Adventskalender in Oberberken Die Puppen backen für Weihnachten

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Bei Rosemarie Stähle in Oberberken kann man noch bis zum 6. Januar eine Springerle-Backstube im Fenster bewundern. Die Rentnerin hat ihren Beitrag zum begehbaren Adventskalender mit seltenen Exemplaren ihrer Puppensammlung bestückt.

In   Rosemarie Stähles  Fenster des begehbaren Adventskalenders  in Oberberken  entstehen  kleine Springerle. Foto: Gottfried Stoppel
In Rosemarie Stähles Fenster des begehbaren Adventskalenders in Oberberken entstehen kleine Springerle. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Für Rosemarie Stähle ist Weihnachten mehr als nur ein Fest. Die bescheidene Rentnerin aus dem Schorndorfer Teilort Oberberken liebt alles Dekorative, was mit der heiligen Nacht zusammenhängt. In ihrem Esszimmer singt ein großer Chor kleiner Holzengel, am Wohnzimmerfenster prangen zwei Ständer voller empfindlicher Porzellanglocken, Engelsheerschafen schweben als eine Art Windspiel mit Federflügeln über ihrem Couchtisch. Im Advent lässt Rosemarie Stähle die Öffentlichkeit an ihren Schätzen teilhaben. Dann schmückt sie eines ihrer Fenster mit seltenen Stücken aus ihrer Sammlung von Porzellanpuppen. Gut 80 davon hat die 74-Jährige gesammelt – neben Repliken vieler seltener Figuren, die aus der Zeit ihrer Kindheit stammen.

Alle zwei Jahre veranstaltet der Oberberkener Landfrauenverein den begehbaren Adventskalender, der fünfte ist es in diesem Jahr, sagt die Vereinsvorsitzende Susanne Wimpff. Jeder, der daran teilnimmt, gestaltet ein Fenster weihnachtlich. Enthüllt wird es an den Adventsabenden stets um 18.30 Uhr. Wer Interesse hat, findet sich ein, es werden Weihnachtslieder gesungen, manchmal etwas vorgelesen, das neue Fenster bestaunt. Oft gibt es Glühwein und Weihnachtsgebäck, nach einer Stunde machen sich alle wieder auf den Heimweg.

Mag es an den historischen Puppen oder an Rosemaries Stähles Backkunst liegen, jedenfalls haben sich an der Einfahrt ihres Hauses am Oberberkener Eichenweg am Freitagabend etliche Dutzend Besucher eingefunden. Zum Glück ist alles perfekt vorbereitet. „Als ich um vier Uhr kam, waren alle schon an der Arbeit“, erzählt ihre Schwägerin. Vorbereitet wurden süßes Hefegebäck und deftiges Schmalzbrot, auch der weiße Glühwein – mit frischen Orangen und Gewürzen, wird später viel Anklang finden. Ausgeschenkt und angerichtet ist das alles von Familienmitgliedern in den zwei Garagen vor dem Haus.

Sie habe, begrüßt Rosemarie Stähle die Gäste, ja eigentlich zwei Musiker des Posaunenchors aus Geradstetten engagieren wollen. Nun begleitet ein Gitarrenspieler „O Tannenbaum“ und „In der Weihnachtsbäckerei“. Rosemarie Stähle liest ein Gedicht über die Springerle vor, jenes zarte süße Anisgebäck, welches Hausfrauen wegen des empfindlichen Teigs Jahr für Jahr in ein Wechselbad der Gefühle taucht, und am Ende, so geht das Gedicht aus, „fast zu schad’ zum esse’“ ist. Natürlich backen die Puppen in dem Fenster auch Springerle. Als die Besucher in einer langen Reihe vor dem Fenster vorbeiziehen, bemerken sie die winzigen Springerle, die Rosemarie Stähle im Puppenformat beigefügt hat. Eine der Puppen, so erzählt sie den Besuchern, sei farbig, ein Flüchtlingskind, das sich in der Backstube geschickt anstelle und einige wichtige schwäbische Wörter bereits gelernt habe: „Noi“ und „Bittschee“.

An der Idee für das diesjährige Fenster werkle sie seit dem Sommer, sagt Rosemarie Stähle. Vor zwei Jahren hatte sie eine Winterlandschaft dekoriert, davor eine Sterntaler-Szene. Ein wenig gezögert habe sie, ob sie wieder mitmachen solle, ob genügend Leute kämen. Als sich aber die Besucherschar lichtet und viel Lob zurückkommt, da entspannt sich Rosemarie Stähle sichtlich. Und sie hilft am Sonntag schon weder gerne mit – da macht der begehbare Kalender bei ihrer Schwester Station.




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