Allianz MTV Stuttgart Kim Renkema – das Gesicht des Stuttgarter Volleyballs

Von Jochen Klingovsky 

Kim Renkema war eine erfolgreiche Athletin, nun ist sie die wichtigste Frau beim Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart. Sie verkörpert den Club wie niemand sonst. Ein Porträt.

Kim Renkema ist bei Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart die große Identifikationsfigur. Foto: Wilhelm Betz
Kim Renkema ist bei Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart die große Identifikationsfigur. Foto: Wilhelm Betz

Stuttgart - Bei den Spielen in der Scharrena meidet Kim Renkema das Rampenlicht. Meist sitzt sie ganz oben, in der letzten Reihe, dort, wo der Hallensprecher das Sagen hat. Sie leidet und zittert und jubelt mit ihrem Team, doch im Fokus stehen in diesem Moment andere: die Spielerinnen, der Trainer. Das ändert sich, sobald die Scheinwerfer aus sind. Dann gehört Kim Renkema die Bühne. Bei Allianz MTV Stuttgart ist die Sportchefin der Star. „Sie ist ein Glücksfall für unseren Verein“, sagt Aurel Irion, der Geschäftsführer des Bundesligisten. „Sie ist das Gesicht des Stuttgarter Volleyballs.“

Gesicht. Identifikationsfigur. Glücksfall. Egal, mit wem man sich über Kim Renkema (31) unterhält, diese Begriffe fallen immer wieder. Kritische Stimmen? Gibt es nicht! Obwohl die Niederländerin erst in ihre zweite Saison als MTV-Sportchefin geht, hat sie sich bereits viel Respekt erarbeitet. Auch in der Liga. „Trotz ihres jungen Alters bringt sie viel von dem mit, was andere nie haben werden“, sagt Michael Evers, Präsident der Volleyball-Bundesliga, „sportliche Kompetenz. Ausstrahlung. Kreativität bei der Sponsorengewinnung. Und sie spricht, auch wenn das nicht immer angenehm ist und sie nicht immer Recht hat, Probleme offen an. Sie gibt dem Volleyball in Stuttgart nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Stimme.“

Weshalb sich Bernhard Lobmüller, der Ex-Manager der Volleyballerinnen, noch heute am liebsten selbst auf die Schulter klopfen würde für seine Idee, die langjährige Kapitänin zur Sportchefin zu machen: „Sie hat sich enorm schnell entwickelt, ihr ist nichts zu viel, sie gibt richtig Vollgas. Ich kenne niemanden in der Bundesliga, der diesen Job besser macht als sie.“

Das Lob freut Kim Renkema, weil hinter der Anerkennung harte Arbeit steckt. Aber auch, weil sie den Schritt in ein neues Leben gemeistert hat. Vom Spielfeld ins Büro, von der Außenangreiferin zur sportlich Verantwortlichen: „Das war nicht einfach“, sagt sie, „aber als Athlet sucht man die Herausforderung. Und tut dann alles dafür, um sie zu bestehen – egal, wie viel Arbeit nötig ist.“

Renkema hat als Volleyballerin viel erlebt. Sie schaffte den Sprung zu den Profis, ins niederländische Nationalteam und ins Ausland, holte mit Allianz MTV Stuttgart dreimal den Pokal, ehe sie ihre Karriere wegen einer Rückenverletzung beenden musste. Was hart war – aber nicht nur negativ. „Ich hatte immer Angst, den Einstieg ins Berufsleben zu verpassen“, sagt Kim Renkema, „doch mein Verein hat mir die Chance auf einen tollen Job geboten.“

Sportlich, das war allen klar, macht der Niederländerin niemand etwas vor. Sie weiß, wie das Spiel funktioniert, hat ein großes Netzwerk, kann verhandeln, ein Team bauen, es führen. Und musste doch viel lernen. „Von dem, was eine Managerin können muss, konnte ich nur wenig“, sagt die studierte Kinderpsychologin, „das ist jetzt anders. Ich bin nun soweit, dass ich versuchen kann, meinen eigenen Weg zu finden.“ Der ein klares Ziel hat: sportlichen Erfolg – allerdings nicht um jeden Preis.

