. Tagsüber müssen Termine vereinbart, Zimmer hergerichtet, Aufnahmegespräche geführt, Fragenkataloge und Protokolle ausgefüllt sowie sämtliche Auswertungen vorgenommen werden. Jetzt, es ist kurz nach 20 Uhr, werden die ersten Patienten für den kontrollierten Schlaf vorbereitet: an allen möglichen und unmöglichen Körperstellen müssen Messfühler, Sensoren, Kabel und Schläuche aufgeklebt, angeschnallt oder sonst wie befestigt werden.

Versierte Kräfte wie Maren Reuter oder Claudia Kerlein, die in dieser Nacht Dienst schieben, brauchen dafür etwa eine halbe Stunde pro Bett und Nase. Seit mehr als zehn Jahren sind die beiden Frauen im Schlaflabor tätig. Jeder Handgriff sitzt, wird den Kurzzeitgästen, die oft unsicher und nervös sind, aber auch haarklein erläutert. „Das trägt dazu bei, dass die Leute verstehen, was mit ihnen geschieht und wofür die ganzen Beobachtungen und Aufzeichnungen gemacht werden“, sagt Claudia Kerlein. „Außerdem müssen wir, wenn jeder Patient verkabelt ist, an den Bildschirmen überprüfen, ob alles da sitzt, wo es sitzen soll und ob die Gerätschaften alle funktionieren“, ergänzt Maren Reuter.

Mehrzahl der Patienten leidet unter Schlaf-Apnoe

Von den gesammelten Verdrahtungen einmal abgesehen, verläuft die erste Nacht im Schlaflabor noch wie üblich. Jeder und jede schläft auf die gewohnte Art und Weise, um eine objektive Diagnose überhaupt erst möglich zu machen. „Viele sind der Ansicht, dass ihr Schlaf erholsam und in Ordnung ist“, betont Robert Bundt. Anderntags zeigten die Werte indes oft etwas anderes. Der Sauerstoffgehalt oder der Kohlendioxidgehalt im Blut stimme nicht. Es komme zu zahllosen und lang anhaltenden Atemaussetzern oder, wie das EKG zeige, sogar zu Herz-Rhythmus-Störungen.

Bei der Kontrolle und der Auswertung müssen die Schlaflabor-Beschäftigten in jedem Fall hellwach sein, um gleich für die zweite Nacht möglichst den richtigen Therapieansatz herauszufinden. Bei Schlaf-Apnoe-Patienten – die große Mehrzahl derer, die sich im Christophsbad vorstellen – kommen individuell ausgewählte Atemtherapiegeräte und Nasenmasken zum Einsatz. „Es gibt aber noch viele andere Krankheitsbilder, die wir ermitteln und behandeln müssen“, sagt Bundt. Das mit der natürlichsten Sache der Welt sei manchmal eben doch nicht so einfach.




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