Angeklagter erkrankt Kalinka-Prozess wird ausgesetzt

Von dpa 

Dieter K.s Gesundheitszustand lasse die Fortsetzung derzeit nicht zu,  befand das Gericht.

Paris - Der spektakuläre Pariser Prozess um den deutschen Arzt Dieter K. und den Tod seiner französischen Stieftochter Kalinka ist für unbestimmte Zeit unterbrochen. Der Gesundheitszustand des 75-jährigen Angeklagten lasse die Fortsetzung des Verfahrens derzeit nicht zu, teilte das Gericht am Donnerstag in Paris mit.

Der deutsche Mediziner steht unter Verdacht, Kalinka vor fast drei Jahrzehnten getötet zu haben. Der leibliche Vater des Mädchens, André Bamberski, hatte den deutschen Arzt Ende 2009 gewaltsam nach Frankreich verschleppen lassen. Damit wollte er sicherstellen, dass dieser dort noch einmal vor Gericht gestellt wird.

Findet der Prozess je ein Ende?

Nun wachsen Zweifel, dass der Prozess je zu Ende geführt werden kann. Dieter K. hatte unter anderem über Herzprobleme geklagt und wurde in den vergangenen Tagen im Krankenhaus behandelt. Die Ärzte haben zu einer mindestens zweiwöchige Auszeit geraten.

Die Vorsitzende Richterin Xavière Siméoni hält sogar eine monatelange Unterbrechung für möglich, da für eine Wiederaufnahme erst neue Geschworene vereidigt werden müssen. Sie hofft aber, dass der Prozess noch vor Jahresende beendet werden kann. Ursprünglich hatte sie bereits an diesem Freitag das Urteil verkünden wollen.

In Abwesenheit verurteilt

Dieter K., der aus dem Landkreis Lindau am Bodensee kommt, war bereits 1995 in Abwesenheit in Frankreich zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er den Tod seiner Stieftochter verursachte. Die Bundesrepublik lieferte Dieter K. aber nie aus, weil die deutsche Justiz zuvor ein Ermittlungsverfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt hatte.

Der leibliche Vater von Kalinka wollte dies allerdings nicht hinnehmen und fädelte im Oktober 2009 die Entführung von Dieter K. nach Frankreich ein. Die vermutlich von den Kidnappern alarmierte Polizei nahm den Deutschen dann fest.

„Meiner Meinung nach wird Dieter K. per Knopfdruck herzkrank, immer dann, wenn es ihm gerade passt“, sagte Bamberski am Donnerstag. Die Verteidigung Dieter K.s sprach von „ekelhaften Vorwürfen“.