Arbeitsgericht Stuttgart Vertrieben aus der Komfortzone von Daimler

Ernst Lieb hat in den USA mit Erfolg gearbeitet; geholfen hat ihm das letztlich nicht. Foto: dpa
Ernst Lieb hat in den USA mit Erfolg gearbeitet; geholfen hat ihm das letztlich nicht. Foto: dpa

Ernst Lieb, der Exchef von der Mercedes-Benz USA, ist auch in der zweiten Instanz gescheitert. Das Landesarbeitsgericht hält die fristlose Kündigung für rechtens.

Wirtschaft: Michael Heller (mih)
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Stuttgart - Dass Ernst Lieb seinen Job als Chef der Mercedes-Vertriebsgesellschaft in den USA sehr gut gemacht macht, bestreitet auch sein bisheriger Arbeitgeber nicht. Trotzdem erhielt der 58-Jährige im Oktober 2011 die fristlose Kündigung . Dabei ist es auch am Mittwoch vor dem Landesarbeitsgericht geblieben, nachdem zuvor bereits das Arbeitsgericht Stuttgart im Dezember 2012 Liebs Klage gegen die Entlassung abgewiesen hatte.

2752 Dollar für ein Beratungsgespräch

Was das Unternehmen Lieb vorwirft, mündete bei der Berufungsverhandlung in den Satz eines Daimler-Anwalts, als über eine Rechnung in Höhe von 2752 Dollar berichtet wurde. „Das ist symptomatisch für den Habitus von Herrn Lieb, mit den Resourcen des Unternehmens umzugehen.“ Der Anlass: Lieb hatte eine Rechtsanwältin aus der Kanzlei, mit der Daimler zusammenarbeitet, einfliegen lassen, um mit ihr Fragen im Zusammenhang mit seiner Green Card zu diskutieren. Mehrfach unterbrach Lieb das Gespräch und schickte sie aus dem Büro, weil er kurzfristig interne Themen zu klären hatte. So verbrachte die Anwältin viele Stunden bei dem Termin – was aus Sicht des Konzerns völlig überflüssig war. „Üblicherweise klären wir so etwas per E-Mail oder per Telefon“, sagte ein Daimler-Vertreter bei der Verhandlung.

Lieb, der nach seiner Tätigkeit in Australien zum 1. September 2006 in die USA kam, durfte dort mietfrei in einer Dienstvilla in New Jersey wohnen; Daimler selbst zahlte 9700 Dollar pro Monat für das Haus, Lieb musste den geldwerten Vorteil versteuern. Aber offenbar war das Objekt, das schon Liebs Vorgänger bewohnt hatte, nicht im gewünschten Zustand. So musste gleich die zuvor asphaltierte Auffahrt für 60 000 Dollar gepflastert werden. Grund waren angeblich Probleme mit Wasser aufgrund der Hanglage des Hauses, womit Lieb auch den Einsatz einer Klimaanlage im Keller erklärte. „Literweise“ habe sich binnen weniger Tage das Wasser angesammelt, sagte er. Im Haus wurde unter anderem für stolze 90 000 Dollar eine Home-Entertainment-Anlage und im Keller ein Fitnessstudio mit verspiegelten Wänden eingebaut. Nachdem einer der beiden Weinkühlschränke in der Villa defekt war, wurde für 2600 Dollar ein neuer angeschafft. Alles zu Lasten der Firmenkasse.

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