Arbeitsgruppe in Stuttgart-Vaihingen Kleine Schritte in Richtung Barrierefreiheit

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Die Arbeitsgruppe Barrierefreies Vaihingen setzt sich für die Belange von Menschen mit Einschränkungen ein. Im vergangenen Jahr hat sie bereits einiges erreicht. An einigen Stellen im Bezirk gibt es allerdings noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Die Arbeitsgruppe setzt sich für die Barrierefreiheit ein. Von links: Winfried Specht vom Blinden- und Sehbehindertenverband, Gabriele Leitz und Ivo Josipovic. Foto: Sandra Hintermayr
Die Arbeitsgruppe setzt sich für die Barrierefreiheit ein. Von links: Winfried Specht vom Blinden- und Sehbehindertenverband, Gabriele Leitz und Ivo Josipovic. Foto: Sandra Hintermayr

Vaihingen - Die Bedürfnisse der Menschen mit Handicap sind unterschiedlich, je nach Einschränkung. Ein sehbehinderter Mensch benötigt eine andere Form der Barrierefreiheit als ein Mensch mit einer Gehbehinderung. Die aus dem Bezirksbeirat gegründete Arbeitsgruppe möchte das Leben für alle Bürger im Bezirk erleichtern. Blindentastsysteme und Rampen oder die Markierung von Treppenvorderkanten sind nur einige der Beispiele, für die sich die Mitglieder einsetzen. Im Bezirksbeirat hat die Gruppe ihre Arbeit vorgestellt. Roland Krauß, der bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) für die Planung der Bus- und Bahnhaltestellen zuständig ist, ergänzte den Bericht durch Informationen zur Barrierefreiheit im ÖPNV.

„Wir haben Befragungen und Ortsbegehungen durchgeführt, um den Stand der Dinge zu erfassen“, erläuterte Gabriele Leitz von der Arbeitsgruppe. Sie sitzt als stellvertretende Bezirksbeirätin für die Grünen im Gremium. Die Gruppe hat eine Mängelliste erstellt, die es abzuarbeiten gilt. Sie möchte unter anderem eine barrierefreie Toilette im Ortskern und am Buchrainfriedhof. Dort möchte das Garten-, Friedhofs- und Forstamt zudem die Stufen gegen eine Rampe austauschen, sagte Leitz. „Mit etwas Glück ist die Toilette schon Ende des Jahres barrierefrei.“ Für einen barrierefreien Zugang am Haupteingang des Alten Friedhofs hingegen gab es eine endgültige Absage. „Das Gebäude ist denkmalgeschützt, somit darf keine feste Rampe installiert werden“, sagte Leitz. „Wir haben allerdings einen Plan B: eine mobile Rampe, die man morgens auf- und abends wieder abbauen kann.“ Die Gruppe warte lediglich auf das Okay vom Friedhofsamt.

Ivo Josipovic unterstützt die Gruppe

Von Anfang an wird die Arbeitsgruppe von Ivo Josipovic unterstützt, der selbst im Rollstuhl sitzt. „Die Arbeit in der Gruppe macht mir Spaß. Wir ergänzen uns gut und haben bereits viel erreicht“, sagte Josipovic. Um sein Engagement zu würdigen, möchte die Gruppe, dass Josipovic als Mitglied in den Bezirksbeirat aufgenommen wird und die selben Rechte wie der Sachkundige Einwohner für Migration und Integration bekommt. Die Stadtverwaltung lehnte das bislang ab. Generell reagiere die Stadt auf die Anträge der Arbeitsgruppe eher verhalten. „Das hält uns allerdings nicht davon ab, weiterhin dran zu bleiben“, sagte Leitz.

Positiv erwähnt sei allerdings das Engagement des Centermanagers der Schwabengalerie. Auf Anregung der Gruppe hat er die Automatiktüren des Centers saniert. „Unser Dank geht an dieser Stelle an Herrn Grünwald, der sich so schnell um dieses Thema gekümmert hat“, sagte Leitz.

Haltestelle Viadukt wird wohl nicht barrierefrei

Roland Krauß berichtete, dass von den 18 Stadtbahnhaltepunkten in Vaihingen, Rohr, Dürrlewang und Büsnau 16 mit einer Sitzgelegenheit und elf mit Blindenleitsystemen ausgestattet sind. Die meisten Hochbahnsteige sind über eine Rampe erreichbar. Die Haltestelle Viadukt sei hingegen problematisch, sagte Krauß. Sie ist nur über eine Treppe erreichbar. „Eine Rampe würde zu lang werden, da die Haltestelle zu tief liegt. Ein Aufzug wäre bei der geringen Nutzung der Haltestelle zu teuer. Dieser Halt wird wohl nie barrierefrei werden“, sagte Krauß.

Von den 84 Bushaltepunkten im Bezirk sind 61 mit einer Sitzgelegenheit und 19 mit einem Blindenleitsystem ausgestattet. 38 der Bushaltestellen haben einen Hochbord, sind also auf einem erhöhten Bürgersteig, der den Einstieg in den Bus erleichtert. Die SSB wolle den Ausbau der Bushaltestellen vorantreiben, sagte Krauß. Ivo Josipovic fragte, ob ein Busfahrer verpflichtet sei, den Bus abzusenken und Rollstuhlfahrern in den Bus zu helfen. „Er ist angehalten, das zu tun. Unsere Fahrer sind eigentlich alle darauf geschult, aber es gibt überall Idioten, die vergessen, was sie gelernt haben. Im Namen der SSB entschuldige ich mich für diese Fahrer“, sagte Krauß.

In Vaihingen gebe es noch einiges zu verbessern, um die Barrierefreiheit für alle Menschen zu gewährleisten. Walter Tattermusch, der Behindertenbeauftragte der Stadt, unterstütze die Gruppe, berichtete Leitz. Das sicherte auch Krauß zu. „Ich helfe gerne, wo ich kann“, sagte der SSB-ler.

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