Allianz Daimler will chinesischen Partner als Aktionär

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Daimler-Chef Dieter Zetsche bestätigt erstmals Gespräche mit BAIC über einen Einstieg der Chinesen. Wie die Beteiligung genau erfolgen soll, ist allerdings noch offen.

Zetsche (Daimler) und Xu Heyi (BAIC) wollen noch näher zusammenrücken. Foto: Daimler
Zetsche (Daimler) und Xu Heyi (BAIC) wollen noch näher zusammenrücken. Foto: Daimler

Stuttgart - Daimler verhandelt mit seinem chinesischen Partner, dem Autobauer Beijing Automotive Group (BAIC), über den Erwerb einer Beteiligung des Staatsunternehmens an den Stuttgartern. Entsprechende Spekulationen hat Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche jetzt bestätigt: „Es finden Gespräche statt“, sagte er und fügte hinzu: „Wir haben von vornherein gesagt, dass es durchaus eine Überkreuz-Beteiligung werden kann.“ Zetsche äußerte sich am Rande einer Veranstaltung zum 20-Jahr-Jubiläum des Transportermodells Sprinter in Düsseldorf.

Daimler ist seit November 2013 mit zehn Prozent an der börsennotierten BAIC-Tochter BAIC Motor beteiligt. Ob aus den Gesprächen „konkrete Schritte“ entstünden, könne er noch nicht sagen, sagte Zetsche. Dies sei „Sache des potenziellen Investors“. Nach Zetsches Angaben sollen bei einem Engagement der Chinesen die Anteile der bisherigen Daimler-Aktionäre nicht verwässert werden. Damit dürfte ein direkter Einstieg über eine Kapitalerhöhung ausscheiden. BAIC müsste die Anteile am Kapitalmarkt aufkaufen, wozu aber keine Verhandlungen mit Daimler erforderlich wären. Alternativ könnte auch Daimler selbst den Chinesen die Aktien beschaffen. Die Stuttgarter haben sich von der Hauptversammlung am 1. April 2015 die Möglichkeit einräumen lassen, im Umfang von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals eigene Aktien erwerben zu dürfen. Die Weitergabe an Dritte ist als einer der Zwecke des Erwerbs eigener Aktien genannt. Daimler hält zurzeit nach Angaben des Unternehmens keine eigenen Aktien.

Ergebnis zum Jahresende

Größter Aktionär der Stuttgarter ist das Emirat Kuwait mit einem Anteil von 6,8 Prozent. Es folgt der Finanzinvestor Blackrock mit einem Anteil von 5,7 Prozent, gefolgt von Renault-Nissan mit 3,1 Prozent; etwa drei Prozent halten der norwegische Staat und die Zentralbank des Landes. Die weiteren Anteile sind breit gestreut. Im Gegensatz hierzu haben Wettbewerber wie BMW mit den Quandts und VW mit der Familie Porsche Großaktionäre. Daimler begreift die eigene Aktionärsstruktur allerdings nicht als Nachteil.

BAIC-Chef Xu Heyi hatte Berichten chinesischer Medien zufolge bereits bestätigt, dass BAIC mit Daimler über den Kauf eines Anteils an den Stuttgartern spreche. Er erwarte ein Ergebnis bis zum Ende des Jahres, wurde der BAIC-Chairman zitiert. Von einem chinesischen Engagement bei Daimler ist bereits mehrfach die Rede gewesen. So hat Zetsche bereits in der Vergangenheit gesagt, er würde eine Beteiligung begrüßen.

Anfang 2013 wurde als Investor der chinesische Staatsfonds China Investment Cooperation (CIC) genannt. Damals war von einer Beteiligung in Höhe von zehn bis 20 Prozent die Rede. Seitdem hat sich der Börsenkurs von Daimler allerdings um weit mehr als die Hälfte erhöht. Gegenwärtig entspricht ein Anteil von zehn Prozent einem Börsenwert von acht Milliarden Euro. Die Anleger an der Börse ließ die Aussicht auf eine BAIC-Beteiligung am Donnerstag kalt. Die Daimler-Aktie gab leicht nach und schloss bei 73,90 Euro.

Daimler holt auf

BAIC und Daimler betreiben seit 2006 das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive Company (BBAC). Mittlerweile werden dort Fahrzeuge der C- und E-Klasse sowie das Kompaktmodell GLA und der Geländewagen GLK gebaut. Außerdem hat vor zwei Jahren ein Motorenwerk die Fertigung aufgenommen. An BBAC sind die Chinesen seit 2013 mit 51 Prozent beteiligt. Daimler hält seitdem in gleicher Höhe die Mehrheit an einem Gemeinschaftsunternehmen für den Vertrieb, Beijing Mercedes-Benz Sales Service Corporation (BMBS). Zuvor gab es zwei Vertriebsgesellschaften in dem Land, die sich behindert haben. Dies gilt als einer der Gründe dafür, dass Daimler auf dem Wachstumsmarkt der Konkurrenz von Audi und BMW lange hinterhergefahren ist.

Zwar hat sich die Rangfolge in dem Land noch nicht verändert, aber Daimler holt in großen Schritten auf. Während sich bei den Wettbewerbern die Abschwächung der chinesischen Binnenkonjunktur deutlich bemerkbar macht, verbuchen die Stuttgarter anhaltend zweistellige Wachstumsraten. So sind im August die Auslieferungen gegenüber dem Vorjahresmonat um 53 Prozent gestiegen. Es zahle sich aus, dass inzwischen mehr Modelle in China direkt produziert werden, erläuterte das Unternehmen vor wenigen Tagen.