András Pinczehelyi in der Galerie Dengler Ufos mit Tomatensoße

Von Georg Leisten 

Es gibt Pizza! Der ungarische Künstler András Pinczehelyi bringt in Stuttgart die beliebten Teigfladen mit der süditalienischen Barocktradition zusammen.

„Flavia“ von András Pinczehelyi (Aussschnitt) Foto: Galerie Dengler und Dengler
„Flavia“ von András Pinczehelyi (Aussschnitt) Foto: Galerie Dengler und Dengler

Stuttgart - Zum Weltkulturerbe wurde sie schon vor einigen Jahren erklärt. Nun hält die Pizza auch in die Malerei Einzug - dank András Pinczehelyi. In der Galerie Dengler und Denglerwidmet er den Teigfladen mit Käse und Tomatensoße eine ganze Werkserie. Dass sich kein Italiener, sondern ein Ungar des Themas annimmt, könnte kaum symptomatischer sein. Ist die italienische Spezialität doch mittlerweile zu einer kulinarischen Weltsprache geworden, die auch mit japanischem Sushi, russischem Kaviar oder indischem Curryhühnchen auf den Teller kommt. Doch von diesen Auswüchsen der gastronomischen Globalisierung will der in Pécs lebende Pinczehelyi nichts wissen: Seine Bilder graben nach den süditalienischen Wurzeln der Pizzakultur. Etwa, indem er zwei riesige Margheritas zeigt, die wie Ufos den majestätisch rauchenden Vesuv umkreisen.

Zur Vorbereitung auf die Gemälde hat sich der Künstler über die sozialen Netzwerke mit professionellen Pizzabäckern aus Neapel ausgetauscht. Dort soll die Lieblingsspeise aller Italophilen schließlich ihren Ursprung haben. Und schon der üppig-organische Gummibootrand der Böden verrät, dass die Pizza für den 37-Jährigen viel mit dem barocken Erbe ihrer neapolitanischen Heimat zu tun hat. Ist nicht der vom warmen Lichtschein des Ofens angestrahlte Pizzabäcker eine Hommage an den zeitweise in Bella Napoli tätigen Altmeister Caravaggio und seine Hell-Dunkel-Effekte? Aber auch die langbeinige Sofa-Venus, deren Liebhaber sich wie der Pulcinella der Commedia dell’arte maskiert hat, winkt mit dem Zaunpfahl der Kunstgeschichte. Zumindest für Galeriebetreiber Steffen Dengler liegt in diesen Anspielungen eine Stärke der Arbeiten. „Pinczehelyi“, sagt er, „stellt eine kluge Verbindung zwischen historischer Malerei und dem heutigen Blick her.“ Tatsächlich lässt mancher flüchtige Bildausschnitt vermuten, dass die Komposition auf einem Fotofund aus dem Internet beruht.

Unterm Strich freilich bleibt die Schau unter ihren Möglichkeiten. Während Pinczehelyi in einer früheren Werkreihe über Damenhandtaschen viel alltagssoziologische Analysekraft bewies, erlahmen seine Pizza-Studien in einem etwas zu bodenständigen Neorealismus. Zwar werden dem Auge mit frischem Pinsel Scampi, Basilikumblätter und kross gebackene Teigränder serviert, tieferen konzeptuellen Pfiff aber lässt all das vermissen. Stattdessen fühlt man sich zuweilen fast an Food-Porn erinnert, wie er auf Instagram Verbreitung findet.

Bis 21. Februar. Rosenbergstr. 102 a, Mo-Fr 14-18 Uhr.




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