Aktionstag in Kernen Warum regionale Landwirtschaft so wichtig ist

In Kernen sind  Schafe für  extensive Pflege von Grün zuständig. Ein Schafwanderweg in Stetten gibt Einblicke. Foto: Gottfried Stoppel 6 Bilder
In Kernen sind Schafe für extensive Pflege von Grün zuständig. Ein Schafwanderweg in Stetten gibt Einblicke. Foto: Gottfried Stoppel

Rommelshausen feiert nicht nur den Rosenkohl, der im Ort eine große Rolle spielt, sondern die ganze heimische Landwirtschaft. Die Premiere des Dokumentarfilm „Landwirt schafft“ zeigt dabei, welche Herausforderungen zu bewältigen sind.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Kernen - Ein Lieblingsrezept hat die Rosenkohlbotschafterin aus Kernen-Rommelshausen nicht. „Rosenkohl kann so vielfältig sein, egal ob als Salat oder in der Pfanne“, sagt Ronja Haap, die seit 2018 das wohlschmeckende Wintergemüse repräsentiert. Am Sonntag hat die junge Bäuerin bei schönstem Sonnenschein den ersten Landwirtschaftstag und das vierte Rosenkohlkochen, kurz Rokoko, mit Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch eröffnet.

Aus dem Fest rund um den Rosenkohl, das von der ersten Auflage an ein Erfolg war, ist auf Antrag der Offenen Grünen Liste nun eines geworden, das die heimische Landwirtschaft im Allgemeinen feiert. Es gab Vorträge zu den Themen „Saisonal und regional – immer die beste Wahl?!“ und dem „Superfood Kohl“. Beim im Sommer gegründeten Verein Nachhaltiges Kernen konnte, wer wollte, seinen ökologischen Fußabdruck erfahren. Für Kinder gab es ein Quiz rund um heimisches Obst und Gemüse, eine kleine Landmaschinenschau war aufgebaut und Udo Anton, Küchenchef bei der Landesbank Baden-Württemberg, bereitete in der Open-Air-Küche im Bürgergarten Rosenkohl zu.

Das fünftgrößte Anbaugebiet in Deutschland

Der vermeintliche Vollmond in dem großen Puzzle, das Jürgen Gröner mit seinen Enkelinnen Antje und Anabel Schnaidt gemalt hat, und das am Sonntag auf dem Platz vor dem Bürgerhaus aufgebaut war, ist ein Rosenkohl. Was den Fildern ihr Spitzkraut ist, ist der „Böbbeleskohl“ für Rommelshausen. Die Remstalgemeinde ist das fünftgrößte Anbaugebiet in Deutschland. Doch das kleine Röschen hat große Ansprüche. „Beim Rosenkohl steht die Frucht sechs Monate im Feld. Beim Kopfsalat sind es nur sechs Wochen“, sagt Ronja Haap.

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Das sei aber nicht der Grund, dass die Fläche für Rosenkohlanbau in den vergangenen Jahren stetig geschrumpft ist, so die Rosenkohlbotschafterin, deren Zeichen ein großes, golden glänzendes „Böbbele“ ist. Das sensible Gemüse hat ein Ungezieferproblem, nämlich die Weiße Fliege. Die Schädlinge saugen an der Unterseite der Blätter den Saft, verursachen gelbe Stellen und eingerollte Blätter, und sondern klebrigen Honigtau ab, wodurch sich schwarzer Sternrußtau am Laub bildet. „Trockene Sommer, von denen wir immer mehr haben, begünstigen die Plage“, erklärt Ronja Haap.

Ein Plädoyer für regionalen Einkauf

„Bauern hegen, pflegen, säen. Sie stehen für langsames, stetiges und nachhaltiges Wachstum und sind der Gegenentwurf zu höher, schneller, weiter“, sagt Marcel Baars. Der sogenannte Kümmerer aus Kernen hat mit Crowdfunding die rund 15-minütige Doku „Landwirt schafft“ finanziert. Christine Brencher und ihre Schafe, nachhaltige Fleischspender, die mit viel Mäh Wiesen mähen, spielen mit, ebenso Nicole Puster und ihre frei lebenden Hennen. Hauptdarsteller ist aber Christian Merz, engagierter Gemüsebauer aus Rommelshausen. Am Sonntag hatte der Kurzfilm im Bürgerhaus Premiere, abgerundet mit In-Sekt des Weinguts Zimmer, das im Film auch eine Rolle spielt.

Thomas Bitzer-Prill aus Stetten und sein Team haben Christian Merz auf den Großmarkt in Stuttgart und beim Rundgang mit Schäferhündin Klärchen über die Felder begleitet. „Es ist wichtig, regional einzukaufen. Das muss nicht nur bei uns sein, ich freue mich auch für die Nachbarn“, sagt der 54-Jährige, der mit seinem Bruder Reiner auf 25 Hektar Ackerfläche Salat, Rosenkohl und anderes Gemüse anbaut. „Den Urwald abholzen und dann das Zeug durch die halbe Welt karren, das regt mich auf“, erzählt Christian Merz im Film. Wobei sich der Landwirt „aus Überzeugung“ häufig fragt, wie lange es bei dem Klimawandel noch mit der Landwirtschaft hierzulande weitergehen wird. „Ohne Wasser geht nämlich gar nichts mehr.“

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Auch Wengerter Walter Zimmer und seine Tochter Stefanie, die seit ihrer Heirat Karpf heißt, machen sich im Film Gedanken über die Folgen des immer trockeneren und wärmeren Wetters. „Wir müssen die Rebsorten an die Gegebenheiten anpassen“, sagt Stefanie Karpf. Landwirtschaft und Weinbau bedeuteten Verantwortung zu übernehmen, ergänzt Walter Zimmer: „So ein Boden hat ein langes Gedächtnis.“

Ein gesundes Wintergemüse

Rosenkohl
 Neue Züchtungen des Rosenkohls schmecken längst nicht mehr so bitter wie früher, auch deshalb sind die grünen Röschen wieder zu einem Liebling in der Küche geworden. Der Rosenkohl ist ein sehr nährstoff- und vitaminreiches Wintergemüse, das viele Pflanzenstoffe enthält, denen eine Heilwirkung gegen Arthritis, Asthma und Infekte zugeschrieben wird. Er soll vor krebserregenden Substanzen schützen und entzündungshemmend wirken. Die enthaltenen Senfölglycoside aktivieren darüber hinaus das Immunsystem. 

Landwirtschaft
 Rommelshausen, der größere Teilort von Kernen im Remstal, liegt in der Waiblinger Bucht, rund 15 Kilometer östlich von Stuttgart entfernt. Begünstigt durch ein mildes Klima und gute Bodenverhältnisse gibt es eine vielseitige Landwirtschaft mit Wein-, Gemüse und Obstbau.




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