Die Fortsetzung der Kultserie „Sex and the City“ heißt sperrig „And Just Like That . . .“ und taugt vor allem als Wiedersehen mit alten Freundinnen.

Stuttgart - Im Februar 2004 lief in den USA nach sechs Staffeln die letzte Folge „Sex and the City“. 17 Jahre, in denen der popkulturelle wie feministische Einfluss dieser wegweisenden Serie immer wieder von nicht nur männlichen Kritikern gering geschätzt wurde, sowie reichlich misslungene Kinofilme später ist nun in der späten Fortsetzung mit dem Titel „And Just Like That . . .“ so einiges noch immer wie bei der letzten Begegnung mit den New Yorker Freundinnen. Carrie (Sarah Jessica Parker) ist glücklich verheiratet mit Mr. Big und lebt in einem traumhaften Apartment in Manhattan, wo die Manolo Blahniks und der Rest des Kleiderschranks ein eigenes Zimmer haben. Charlotte (Kristin Davis) ist nach wie vor Mrs. Harry Goldenblatt und in der Erziehung der beiden Töchter Lily und Rose gewohnt ehrgeizig und gewissenhaft. Und Miranda (Cynthia Nixon) ist weiterhin mit dem inzwischen Hörgerät tragenden Steve liiert, dem Vater ihres Sohnes Brady, auch wenn aus der Beziehung ein wenig die Luft raus ist. Nur Samantha fehlt. Dass die Sex-positive PR-Beraterin nach einem Streit mit Carrie inzwischen in London lebt (weil Schauspielerin Kim Cattrall nicht zu einem Mitwirken zu bewegen war), ist aber natürlich nicht die einzige Veränderung. Miranda hat ihren Kanzleijob aufgegeben und will noch mal studieren, während Carrie – weil die großen Print-Zeiten vorbei sind – jetzt auf Instagram unterwegs und in Podcasts zu Gast ist. Außerdem gab’s gerade erst eine Pandemie, die hier als überstanden präsentiert und trotzdem fast so häufig thematisiert wird wie das Färben und Nichtfärben grauer Haare. Dass aus den feiernden Singles von damals gesettelte Ladys Mitte 50 geworden sind, die nicht gerne altern, lässt sich natürlich nicht ignorieren.

Ignoranter Umgang mit aktuellen Gesellschaftsthemen

Weil früher „Sex and the City“ sehr zu Recht vorgeworfen wurde, einen allzu weißen Alltagskosmos zu präsentieren, ist der alte und neue Showrunner Michael Patrick King nun darum bemüht, jeder der Protagonistinnen eine Person of Color zur Seite zu stellen. Miranda studiert bei einer schwarzen Professorin (Karen Pittman), Charlotte freundet sich mit einer anderen Mutter mit multiethnischen Wurzeln (Nicole Ari Parker) an und Carries Podcast-Boss Che (Sara Ramirez) ist queer, nicht binär und hat Latino-Wurzeln. Das ist nicht nur arg bemüht, sondern verrät in ihrem unbeholfenen bis ignoranten Umgang mit omnipräsenten Gesellschaftsdiskursen dieser Tage auch die Figuren, die eigentlich immer als aufgeklärt-kluge Frauen am Puls der Zeit angelegt waren.

Die Serie überzeugt in Sachen Nostalgie-Faktor

So geschickt außerdem Samanthas Abwesenheit verhandelt wird, so sehr fehlt die Figur nicht nur ihren Freundinnen, sondern auch dem Publikum. Zumal mit ihr auch direkt die Freude am Thema Sex verloren gegangen zu sein scheint. Außerdem sitzen Tempo und Timing noch nicht, zumindest den ersten beiden von zehn Folgen nach zu urteilen, die übrigens mehr als eine Viertelstunde länger sind als früher bei „Sex and the City“. Dass ein Schock zum Ende der ersten Episode darüber hinaus einen dezidiert ernsthaften Tonfall setzt, kommt erschwerend hinzu.

Und doch: Als Wiedersehen mit alten Freundinnen funktioniert die Serie erfreulich gut. Manhattan erstrahlt im gleichen Glamour wie die fabelhaften Outfits, und Fans von damals dürfen sich darüber freuen, wie geschickt Bezüge zu früher hergestellt werden. In Sachen Nostalgie-Faktor überzeugt „And Just Like That . . .“ mehr als bei der Ankunft im Hier und Jetzt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Auch „Sex and the City“ brauchte damals schließlich etliche Folgen, bis die Serie ihren unwiderstehlichen Groove gefunden hatte.

„And Just Like That . . .“ Staffel 1, Sky