Anna-Lena Hitzfeld Quatsch machen und traurig sein

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Anne-Lena Hitzfeld will spielen, spielen, spielen. Das kann sie nun – als neues Ensemblemitglied des Kinder- und Jugendtheaters JES.

Kinder sind „krass fordernd“, meint Anna-Lena Hitzfeld, die Neue im JES-Ensemble Foto: JES
Kinder sind „krass fordernd“, meint Anna-Lena Hitzfeld, die Neue im JES-Ensemble Foto: JES

Stuttgart - Ihre Kommilitonen träumten von der ganz großen Bühne und schwärmten vom berühmten Thalia-Theater in Hamburg. Anna-Lena Hitzfeld hielt eisern dagegen. Denn sie wusste bereits, dass auch theaterpädagogische Arbeit und Theater für Kinder und Jugendliche höchst befriedigend sein kann. Kinder sind „krass fordernd“, sagt sie, „es ist knallhart, wenn einer mittendrin aufsteht und geht, vermutlich auf die Toilette.“ Trotzdem genießt sie es immer wieder, für Kinder zu spielen, selbst wenn sie durch Klassenzimmer tingelt: „Die Liebe, die ich vor dem Mittagessen in fünfzig Minuten abhole, kriegen andere in zwei Wochen nicht.“

Als Anna-Lena Hitzfeld las, dass das Junge Ensemble Stuttgart (JES) eine junge Schauspielerin sucht, hat sie sich sofort beworben. Sie sprach Tschechow vor, eine Szene aus „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, sie improvisierte mit dem Team – und bekam die Stelle. Seit September vergangenen Jahres ist Anna-Lena Hitzfeld Teil des kleinen JES-Ensembles und hat gleich „eine leckere Spielzeit geschenkt bekommen.“ Wäre sie als Anfängerin an ein Stadttheater gegangen, würde sie vermutlich viele Nebenrollen spielen, im JES dagegen steht sie immer im Zentrum der Stücke. Dafür ist sie „sehr dankbar“, wie sie immer wieder betont.

26 Jahre ist Anna-Lena Hitzfeld alt – und ist nun wieder in die Heimat zurückgekehrt. Geboren wurde sie in Tübingen, in Waldenbuch ist sie aufgewachsen. Die Eltern sind beide Lehrer. Mit zwölf Jahren hat Anna-Lena Hitzfeld bereits in der Theater-AG mitgespielt, später war sie im Jugendklub des Schauspiels Stuttgart – und als Zuschauerin auch oft im JES. Nach dem Abitur machte sie am freien Theater Tempus fugit in Lörrach ihre „theaterpädagogische Grundausbildung“. Nach zwei Semester Kunstgeschichte und Philosophie in Leipzig hat es dann endlich geklappt, und sie bekam einen der begehrten Plätze an einer Schauspielschule - in Hannover.

Ausbildung an der Schauspielschule Hannover

„Ich mache gern Quatsch und habe Spaß an witzigen Sachen“, sagt Hitzfeld, „ich bin aber auch gerne traurig.“ Kurzum: Sie hat „Lust auf alles“ – und genau das kann sie am JES ausleben. Drei Premieren liegen bereits hinter ihr, „das war ein ganz schöner Ritt“, sagt sie, eine weitere Neuproduktion steht noch an. Häufig hat sie zwei Vorstellungen am Tag. In „Ein Schaf fürs Leben“ hat sie die Rolle des Schafs übernommen und tingelt mit ihrem Kollegen Alexander Redwitz durch Klassenzimmer. Das ist harte Arbeit, aber auch eine gute Schule, wenn sie sieht, wie es die erfahrenen Kollegen angehen. Gerd Ritter, so ihr Eindruck, „kann alles“, sie dagegen müsse sich bei jeder Rolle „neu austarieren“ und schauen, was sie „zum Arbeiten braucht“. In der jüngsten Jugendproduktion „Tigermilch“ gelingt es ihr bestens, ein Mädchen aus einer Wohnsiedlung darzustellen, das übermütig und mitunter allzu waghalsig ins Leben springt.

Ob sie für Kinder oder für Erwachsene spielt, macht für Anna-Lena Hitzfeld keinen großen Unterschied. „Ich muss mein Gegenüber ernst nehmen und will Geschichten erzählen.“ Allerdings habe man bei Kindern einen „anderen Vertrauensvorschub, weil sie mit der Behauptung mitgehen und man sie als Komplizen mitnehmen kann.“ Kinder fiebern stärker mit und rufen auch mal rein „Nein, nicht fressen!“ oder „Oh, Schnee!“. Eine „bezaubernde Zielgruppe“, findet Anna-Lena Hitzfeld – und scheint genau richtig zu sein im JES, das die Kinder nicht wie in vielen großen Häusern nebenher bedient, sondern das ihnen „große Wertschätzung entgegenbringt“, wie Hitzfeld es nennt.

Für zwei Jahre ist sie nun am JES engagiert. Was danach kommt und ob sie vielleicht irgendwann auch mal selbst inszenieren will? Alles möglich, aber jetzt sei die „Spielwut“ viel zu groß. Anna-Lena Hitzfeld sprüht nur so vor Energie und Begeisterung für ihr erstes großes Engagement. Weshalb nebenbei nicht mehr viel Zeit bleibt. „Ich mag meine Bücherwand zuhause“, sagt sie, ihr liebstes Hobby derzeit sei allerdings: Schlafen.

Premiere: Anna Lena-Hitzfeld ist in der neuen Produktion „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ zu sehen, die von 4. Juli an im JES läuft




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