Albert Dulk zu Ehren Revolutionär, Freidenker, Schriftsteller

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Die Stadt ehrt Albert Dulk zu seinem 200. Geburtstag mit vier ganz unterschiedlichen Veranstaltungen. Eine findet sogar im Schwimmbad statt.

Albert Dulk in seiner Stuttgarter Zeit nach 1855 Foto:  
Albert Dulk in seiner Stuttgarter Zeit nach 1855 Foto:  

Esslingen - Albert Dulk war ein Mann, der durch seinen unglaublichen Lebensstil komplett aus seiner Zeit gefallen ist. Deshalb tun sich die Menschen so schwer mit seinem Andenken.“ Seit Jahrzehnten ist Ulrich Stolte, Redakteur unserer Zeitung, fasziniert von dem Schriftsteller, Revolutionär, Freigeist, Freidenker, Sportler und Chemiker, der am 17. Juni 1819, also vor 200 Jahren, in Königsberg auf die Welt kam.

Weil Dulk sich in seinen letzten Lebensjahren von 1880 bis 1884 immer wieder ins Esslinger Dulkhäusle an der Römerstraße zurückzog, um dort zu schreiben, laden die Stadt, die Württembergische Landesbühne (WLB) und Ulrich Stolte bis zum 9. November zu einer vierteiligen Veranstaltungsreihe.

Extremsportler und Lebemann

Los geht es am 12. Juli um 19 Uhr: „Drei über Dulk“ heißt die szenische Lesung an ungewohntem Ort, dem Vereinsbad des SSVE auf der Neckarinsel. Dabei steht nicht nur der Extremsportler – Dulk war der Erste, der den Bodensee an seiner breitesten Stelle durchschwommen hat – im Mittelpunkt. Es geht auch um den Freigeist und Lebemann Dulk, der zeitweilig mit drei Frauen gemeinsam unter einem Dach lebte.

Am 13. September stellt Ulrich Stolte dann im Podium 2 der Württembergischen Landesbühne Teile seines gerade entstehenden Roman, Arbeitstitel „Der unglaubliche Dulk“, vor. Am 20. Oktober führt eine literarische Wanderung mit Gerhard Polacek unter dem Titel „Der Apfel fällt nicht weit vom Königsberger Klops“ vom Amtsgericht hoch zum Dulkhäusle. Und zum Abschluss gibt es am 9. November in der WLB eine szenische Lesung von Dulks Drama „Lea“, dem ersten Drama in Deutschland, das für die Emanzipation des Judentums kämpfte.

Als Einsiedler auf der Sinai-Halbinsel

Dulk wurde am 17. Juni 1819 in Königsberg geboren und studierte dort und in Leipzig Chemie. Als Sohn eines Apothekers hätte Dulk sein Leben als geachteter Bürger führen können, aber er war niemand, der ausgetretene Pfade beschritt. Er radikalisierte sich im Umfeld der Leipziger Demokratiebewegung und nahm in der 48er Revolution in Königsberg eine führende Rolle ein. Danach musste er Preußen verlassen – auch aus persönlichen Gründen, weil er gleichzeitig mit zwei Frauen liiert war und beide geschwängert hatte. Er floh Ende 1849 nach Ägypten und lebte drei Monate als Einsiedler in einer Höhle im Sinai, um ein Drama über Jesus zu schreiben. Die Sorge um seine Frauen und seine Kinder trieb ihn jedoch zurück.

Von 1850 an lebte er mit beiden Frauen und den Kindern in Chaulin am Genfer See, in der wohl ersten sozialistischen Kommune der Welt. 1858 siedelte er nach Stuttgart über, der damals zweitwichtigsten deutschen Verlagsstadt nach Leipzig. Er versuchte, sich als Schriftsteller zu etablieren, schrieb Dramen und ein Opernlibretto und veröffentlichte Reisebeschreibungen.

Politisch unermüdlich aktiv

Gleichzeitig war er unermüdlich politisch aktiv. Er kandidierte für den Landtag, war ein gefragter politischer Redner und zählte zu den Gründern der SPD. Inzwischen war eine dritte Geliebte in die Stuttgarter Kommune eingezogen. Seine politische Tätigkeit brachte ihn immer wieder in den Konflikt mit den Behörden. 1878 wurde er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Dort schrieb er sein Hauptwerk „Stimme der Menschheit“, in dem er für ein Leben ohne Gott allein für die Humanität wirbt. Später fand er die Muße, im heute so genannten Dulkhäusle beim Esslinger Jägerhaus zu schreiben. Als Dulk 1884 starb, wurde das Häusle zum Anlaufpunkt der Sozialdemokratie im Großraum Stuttgart. Parteiversammlungen wurden als Gedenkveranstaltungen an Dulk getarnt. Dulks Andenken war vor allem von den Nazis verdunkelt worden. Erst in jüngerer Zeit wurde er wiederentdeckt. Weitere Informationen im Internet unter www.esslingen.de/dulk200