Arabische Touristen in Zell am See Nach der Gipfeltour im Ali Baba einkehren

Von Michael Werner 

Für Reisende aus den arabischen Golfstaaten ist Zell am See das Sehnsuchtsziel in Österreich. Die dortige Tourismusbehörde hat einen Leitfaden für arabische Gäste verteilt und dann eingestampft. Aber die Urlauber aus dem Orient ficht das nicht an.

Sie genießen die kühle Luft, das Bergpanorama – arabische Gäste bei einem Ausflug auf die Fürthermoar-Alm bei  Kaprun. Foto: picture alliance
Sie genießen die kühle Luft, das Bergpanorama – arabische Gäste bei einem Ausflug auf die Fürthermoar-Alm bei Kaprun. Foto: picture alliance

Zell am See - Ihre Hochzeitsreise hat Fatima Mohammed al-Rabban nach Südafrika geführt, nach London fliegt sie zweimal im Jahr zum Shoppen, ihr Haus in Beirut empfindet sie zurzeit als nicht sicher genug, dafür hat sie sich neulich Australien angesehen. Aber Zell am See bleibt sie treu: Seit zwanzig Jahren reist die Katarerin mit Wohnsitz in Dubai im Sommer für ein paar Wochen ins Salzburger Land – und mit ihr zwanzig Familienmitglieder und Freunde sowie eine Haushälterin.

Ihre Waschmaschine und ihr Kochgeschirr lässt Frau Fatima, wie man sie hier nennt, inzwischen ganzjährig im Hotel Neue Post, mit dem sie derzeit über den Kauf einer 100-Quadratmeter-Suite im obersten Stockwerk verhandelt, mit Blick auf den See. „In Dubai leben wir in einer klimatisierten Welt“, sagt Frau Fatima, „gerade haben wir dort 45 Grad.“ In Zell am See, ihrer „zweiten Heimat“, hingegen sei es immer schön kühl. Eigentlich möge sie alles hier, sagt sie: die Freundlichkeit der Einheimischen, die Sicherheit, die Berge. Nur dass in der Hotellobby inzwischen Wasserpfeifen für die arabischen Gäste herumstehen, gefällt ihr nicht. Die habe sie zu Hause.

Verschleierte Saudi-Araberinnen essen Apfelstrudel

Seit die Touristen aus den arabischen Golfstaaten im Sommer offiziellen Angaben zufolge in Zell am See ein Viertel der Feriengäste ausmachen, wirkt vieles hier im Herzen des Salzburger Landes, als habe sich ein Filmregisseur ikonografische Bilder für die Begegnung der Kulturen aus­gedacht: Im Sprühwasser der Krimmler Wasserfälle, einem beliebten Ausflugsziel 50 Kilometer westlich, tragen kleine, noch unverschleierte Mädchen aus Saudi-Arabien ihre zuvor in Zeller Boutiquen erworbenen Dirndl spazieren. Und an der Uferpromenade in Zell am See, mondän Esplanade getauft, wo kurz vor Sonnenuntergang geschätzt drei Viertel der Urlauber aus den Golfstaaten stammen, essen verschleierte Saudi-Araberinnen Apfelstrudel, wobei sie den Niqab leicht lüpfen.

Niqab – so heißt das schwarze Stück Stoff, der traditionelle Gesichtsschleier der Arabischen Halbinsel, auch wenn die internationale Presse vor ein paar Monate, als Zell am See in den Schlagzeilen war, das Stoffstück unbeirrt als Burka bezeichnete, obwohl das die afghanische Verschleierungsvariante ist. „Touristische Apartheid“ lautete die Überschrift in der Londoner „Daily Mail“, als die Tourismusbehörde von Zell am See-Kaprun eine Verhaltensfibel speziell für arabische Touristen unter dem Titel „Where Cultures meet“ drucken ließ, die sie bald darauf wieder einstampfen lassen musste. Die Fibel war gründlich missglückt: „Bei uns symbolisiert die Farbe Schwarz Trauer“, stand da zum Beispiel, und dass man es „in unserer Kultur“ gewohnt sei, „in das lächelnde Gesicht unseres Gegenübers“ zu blicken. Der Kleidungsaufruf: „Feiern Sie mit uns die einzigartig freudige österreichische Mentalität, und zeigen Sie uns Ihre bunten Kleider und Tücher.“ Weitere Empfehlungen: Mülleimer benutzen, anschnallen, auf Elektrokocher im Hotelzimmer verzichten.

Alles läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda

„Manche Formulierungen sind missinterpretiert worden“, sagt Renate Ecker, die Geschäftsführerin der Tourismusbehörde Zell am See-Kaprun, „die Irritationen waren in keinster Weise beabsichtigt.“ In ihrem schönen Büro schenkt sie Wasser aus Porsche-Design-Flaschen aus und erklärt, dass es bei der „informativen Broschüre“ eigentlich nur um „Tipps für den besseren Umgang miteinander“ gegangen sei. Gut sei der Umgang eh schon. Die Gäste vom Golf würden die Kombination aus Wasser, Bergen und Gletscher lieben, vor mehr als 15 Jahren habe man diese einzigartige Natur intensiv am Golf beworben. Seit vier Jahren jedoch wirbt der Tourismusverband dort gar nicht mehr, da sich der Markt „so gut entwickelt“ habe. Heute: alles Mund-zu-Mund-Propaganda.

Das bestätigen die arabischen Familien an der Uferpromenade, das bestätigen auch die jungen Männer, die im Konvoi in alten Amischlitten auf dem Landweg aus Kuwait angereist sind. Sie alle schwärmen vom See als solchem, vom Grün der Berge, von der relativen Kühle. Und manche arabischen Touristen sagen, die Beliebtheit von Zell am See am Golf liege auch daran, dass man in Zell arabisch essen kann.