Angebot an Diane Kruger und andere Oscar-Akademie lädt auch wieder Deutsche ein

Auch  die Schauspielerin Diane Kruger soll künftig über die Oscar-Vergabe mit entscheiden. Foto: dpa
Auch die Schauspielerin Diane Kruger soll künftig über die Oscar-Vergabe mit entscheiden. Foto: dpa

Der feine Oscar-Club bittet unter anderem Leinwandstar Diane Kruger, den Effektspezialisten Gerd Nefzer aus Schwäbisch Hall und die „Harry Potter“-Autorin J. K. Rowling zu sich. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences muss sich unter Druck reformieren.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Hollywood - Für Amerikaner gibt es keinen Zweifel, welche höchsten Ehrungen eine Karriere in der Filmwelt bringen kann: den Gewinn eines Oscars und die Aufnahme in jene Academy of Motion Picture Arts and Sciences, deren Mitglieder die Oscars vergeben. Jährlich nimmt die Academy neue Mitglieder auf, und das nicht nur, um Sterbefälle auszugleichen: Sie erweitert sich zusehends. In diesem Jahr gehören wieder Deutsche zu den Neuzugängen: Die Schauspielerin Diane Kruger, die Filmemacherin Katja Benrath, der Komponist Volker Bertelmann alias Hauschka und der aus Schwäbisch Hall stammende Effektkönner Gerd Nefzer. Für seine Arbeit am Science-Fiction-Film „Blade Runner 2049“ hatte der 52-Jährige, oft von Potsdam aus arbeitende Nefzer den Oscar für die besten visuellen Effekte gewonnen.

Insgesamt seien 928 Menschen aus 59 Ländern eingeladen worden, 49 Prozent seien Frauen. Das ist ein neuer Rekord. 2017, als unter anderen der deutsche Schauspieler Daniel Brühl und der in Hamburg geborene Regisseur Fatih Akin („Aus dem Nichts“) aufgenommen wurden, gab es 774 Einladungen, 2016 gab es 683, und 2015 waren es nur 322. An dem sprunghaften Anstieg sieht man, dass der ursprüngliche elitäre Gedanke – vor allem die Gewinner von Oscars sollten die Neuzugänge stellen – eine Sache der Vergangenheit ist. Nur 17 der nun Eingeladenen haben tatsächlich schon einmal einen Oscar für ihr Schaffen gewonnen.

Der Vorwurf: Zu weiß, zu alt, zu männlich

Die 1927 gegründete Academy ist zwar längst über ihre ursprüngliche, zwielichtige Rolle als von den Studiobossen gelenkte Ersatzgewerkschaft weit hinausgewachsen. Aber 2015 ist sie durch die Kampagne #oscarssowhite in den sozialen Netzwerken massiv unter Druck geraten: Zu alt, zu weiß und zu männlich sei ihre Mitgliederschar, wurde kritisiert, sie sei eine Bastion überholten Denkens und zweifelhafter Werte. Die Vorurteile ihrer Mitglieder träten in einer Oscar-Vergabe zu Tage, die etwa Frauen, Afroamerikaner, Latinos und asiatischstämmige Filmschaffende dauerhaft und massiv benachteilige.

Seitdem versucht die Academy, sich im Eiltempo zu reformieren, ein Vorhaben, das durch die Metoo-Debatte, durch die Offenlegung systematischer sexueller Diskriminierung und Ausbeutung in der Filmindustrie, zusätzliche Impulse bekam. Unter den 2018 Auserwählten befinden sich Schauspieler wie Anna Chlumsky, Blake Lively, Olivia Munn, Amy Schumer, Jada Pinkett Smith, Liv Tyler und Hannibal Buress, Musiker wie Kendrick Lamar und Autoren wie die „Harry Potter“-Erfinderin J. K. Rowling. Die 14-jährige Schauspielerin Quvenzhane Wallis („Beasts of the Southern Wild“ ist 2018 die jüngste, die 86-jährige Komponistin Sofia Gubaidulina („The Killing of a Sacred Deer“) die älteste der Eingeladenen.




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