Aperitif in Stuttgart Auf einen Drink an der Bar

Von , Bettina Hartmann, und Michael Weier 

In Italien wird am frühen Abend der Aperitivo zelebriert. Stuttgart hat da noch Nachholbedarf. Aber es gibt einige Orte für ein prickelndes Päuschen.

In vielen Ländern ist der Aperitif am frühen Abend eine Normalität Foto: Mauritius 8 Bilder
In vielen Ländern ist der Aperitif am frühen Abend eine Normalität Foto: Mauritius

Stuttgart - Wer ist der Favorit? Der Aperol Sprizz in Mailand? Oder der Negroni in Bergamo? Klar ist: In Italien wird er zelebriert, der Aperitif am frühen Abend. Man trifft sich nach der Arbeit auf ein Gläschen, zahlt dafür ein bisschen mehr als sonst, darf sich dazu aber Häppchen vom Buffet picken. Stuttgart hat noch Nachholbedarf, wie unser Test ergeben hat. Doch auch hier haben wir nette Orte­ für prickelnde Päuschen gefunden.

Evviva L’Aperitivo, es lebe der Aperitif: Frohgemut wirbt der Gastro-Alleskönner 5 für sein Donnerstagsangebot. Von 18 bis 20 Uhr kostet ein Cocktail von der Extrakarte plus Überraschungshäppchen 9,50 Euro. „Ein Stück Italien in der Landeshauptstadt“, heißt es weiter. Leider kommt das Häppchen – feiner Rohschinken auf Rucola mit Parmesanspänen – erst auf den Tisch, als der Negroni Sbagliato fast ausgetrunken ist. Hier ist noch Luft nach oben.

Die Bar im Feinkost Böhm ist der Klassiker für den gepflegten Aperitif. Am Samstagmittag gibt’s zum Champagner die Show umsonst mit dazu. Vorn trinken sich junge Frauen im Edeldirndl fürs Frühlingsfest warm, hinten wird die fidele Männerrunde von den Gattinnen im Shoppingfieber zwischengeparkt. Familiär geht es am Tresen zu, man gönnt sich ein Gläschen Rosé-Schampus der Böhm Eigenmarke (11 Euro) oder von Ruinart (13,50 Euro und ziemlich kraftlos). Dazu kann, wer mag, eine Kleinigkeit aus der Restaurantkarte wählen.

Wer Aperitif gleichsetzt mit Auswahl beim Alkohol ist in der Bar Desirée nicht gut aufgehoben. Es gibt Campari Orange, Sherry, Cava – basta. Dafür versprechen die kalten und warmen Häppchen umso mehr Vielfalt. Am späten Nachmittag sind die Tischchen in dem winzigen spanischen Lokal schnell besetzt, noch rascher sind bei Sonnenschein die Plätze draußen vor der Markthalle weg. Zum Cava (4,50 Euro) teilt man sich einen Tapas-Teller (fünf Stück für 12,50 Euro): wunderbar! 

Der Marktplatz ist eine einzige gastronomische Wüste? Nein, der kleine Stadtbesen hält wacker die Stellung. In dem schmalen, holzverkleideten Raum mit seinem langem Tresen, an dem auf beiden Seiten auf Barhockern ein gutes Dutzend Genießer Platz findet, wird man prima versorgt: mit Weinen aus der Region und auch ein bisschen darüber hinaus. Dazu gibt es Grissini oder Oliven, Antipasti inklusive verschiedener Käse und Schinken aus der Vitrine.

Der Name mag einem spanisch vorkommen, aber auf der iberischen Halbinsel pflegt man ja ebenfalls die Aperitivo-Kultur – als Tapeo mit Tapas. Die gibt es auch im Gato Negro. Zu Weinen aus Spanien und Schwaben gibt es zur After-Work-Hour genug zum Stärken: Tabla Mixta mit Käse, Schinken, Chorizo etwa, Tortilla, Pflaumen im Speckmantel – oder einfach nur Oliven. Unverzichtbar für viele sind die 2-für-1- Aktionen­ mit Kessler-Gewächsen am Mittwochabend. Das Gin-Tonic-Angebot mit inzwischen sieben verschiedenen Tonic Waters zum Einheitspreis und bald bis zu 40 Gin-Sorten wird weiter ausgebaut.

Das Konzept fürs Glas Wein vor der Abendunterhaltung: Bernd Kreis hat es perfektioniert. Seine Bar in der Weinhandlung zielt exakt darauf ab: ein paar edle Häppchen plus den Genuss des Weins. Selbst eine ganze Flasche aus seiner gut sortierten Handlung gibt’s für nur sieben Euro Korkgeld oben drauf zum Ladenpreis! Der glasweise Ausschank ist so kalkuliert, dass der Gast gerne auch zwei Gläser trinken kann. Zum Beispiel gibt’s den ausdrucksvollen Champagner R. Pouillon (die Flasche kostet 31,50 Euro, mit Korkgeld also 38,50 Euro) für 6,50 Euro das Glas. Die Bar ist winzig – ein Traum, dürfte der Weinexperte bald auch im Freien neben drei Stehtischen ein paar weitere Möbel hinstellen.

Wer sich vor dem Theaterbesuch noch ein Gläschen gönnen möchte, ist in der Champagner-Bar im Breuninger gut aufgehoben – und kommt vergleichsweise günstig weg. Das Glas Lanson-Schampus gibt es an der Rotunde in der Karlspassage schon ab 8,90 Euro. Wer lieber Cocktails trinkt oder Saisonales wie derzeit eine spritzige Erdbeer-Bowle, wird ebenfalls nicht enttäuscht. Ausbaufähig ist das Häppchenangebot: Die Canapés (3 Euro das Stück) fallen winzig aus und sind recht einfallslos belegt.




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