Andreas Löw aus Höfingen Ein Theologe mit Leib und Seele geht in Rente

Am Sonntag wird Löw verabschiedet. Foto: factum/Weise
Am Sonntag wird Löw verabschiedet. Foto: factum/Weise

Nach 28 Jahren verabschiedet die Kirchengemeinde in Höfingen ihren Pfarrer Andreas Löw.

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Leonberg - Mir war es immer wichtig, dass es in der Gemeinde theologisch offen zugeht. Die Menschen haben unterschiedliche Arten zu glauben, und diese Freiheit sollen sie auch haben.“ 28 Jahre lang hat Pfarrer Andreas Löw die evangelische Kirchengemeinde in Höfingen nach dieser Maxime geführt. Am morgigen Sonntag, 26. April, verabschiedet sich Pfarrer Löw mit einer letzten Predigt in den Ruhestand. Mit links zeigt er nach draußen, der rechte Arm ist wegen einer Schulteroperation ruhiggestellt, und scherzt: „Das Pfarrhaus ist ja auch schon anderweitig besetzt.“

Andreas Löw sitzt entspannt im neuen, hellen und freundlichen Amtszimmer hinter dem ehemaligen Höfinger Pfarrhaus. Die dazugehörige, ebenfalls brandneue Wohnung über den Amtsräumen ist noch leer, sie wartet auf Löws Nachfolger. Der Verkauf des denkmalgeschützten Pfarrhauses war tatsächlich der Auslöser dafür, dass sich das Ehepaar Lücking-Löw vor rund acht Jahren die ersten Gedanken zum Ruhestand gemacht hat. „Als klar war, dass der Kirchenbezirk die dringend nötigen Sanierungen finanziell nicht würde stemmen können und der Verkauf beschlossen wurde, haben wir überlegt, wie es für uns weitergehen könnte.“ Sie beschlossen, auch nach dem Ruhestand in Höfingen zu bleiben und haben hier ein Haus gebaut.

Nachfolger soll Fuß fassen können

Allerdings will der Pfarrer mit dem Abschied aus dem Amt einen harten Schnitt machen: „Es kann schwierig für die Nachfolge werden, wenn der alte Pfarrer in seiner Gemeinde bleibt“, Andreas Löw hat sich viele Gedanken gemacht, „deshalb werde ich mich zunächst komplett zurückziehen. Mein Nachfolger soll hier erst mal Fuß fassen können.“

Der 66-jährige Seelsorger stammt aus Engstadt/Balingen, aufgewachsen ist er als jüngstes von vier Kindern in Eningen bei Reutlingen, wo sein Vater die Pfarrstelle innehatte. Vielleicht hat ihn das bei der Berufswahl mehr beeinflusst, als gedacht. In der Familie kursiert die Geschichte vom fünfjährigen Andreas, der, als der Vater bei einer kirchlichen Aufgabe verhindert war, aufgestanden ist, die Stiefel angezogen hat und verkündete: „Na, dann muss ich das wohl machen.“

Ein starkes Team

Viele Jahre nach diesem ersten kind­lichen Schritt in Richtung Theologie begann Andreas Löw sein Studium am Evangelischen Stift in Tübingen, obwohl ihn auch die Medizin gelockt hätte: „Aber das war finanziell nicht zu stemmen.“ Am Stift lernte er seine Frau Karen kennen, seit 1982 sind die beiden verheiratet. Karen Lücking-Löw ist ebenfalls Pfarrerin, gemeinsam haben die beiden ihre erste Stelle in Schwarzenberg/Baiersbronn angetreten. „Wir waren eines der ersten Theologenehepaare, die sich eine Stelle geteilt haben“, erzählt Löw, und da kam die Stelle am Rande des Württembergischen Kirchenbezirks mit ihren vier Teilgemeinden gerade recht. Acht Jahre blieb die zwischenzeitlich vierköpfige Familie, bevor sie 1990 nach Höfingen kam.

Auch hier teilte sich das Ehepaar zunächst die Stelle. „Aber wir haben gemerkt, dass uns das als Paar nicht gut­getan hat“, erzählt der Geistliche, und die Eheleute haben reagiert. Karen Lücking-Löw absolvierte eine Zusatzausbildung zur Krankenhaus-Seelsorgerin und ist jetzt im Leonberger Krankenhaus tätig. Pfarrer Löw hat sich um die frei gewordene 50-Prozent-Stelle in Höfingen bewerben müssen – der Amtsschimmel ist auch in den Landeskirchen zuhause.

Diskussionsfreudiger Pfarrer

Der Kirchengemeinderat hat Pfarrer Löw 2000 für die vakante Stelle gewählt. „Ich habe mich vom Kirchengemeinderat immer gut unterstützt gefühlt“, betont Löw, obwohl in Höfingen viele unterschiedliche Sichtweisen unter einen Hut gebracht werden mussten. Kein Problem für den diskutierfreudigen Pfarrer, denn: „Das erwarte ich von einem Pfarrer: Er muss in der Lage sein, mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten.“ Dass gilt auch bei unpopulären Entscheidungen. „Ich finde, man muss als Pfarrer den Blick in die Zukunft richten“, sagt er, deshalb hat er sich die Fusion im Leonberger Kirchenbezirk vielleicht nicht gewünscht, aber als notwendig befunden und unterstützt.

Was Löw immer am Herzen lag: die diakonischen Aufgaben. Egal, ob Andachten in den Sozialeinrichtungen von Atrio, als Geschichtenerzähler im Kindergarten oder Gottesdienste im Samariterstift, die Möglichkeiten, Menschen nah zu sein und zu stützen, hat er immer genutzt. Da­neben hat er noch Zeit gefunden für den Pfarrverein, in dem er 25 Jahre als Vorstand tätig war, oder den Seelsorgerausschuss, den er zehn Jahre lang geleitet hat.

Cello und Französisch

Was macht der betriebsame Pfarrer, der während seiner Amtszeit auch die Teilrenovierung der ihm sehr teuren ­Laurentiuskirche, den Verkauf des Kindergartens in der Ulmenstraße und den Umbau des Gemeindehauses mitgeplant und umgesetzt hat, zumal auch der riesige ehemalige Pfarrgarten nicht mehr gepflegt werden muss? „Erst mal nichts“, schmunzelt Pfarrer Löw. Doch Ideen hat er viele, er will regelmäßig in der Bezirkskantorei singen und wieder mehr Cello üben. „Außerdem will ich mein Französisch aufpolieren“, sagt er, und schließlich bleibt er auch im Ruhestand ein engagierter Bürger: „Ich will offen bleiben für alles, was da vielleicht noch kommt.“




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