App gegen Cannabis-Sucht Kiffen für die Wissenschaft

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Mannheimer Forscher suchen Freiwillige, die Cannabis konsumieren und Fragen zu ihrer Verfassung beantworten. Das Ziel ist eine Smartphone-App, die helfen soll, sich von der Sucht zu befreien.

Forscher halten Cannabis keineswegs für eine harmlose Droge. Foto: AP/Richard Vogel
Forscher halten Cannabis keineswegs für eine harmlose Droge. Foto: AP/Richard Vogel

Stuttgart - Mannheimer Forscher wollen Cannabis-Abhängigen mit einer App helfen, von ihrer Sucht loszukommen. Um die Smartphone-Anwendung zu entwickeln, wollen die Forscher des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit zunächst ergründen, wie Marihuana sich auf die Stimmung auswirkt. Dafür suchen die Wissenschaftler insgesamt 30 Menschen im Alter zwischen 14 und 30 Jahren, die für eine Studie regelmäßig Cannabis konsumieren. Wie der Konsum abläuft, ist nicht so wichtig.

Die Forscher wollen herausfinden, wie sich die Verfassung der Studienteilnehmer über mehrere Tage hinweg verändert. Mit den Ergebnissen soll es gelingen, den Teufelskreis zwischen Konsum, Stimmung und Suchtdruck zu durchbrechen. „Unser Ziel ist es, eine voll automatisierte Selbsthilfe-App zu entwickeln“, sagt Ulrich Reininghaus, der die Abteilung für öffentliche psychische Gesundheit an dem Institut leitet.

Die geplante App soll Cannabis-Konsumenten unter anderem mit Atemtechniken und Belohnungsübungen anleiten, wie sie am besten ihre Sucht bekämpfen.

App-Entwicklung dauert wohl einige Jahre

Das Ziel: Der Cannabis-Konsum soll reduziert werden. Denn bei Marihuana handelt es sich laut Reininghaus keineswegs um eine harmlose Droge. „Täglicher Cannabis-Konsum erhöht das Risiko um das Vierfache, an einer Psychose zu erkranken“, sagt der Professor. Wenn Cannabis dann auch noch auf eine Psychose treffe, sei ein schwerer Verlauf kaum noch zu stoppen.

Bis die Selbsthilfe-App veröffentlicht wird, vergehen nach Angaben des Instituts aber noch einige Jahre. Auch ist der Andrang an Freiwilligen nicht wirklich groß – obwohl die Suche seit Februar läuft. Das liegt einerseits an einem kurzzeitigen Rekrutierungsstopp aufgrund der Corona-Pandemie.

Doch es gibt noch eine weitere Hürde: „Menschen sind nicht so einfach auf der Straße zu finden, die Cannabis konsumieren“, sagt Reininghaus. Wer mitmacht, der bekommt ein Leih-Smartphone, auf dem er täglich bis zu zehn Fragen beantworten muss. Eine Fragerunde dauert rund zwei Minuten. Wer regelmäßig seinen Zustand eintippt, der bekommt dafür eine Aufwandsentschädigung von bis zu 30 Euro.

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