Altkreis Leonberg Wie nachhaltig ist die Fasnet?

Ludwig Essig in seinem Häs der Flachter Strudelbachhexen. Foto: factum/Jürgen Bach
Ludwig Essig in seinem Häs der Flachter Strudelbachhexen. Foto: factum/Jürgen Bach

Beim großen Umzug in Weil der Stadt fliegen 1,2 Tonnen Süßigkeiten ins Publikum. Die Narrengruppen setzen dagegen stark auf Handarbeit.

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Altkreis Leonberg - Es gibt nichts Ernsteres als die Fasnet. So pflegt ein Kollege immer zu sagen. Und wenig Spaß versteht der Deutsche allgemein gerade beim Thema Klimaschutz, sei es in die eine oder andere Richtung. Die perfekte Gelegenheit, beides mal zu kombinieren und zu schauen: Wie nachhaltig ist die Fasnet eigentlich? Und wer könnte der Redaktion dabei einen besseren Einblick verschaffen, als eine „Hexe for Future“? Wir haben das Thema mit Ludwig Essig erörtert. Der 18-Jährige engagiert sich nicht nur beim „Greenteam Schwabenpower“ in Weissach und dem Stuttgarter Ableger von „Fridays for Future“. Er ist auch eine waschechte Flachter Strudelbachhexe. „Mit neun Jahren war ich die jüngste Hexe, die je getauft wurde. Ich brauchte sogar eine Sonderregelung“, erzählt der Flachter, der sich schon immer gern verkleidet hat. „In der Fasnet wird die fast optimale Gesellschaft aufgezeigt“, sagt er. Schließlich sei das Leitmotto ja auch: „Jedem zur Freud’, niemand zu Leid.“ Eine augenzwinkernde Analyse von Kopf bis Fuß.

Selbstgemacht: Das Häs

Fertige Kostüme im Internet bestellen, die dann auch noch aus Fernost geliefert werden? Das kommt den Narren nicht in die Tüte. Hier muss selbst Hand angelegt werden. Denn die eigene Verkleidung herzustellen, ist eine Prüfung, der sich alle Neulinge stellen müssen. „Meist setzt sich da jemand mit mehr Erfahrung mit den Täuflingen zusammen“, sagt Ludwig Essig von den Strudelbachhexen. Beim Häswart kann man den Stoff bestellen, damit alle Kostüme auch gleich aussehen. „Es ist wichtig, dass man über längere Zeit auch den gleichen Stoff bekommt.“ Und dieser muss auch was mitmachen können. Nach einem festgelegten Schnittmuster werden Rock und Schultertuch genäht – und auch die Unterhose. Flicken darf dann jede Hexe selbst auf ihrem Rock anbringen.

In manchen Gruppen – je nach Kostüm – muss zusätzlich noch gestickt, gestrickt oder gehäkelt werden. Einige Verkleidungen, etwa bei den Weiler Schellenteufeln, bestehen aus hunderten einzelnen Stückchen Filz oder Stoff, die angenäht werden müssen. Kein Wunder also, dass ein solch aufwendiges Häs nicht einfach so in der Altkleidersammlung landet, sondern weitergegeben wird. „Besonders häufig passiert das bei den Kinderkostümen, wenn die Kinder größer werden. Meinen ersten Rock trägt jetzt mein Bruder“, meint Strudelbachhexe Ludwig Essig. Aber auch seine eigene Jacke habe er geschenkt bekommen.

Aus Holz: Die Larve

Die Masken, auch Larven genannt, werden aus Holz geschnitzt, also aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt. Und sind ziemlich teuer. Je nach Größe und Feinheiten sind da zwischen 300 und 500 Euro fällig. „Wenn jemand aus dem Verein austritt, dann hat der Verein das Vorkaufsrecht für die Masken“, berichtet Ludwig Essig von den Flachter Strudelbachhexen. Auch hier wird also auf Zweitverwertung gesetzt.




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