Amazon-Serie: Tales from the Loop Science-Fiction für alle, die keine Science-Fiction mögen

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Unbedingt sehenswert: Die Amazon-Serie „Tales from the Loop“ ist eine bildmächtige Meditation über Raum und Zeit, die sich an der retrofuturistischen Kunst Simon Stålenhags abarbeitet.

Irgendetwas Seltsames passiert da unten: Szene aus der Amazon-Serie „Tales from the Loop“ Foto: Jan Thijs 9 Bilder
Irgendetwas Seltsames passiert da unten: Szene aus der Amazon-Serie „Tales from the Loop“ Foto: Jan Thijs

Stuttgart - Science-Fiction ist, wenn es zischt und kracht, wenn Aliens mit Rüsseln, Tentakeln oder Stoßzähnen in martialischen Raumschiff-Kolossen die Erde überfallen, wenn im Weltall oder auf fremden Planeten spektakuläre Techno-Schlachten inszeniert wird.

Das ist natürlich ein Klischee, das längst nicht alle Science-Fiction-Filme und -Serien bedienen, sondern eigentlich nur auf den eher kleinen Bruchteil der Blockbuster-Produktionen zutrifft. Doch trotz so schlauer, stiller und hochwertiger aktueller Serien wie „Black Mirror“ oder „The Handmaid’s Tale“ hat das Genre immer noch den Ruf vor allem Jahrmarktsattraktion zu sein.

Zurück in analoge Zeiten

Vielleicht kann daran ja die beeindruckende Serie „Tales from the Loop“ ändern, die von diesem Freitag an bei Amazon Prime zu sehen ist: eine tiefsinnige Science-Fiction-Meditation, die auf den ersten Blick nicht nach Science-Fiction aussieht, zurück in analoge Zeiten führt, sich aber trotzdem genau mit den Fragen auseinandersetzt, die auch schon die großen Zukunftsromane gestellt haben.

Da ist zum Beispiel dieser schüchterne Mann, der an der Pforte des Untergrundlabors sitzt, das alle The Loop nennen: Er mag alte Jazz- und Blues­platten, schwärmt etwa von Terry ­Calliers „900 Miles“ oder Tampa Reds „You missed a good Man“, erträgt stoisch unangenehme Gespräche über seine Homosexualität und bringt in seiner Freizeit einen alten Schwebtraktor zum Laufen, der ihn nach einer Fehlzündung in eine Parallelwelt bringt, in der er auf eine nicht so einsame Version seiner selbst trifft.

Schön fotografierte Geschichtensammlung

Nathaniel Halpern hat schon dem Superhelden-Kosmos mit der Serie „Legion“ einen eigenwilligen psychedelischen Twist gegeben, „Tales from the Loop“ macht er nun zu einer nicht weniger ungewöhnlichen Annäherung ans Science-Fiction-Genre. Inspiriert von der retrofuturistischen Kunst des schwedischen Grafikers Simon Stålenhag (der einer der Produzenten der Serie ist) erzählt Halpern davon, was die Experimente, mit denen im Loop die Gesetze der Physik auf den Kopf gestellt werden, mit den Menschen machen, die über den Labors leben.

Das Ergebnis ist eine kontemplative, schön fotografierte Geschichtensammlung, die Anthologie einer Stadt, bei der in jeder Episode jemand zur Hauptfigur wird, der vorher oder nachher Nebenfigur ist – wie der schüchtern-stille Mann an der Loop-Pforte.

Tales from the Loop: von Freitag, 3. April, an bei Amazon Prime Video abrufbar