Ärger um Ausweis Das lange Problem von Saint-Quentin-Lamotte-la-Croix-au-Bailly

Der neue Personalausweis in Frankreich ist zwar sehr handlich, doch für manche langen Gemeindenamen schlicht nicht zu gebrauchen. Foto: Screenshot/Screenshot
Der neue Personalausweis in Frankreich ist zwar sehr handlich, doch für manche langen Gemeindenamen schlicht nicht zu gebrauchen. Foto: Screenshot/Screenshot

In Frankreich werden neue Personalausweise ausgestellt, doch nun tun sich ungeahnte Schwierigkeiten auf.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)
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Brüssel - Wer möchte nicht gerne in Saint-Quentin-Lamotte-la-Croix-au-Bailly wohnen? Am Rand der 80 Meter hohen Klippen kann man den Blick über den Ärmelkanal schweifen lassen und die Möwen beobachten, die am Himmel in Ruhe ihre Kreise ziehen. Das 1287 Seelen zählende Saint-Quentin-Lamotte-la-Croix-au-Bailly ist ein Dorf wie aus dem Frankreich-Prospekt. Doch der Fortschritt macht bisweilen auch vor diesem abgeschiedenen Flecken nicht Halt, bringt jedes Mal aber offenbar eine gehörige Portion Ärger mit sich.

Auch der Fortschritt hat seine Tücken

Als einst ein paar riesige Windräder zur Stromerzeugung auf der Gemarkung aufgestellt wurden, empörten sich die Mitglieder des ansässigen Modellbauklubs, der Association de modélisme Vallée de la Bresle-Normandie-Picardie (AMVBNP). Sie fürchteten um ihre Flugzeuge und hatten Angst, dass die guten Stücke von den riesigen Mühlen im freien Flug gestört und womöglich von den Rotoren gehäckselt werden könnten.

Ein sehr überraschendes Problem

Nun gibt es wieder einige Aufregung in Saint-Quentin-Lamotte-la-Croix-au-Bailly. Der Grund sind die in Frankreich neu eingeführten Personalausweise. Alle Franzosen werden diese modernen und nur scheckkartengroßen Ausweispapiere erhalten - nicht aber die Croisiens, wie die Bewohner des Dorfes in der Gegend kurz genannt werden. Der Grund ist so überraschend wie banal: der Name Saint-Quentin-Lamotte-la-Croix-au-Bailly passt nicht in die Zeile, wo die Wohnadresse vermerkt ist. Dieses Problem ist niemandem aufgefallen, bis die ersten Bewohner im örtlichen Rathaus der kleinen nordfranzösischen Gemeinde einen neuen Personalausweis beantragt haben. Offensichtlich ist nach 29 Zeichen im Adressen-Feld Schluss.

Abkürzungen sind den Behörden nicht erlaubt

Mit ihrem Problem sind die Bewohner von Saint-Quentin-Lamotte-la-Croix-au-Bailly allerdings nicht alleine. Nachforschungen der Tageszeitungen „Le Parisien“ haben ergeben, dass es in Frankreich noch mindestens 78 Gemeinden mit Namen von über 30 Zeichen gibt. Einige findige Geister haben begonnen, die Namen einfach abzukürzen. So wird aus Saint-Quentin-Lamotte-la-Croix-au-Bailly dann eben schnell Quentin-Lamotte-Croix-Bailly. Das ist pragmatisch, aber auf offiziellen Dokumenten nicht erlaubt, sodass die Papiere allenfalls provisorischen Charakter haben können. Alain Berthet findet das Abkürzen aus einem anderen Grund eine schlechte Idee. Der Name einer Gemeinde habe auch etwas mit deren Identität zu tun, sagt er. Der Mann ist Bürgermeister von Beaujeu-Saint-Vallier-Pierrejux-et-Quitteur.




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