Um rund ein Viertel haben sich die Einnahmen des Bundesligisten erhöht, seit Renkema Geschäftsführer Irion bei der Sponsorensuche und -pflege unterstützt. Der Etat beträgt mittlerweile 1,4 Millionen Euro, die klare Maxime, nicht mehr Geld auszugeben als einzunehmen, ist geblieben. Allianz MTV Stuttgart setzt im Duell mit den Hauptkonkurrenten SSC Schwerin und Dresdner SC auch auf andere Werte. „Unser Team muss gut genug sein, um Titel gewinnen zu können. Das haben wir geschafft, doch das allein reicht nicht“, sagt Renkema, „wir dürfen nie eine Spielerin verlieren, weil es bei uns Organisatorisch nicht stimmt. Wenn jemand geht, dann nur zu einem noch attraktiveren Verein ins Ausland. Dazu wollen wir künftig vermehrt deutsche Talente entwickeln und langfristig an uns binden.“ Das sind die Ziele. Und dazu kommen die Visionen.

Renkema, die mit ihrem Freund in Esslingen wohnt, hat schon als Spielerin gerne ein, zwei Züge vorausgedacht. Dabei ist es geblieben. Sie ist zufrieden mit ihrem Job, aber sie gibt sich nicht damit zufrieden, das Gesicht eines Vereins zu sein, der sich im Stuttgarter Sport einen festen Platz gesichert hat. Sie will mehr. „Ich liebe Volleyball und ich lebe Volleyball“, sagt Renkema, „und ich tue das in Stuttgart, weil ich hier großes Potenzial sehe, Sponsoren und Fans zu begeistern. Noch sind wir nicht da, wo wir sein könnten. Aber wenn es uns gelingt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die wir haben, dann sind wir die Nummer eins in Deutschland.“

Doch bis es soweit ist, gibt es noch viel zu tun. Neue Geldquellen müssen erschlossen werden, es braucht mehr hauptamtliche Kräfte (bisher 2,5 Stellen), eine bessere Öffentlichkeitsarbeit und vielleicht ja auch eine engere Kooperation mit dem großen Nachbarn VfB Stuttgart. Doch das ist die Zukunft, dabei ist schon die Gegenwart spannend genug. Sportlich, aber auch was die Führungskräfte angeht.

Ende Oktober beginnt die neue Bundesliga-Runde – und die Zeit der Verhandlungen. Nicht nur die Verträge von Kim Renkema und Aurel Irion laufen am Ende der Saison aus, sondern auch die Vereinbarungen mit den beiden Hauptsponsoren Allianz und Scharr. „Die Entwicklung der vergangenen eineinhalb Jahre war sehr positiv“, sagt Hauptgesellschafter Rainer Scharr, „ich bin optimistisch, dass wir alle vier Verträge im Paket verlängern können.“

Was auf dem Weg in die Zukunft ein Meilenstein wäre. Für den Verein. Aber auch für die Frau, die Volleyball in Stuttgart verkörpert wie niemand sonst.

Das sagen Weggefährten sonst noch über Kim Renkema

Wolfgang Dietrich, Präsident des VfB Stuttgart: „Seit vielen Jahren ist Volleyball in Stuttgart eine Erfolgsgeschichte – und Kim Renkema ist ein sehr wichtiger Teil dieser Geschichte, erst als Spielerin und nun erst recht als Sportdirektorin. Ihr stets sympathisches Auftreten tut der Sportstadt Stuttgart gut.“

Michael Evers, Präsident der Volleyball-Bundesliga: „Ohne Kim Renkema stünde der Verein nicht da, wo er jetzt steht.“

Aurel Irion, Geschäftsführer von Allianz MTV Stuttgart: „So eine Identifikationsfigur zu haben, das ist der Schlüssel für unseren Erfolg.“

Rainer Scharr, Gesellschafter und einer der zwei Hauptsponsoren: „Kim Renkema ist die richtige Frau an der richtigen Stelle.“

Giannis Athanasopoulos, Trainer: „Kim Renkema macht einen super Job. Sie löst jedes Problem.“

Deborah van Daelen, Kapitänin: „Sie weiß genau, was wir als Team benötigen.“

Bernhard Lobmüller, Ex-Manager von Allianz MTV Stuttgart und Mentor von Kim Renkema: „Ich kann mir den Verein ohne sie nicht mehr vorstellen.“