Altkreis Ganz in Weiß auf dem Engelbergturm

Von flo, arno, kle 

Ob Fachwerkhaus, Museum oder Allee: Für ihre Trauung sind Pärchen längst nicht mehr auf Amtsstuben angewiesen.

Die perfekte Hochzeit sieht für jeden anders aus: Saskia Pannier und Marc Bietz zum Beispiel heiraten als Leicha-Hexen im Stil ihres Herzensvereins im alten Rathaus in Höfingen Foto: factum/Archiv 7 Bilder
Die perfekte Hochzeit sieht für jeden anders aus: Saskia Pannier und Marc Bietz zum Beispiel heiraten als Leicha-Hexen im Stil ihres Herzensvereins im alten Rathaus in Höfingen Foto: factum/Archiv

Altkreis - Im engsten Kreis mit der Familie oder in einer großen Partygesellschaft, ganz klassisch oder modern und einzigartig – wie die perfekte Hochzeit aussieht, da hat wohl jeder seine eigenen Vorstellungen.

Der Ort des Geschehens spielt dabei eine wichtige Rolle. Kleines Trauzimmer im Rathaus? Das ist vielen heute nicht mehr genug, zumal immer mehr Menschen nur noch standesamtlich und nicht mehr kirchlich heiraten. Für den schönsten Tag suchen viele Pärchen denn auch den schönsten Ort dafür aus. Schließlich sind sie bei ihrer Wahl längst nicht auf ihre Heimatgemeinde beschränkt. Die Anmeldung erfolgt zwar im heimischen Standesamt. Trauen lassen können sich Verliebte aber überall. Dafür steht ihnen im Altkreis eine ansehnliche Auswahl an stimmungsvollen Trauorten zur Verfügung – ob in Museen, Türmen oder sogar unter freiem Himmel.

Ein Auszug Mit Trauungen in der Natur lockt zum Beispiel die Gemeinde Weissach. „Wir haben einige wunderschöne Plätze im Außenbereich“, schwärmt Bürgermeister Daniel Töpfer. Sowohl an der Vorbergblickhütte als auch an der Waldhütte im Stahlbühlwald können sich Menschen das Ja-Wort geben. Ganz neu hat sich außerdem die malerische Lindenallee auf der Friedenshöhe hinzugesellt. „Dazu können die Paare außerdem ins Herrenhaus im Wehrkirchbereich“, erzählt Hauptamtsleiter Achim Laidig. Das Gebäude gehört zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Gemeinde. Das werde gerne angenommen. „Wir merken es ja als Gemeinde, dass die Trauungen immer stärkeren Event-Charakter bekommen und die Leute es individueller haben möchten“, erklärt Laidig. Zum Beispiel, dass die Paare Musik bei der Trauung hören wollen. „Auf diese Wünsche möchten wir natürlich eingehen.“

Eine große Auswahl an stimmungsvollen Heiratsorten bieten Leonberg und seine Ortsteile. „Es war ein Hobby, das ich gerne gemacht habe, aber das lässt sich zeitlich leider nicht mehr leisten “, sagt die Höfinger Ortsvorsteherin Bärbel Sauer. Heute kommt ein Standesbeamter aus der Kernstadt, wenn sich ein Paar in Höfingen trauen lassen will. Im Alten Rathaus steht beim Heimat- und Kulturverein das kleine Trauzimmer für bis zu 16 Personen bereit. Doch immer mehr Paare entscheiden sich für den urigen Gewölbekeller des Kurfissgebäudes. „Hier kann man schöne Fotos machen und es ist mehr Platz“, weiß die Höfinger Ortsvorsteherin.

Noch kein Pärchen hat den Turm erklommen

In Gebersheim und Warmbronn kann der gemeinsame Ortsvorsteher Wolfgang Kühnel die Trauungen vornehmen. In Gebersheim stehen dafür die gute Stube im Bauernhausmuseum und in Warmbronn Räume im Christian-Wagner-Haus zur Verfügung. Doch das Interesse daran, sich dort das Ja-Wort zu geben, ist nicht so groß, fünf Paare im Jahr sind schon viel. „In diesem Jahr war es leider noch gar keines“, bedauert der Ortsvorsteher.

Immer größerer Beliebtheit erfreut sich dagegen das Stadtmuseum in Leonberg, erzählt der Ordnungsamtsleiter Jürgen Beck. Vor drei Jahren wurde dort die erste standesamtliche Trauung abgehalten. „Es hat den Vorteil, dass es dort nicht nur sehr schön ist, sondern die Räume auch noch barrierefrei zugänglich sind“, so Beck. Von dem wohl ungewöhnlichsten Heiratsort in Leonberg und Umgebung lässt sich das nicht sagen. Seit Anfang 2016 dürfen sich Paare nämlich auf der Aussichtsplattform des Engelbergturms trauen lassen. Bei 123 Stufen bis nach oben müssen die Beteiligten schon gut zu Fuß sein, der Platz reicht für etwa 10 bis 15 Gäste. „Aber das ist schon etwas Besonderes, da oben über den Dächern der Stadt zu heiraten in einem unserer größten Wahrzeichen“, sagt Beck. Leider habe das bislang noch niemand nachgefragt. „Wer sich also jetzt dafür entscheidet, wird auf jeden Fall der Erste sein.“

Heimsheim möchte sein Angebot erweitern

Dass auch ein Rathaus mit romantischem Ambiente aufwarten kann, beweist der Saal des Graevenitz’schen Schlosses in Heimsheim. Der historische Saal mit dem eindrucksvollen Deckengemälde dient sonst als Sitzungsraum für den Gemeinderat. Doch auch als Trauzimmer macht er eine gute Figur. „Viele freuen sich, wenn sie dort heiraten können“, sagt Lena Dostal vom Standesamt. „Wir möchten unser Angebot allerdings noch etwas ausweiten und suchen noch nach weiteren Standorten.“ Eine Option ist das Schleglerschloss, entschieden ist das aber noch nicht.

Wer das Besondere zwischen den alten Weil der Städter Mauern sucht, der wird im Seilerturm von 1470 fündig. Wo im 15. Jahrhundert Gefangene einsaßen, da bietet heute Alt-Bürgermeister Hans-Josef Straub an vier Samstagen pro Jahr Trau-Termine an. Ebenso historisch ist das alte Steinhaus in Merklingen. „Auch da bieten wir in den Sommermonaten Termine an“, sagt die Weiler Standesbeamtin Heidrun Maier. Zehn bis zwanzig Eheleute suchen sich diese besonderen Orte aus – bei insgesamt etwa 80 Trauungen in Weil der Stadt jährlich. Extragebühren verlangt Heidrun Maier dafür übrigens keine. Weil sie dort aber zumeist samstags tätig wird, sind 60 Euro für eine „Trauung außerhalb der Dienstzeit“ fällig.