Angriff von Bogenschütze in Norwegen Fünf Tote nach Gewalttat nahe Oslo

Die Polizei in Norwegen berichtet von fünf Toten und Verletzten nahe Oslo. Foto: dpa/Håkon Mosvold Larsen 5 Bilder
Die Polizei in Norwegen berichtet von fünf Toten und Verletzten nahe Oslo. Foto: dpa/Håkon Mosvold Larsen

Zehn Jahre nach den Breivik-Anschlägen werden in einer norwegischen Kleinstadt Menschen angegriffen. Fünf sind nach Polizeiangaben tot, zwei weitere verletzt. Der mutmaßliche Täter kann gefasst werden.

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Oslo - Bei einer Gewalttat im südnorwegischen Kongsberg sind fünf Menschen getötet und zwei weitere verletzt worden. Das teilte die norwegische Polizei am Mittwochabend mit. Der mutmaßliche Einzeltäter sei gefasst worden. Die Tat ereignete sich demnach gegen 18.15 Uhr im Zentrum der Stadt Kongsberg, die rund 80 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Oslo liegt. Der Täter sei mit Pfeil und Bogen bewaffnet gewesen - ob er auch andere Waffen bei sich trug, blieb bis zur Nacht offen. Man gehe von einem Einzeltäter aus. Nach weiteren Tätern werde nicht gesucht. Die Lage sei unter Kontrolle.

Die Verletzten seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte der zuständige Polizeichef Øyvind Aas. Sie lägen auf der Intensivstation. Aas sagte, er habe jedoch keine Anzeichen, dass sie in Lebensgefahr schwebten. Einer der beiden sei ein Polizeibeamter, der nicht im Dienst gewesen sei.

Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben der Polizei an mehreren Orten in der Stadt. Das Zentrum wurde weiträumig abgeriegelt. Der Polizei sei um 18.13 Uhr von mehreren Personen gemeldet worden, dass sich ein Bewaffneter durch die Stadt bewege und mit Pfeil und Bogen auf Menschen schieße, sagte Aas. Mehrere Medien berichteten von einem Supermarkt als einem Ort des Geschehens.

Hintergründe bleiben zunächst unklar

Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Es sei noch zu früh, um zu sagen, ob es einen terroristischen Hintergrund geben könnte. Viele Fragen könne er noch nicht beantworten, betonte Aas.

Eine Einwohnerin von Kongsberg sagte der Nachrichtenagentur NTB, sie habe gehört, wie der Alarm in einem Supermarkt losgegangen sei. Dabei habe sie sich nicht viel gedacht. Dann jedoch habe sie auch Polizeiautos und Rettungswagen gehört. Die Polizei habe am Abend mit Taschenlampen Garagen und Hinterhöfe im Stadtzentrum abgesucht.

Norwegens scheidende Ministerpräsidentin Erna Solberg zeigte sich „erschüttert“ von der Tat. „Unsere Gedanken gehen zuallererst an die Betroffenen und ihre Angehörigen“, sagte Solberg am späten Mittwochabend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Oslo. Sie wird am Donnerstag nach ihrer Wahlniederlage vor einem Monat von dem Sozialdemokraten Jonas Gahr Støre an der Regierungsspitze abgelöst. Auswirkungen auf den Regierungswechsel habe die Tat nicht, sagte Solberg.

„Die Meldungen, die heute Abend aus Kongsberg kommen, sind grauenvoll“, sagte Solberg. „Der Täter hat furchtbare Handlungen gegen mehrere Menschen begangen. Das ist eine sehr dramatische Situation, die die Gemeinschaft in Kongsberg hart trifft.“ Es sei wichtig, zu unterstreichen, dass man noch nichts Genaueres zu dem Vorfall wisse.

Bürgermeisterin Kari Anne Sand: „Das ist eine Tragödie“

Auch Kongsbergs Bürgermeisterin Kari Anne Sand hatte sich fassungslos gezeigt. „Das ist eine Tragödie für alle Betroffenen. Mir fehlen die Worte“, sagte sie der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“.

Der Regierungschef im benachbarten Schweden, Stefan Löfven, schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Es handele sich um einen „furchtbaren Angriff“.

Wegen des Vorfalls wurde die Polizei vorübergehend bewaffnet, wie das Polizeidirektorat am späten Abend mitteilte. Es handele sich um eine Bereitschaftsmaßnahme - vorläufig gebe es keine Hinweise für eine Änderung der Bedrohungslage im Land. Auch der norwegische Geheimdienst PST wurde über den Vorfall in Kenntnis gesetzt.

Vorfall weckt schlimme Erinnerungen

Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen: Vor zehn Jahren erlebte Norwegen den schwersten Terroranschlag seiner modernen Geschichte. Am 22. Juli 2011 zündete der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik zunächst im Osloer Regierungsviertel eine in einem weißen Transporter versteckte Bombe und tötete dabei acht Menschen.

Danach fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.

69 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf Utøya ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Er wurde im August 2012 zu der damaligen Höchststrafe von 21 Jahren mit einer Mindesthaftzeit von zehn Jahren verurteilt.




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