Altkreis Die neuen Trends im Kochtopf

Nicht nur beim Menschen beliebt: Der Kürbis. Foto: dpa
Nicht nur beim Menschen beliebt: Der Kürbis. Foto: dpa

Ob Steckrüben oder Pastinaken: Was einst als Ladenhüter galt, kommt heute immer häufiger auf den Teller. Der Kürbis begeistert schon seit 15 Jahren Köche und Bastler der Region. Inzwischen sind noch ganz andere Gemüsesorten auf dem Vormarsch.

Altkreis - Kein Herbst ohne Kürbis. Vor Jahren noch als Arme-Leute-Essen verschmäht, feierte der orangefarbene Geselle um die Jahrtausendwende eine Renaissance, die bis heute anhält. Das spüren auch die Landwirte im Altkreis, inzwischen gibt es kaum noch einen, der keine der bekannten „Halloween-Gewächse“ anbaut.

Doch nicht nur die Kürbisse haben die Menschen rund um Leonberg wieder für sich entdeckt. Gemüsesorten, für die sich lange niemand interessiert hat, sind plötzlich wieder voll im Trend und landen reihenweise in den Kochtöpfen. Die Steckrübe ist darunter der bekannteste Name. Doch auch die Butterrübe oder die Gelbe Beete dürfen es sich in immer mehr Einkaufskörben bequem machen.

Thomas Haug, Landwirt aus Weil der Stadt, war einer der ersten, der den Kürbis-Trend erkannt hat. Seit Ende der Neunziger baut er die Pflanzen bereits an. „Der größte Boom für die Halloween-Kürbisse war Anfang der 2000er“, erinnert er sich. „Da wollte jeder so einen zum Aushöhlen haben, Esskürbisse waren da noch gar nicht so gefragt.“ Erst später, vor nicht ganz zehn Jahren, schätzt er, kamen die Speisekürbisse wie Hokkaido und Butternuss in Mode. Etwa um diese Zeit sprangen auch immer mehr Landwirte auf den Zug mit auf.

Von 5 auf 50 auf 25 Ar

Davor war Haug einer der wenigen, die die Pflanzen überhaupt auf dem Acker hatten. Zuerst habe er mit fünf Ar für den Anbau begonnen, „das habe ich später ausgeweitet auf 30 und schließlich sogar auf 50 Ar“. Mittlerweile ist er aber wieder herunter auf 25 – zwei Drittel davon sind Speise-, der Rest Zierkürbisse. Die Nachfrage sei einfach nicht mehr so groß. Zum einen natürlich wegen des immensen Angebots. „Heute bekommt man die ja in jedem Supermarkt.“

Auch an zahlreichen Feldwegen stehen Kürbisstände, die von auswärtigen Betrieben beliefert werden. „Das ist wie bei jedem Nischenprodukt, sobald es einmal beliebt ist, machen alle mit.“ Zum anderen, glaubt Christian Zimmermann vom Hoflädle Zimmermann in Renningen, der seit etwa zehn Jahren Kürbisse anbaut, sei der ganz große Hype um die Kürbisse    inzwischen schon   wieder vorüber.   „Natürlich hält sich der Trend immer   noch. Mein  Eindruck ist aber, dass die Leute mittlerweile alles, was man mit Kürbissen machen kann, schon durchprobiert   haben. Die Begeisterung lässt dann einfach ein bisschen nach.“ Stattdessen seien nun   ganz andere Sorten beim Gemüse auf dem Vormarsch – manche schon seit   einigen Jahren, andere haben sich ganz frisch hinzugesellt. „Das sind zum Beispiel Steckrüben und Butterrübchen, aber auch ganz neu die Gelbe Beete.“

Renaissance für Steckrübe und Co.

Von Zubereitung und Geschmack ist die Steckrübe vergleichbar mit dem Kohlrabi, sagt Christian Zimmermann. Mit der Butterrübe sei es ähnlich, sie sei aber feiner im Geschmack. Die Gelbe Beete vergleicht er mit der Roten Beete, „aber das Auge isst ja bekanntlich mit“, ergänzt er schmunzelnd. Besonders die Steckrübe hatte durch den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit wie der Kürbis „einen schlechten Ruf als Arme-Leute-Essen“, sagt Zimmermann. Viele Ältere erinnerten sich heute wieder daran, „dass sie das früher gegessen und auch noch Rezepte zu Hause haben, die fragen häufiger mal danach“. Auch Kochshows, die verstärkt das Regionale und Saisonale preisen, trügen ihren Teil dazu bei, heimisches Gemüse wieder vermehrt auf den Teller zu zaubern, glaubt Klaus Stammel von der Gärtnerei Stammel in Leonberg. Er baut keine Kürbisse an, dafür jede Menge regionales Gemüse – wie Steckrübe und Co., aber auch schwarzen Kohlrabi oder Pastinaken. Gemüse, das ebenfalls vor wenigen Jahren eine Renaissance feiern durfte, so Stammel.

„So was hat sich früher überhaupt nicht verkauft“, erinnert er sich. Heute kämen immer mehr, die explizit auch nach diesen Sorten fragten. „Bei so etwas wie schwarzem Rettich sind es auf dem Markt zwar eher die Älteren, die sich danach erkundigen. Aber wenn dann Jüngere danebenstehen, fragen sie nach, was man damit macht – und steigen mit ein.“




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