Arbeitslosigkeit in Europa Griechische Nothelfer

In Deutschland herrscht Ärztemangel – gerade auf dem Lande. In Griechenland ist jeder vierte Mediziner arbeitslos. Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel möchte beiderseits Abhilfe schaffen.

Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (2. v. li.) mit Ärztepräsident  Georgios Patoulis (4. v. li.), KLF-Geschäftsführer Peter Mast, der Vorsitzenden der Kreisärzteschaft,  Dorothee Müller-Müll sowie griechischen und deutschen Ärzten am Kreiskrankenhaus Freudenstadt Foto: StZ
Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (2. v. li.) mit Ärztepräsident Georgios Patoulis (4. v. li.), KLF-Geschäftsführer Peter Mast, der Vorsitzenden der Kreisärzteschaft, Dorothee Müller-Müll sowie griechischen und deutschen Ärzten am Kreiskrankenhaus Freudenstadt Foto: StZ

Stuttgart - Gut jeder vierte Arzt in Griechenland ist arbeitslos – während hierzulande vor allem in den ländlichen Gebieten händeringend medizinische Fachkräfte gesucht werden. Was also liegt näher, als Überschuss und Mangel zusammenzubringen – daraus ein „Win-win-Verfahren“ zu machen, wie der Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel (CDU) vom Bundessozialministerium so gerne sagt. Im Präsidenten der Ärztekammer in Athen, Georgios Patoulis, hat er einen Verbündeten gefunden.

Eine Delegation um Patoulis und den Ehrenpräsidenten der Kammer, Sotiros Rigakis, hat jetzt einen einwöchigen Intensivkurs in deutscher Gesundheitsversorgung erhalten. Am Ende ist der Präsident ganz angetan von dem „sehr gut strukturierten Versorgungsnetz“. Im Gespräch mit der StZ zeigt er sich zuversichtlich, dass man einen Weg finden werde, mit „hoch qualifizierten und kompetenten“ Medizinern aus dem Krisenland freie Stellen in Deutschland abzudecken. „Ich habe gesehen, dass hier optimale Bedingungen zur Beschäftigung griechischer Ärzte bestehen“, sagt Patoulis. Sie könnten hier arbeiten und sich fortbilden wie die deutschen Kollegen auch. Dafür wolle er in der Heimat werben.

In Freudenstadt gibt es schon griechische Ärzte

Fuchtel, der Griechenland-Beauftragte von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), hat freilich ein besonderes Augenmerk auf seinen Wahlkreis geworfen. Am Krankenhaus in Freudenstadt hätten sich seit 2010 schon vier griechische Ärzte erfolgreich eingelebt, erzählt er. Diese Zahl soll sich in absehbarer Zeit verdoppeln. Er sei sich sicher, dass es noch 2013 Zuwachs geben werde. Überall dort, wo sich schon sogenannte Knowhow-Partnerschaften zwischen den Kommunen und Regionen gebildet haben, soll griechisches Fachpersonal angelockt werden. Beispielsweise sollen Ärzte von der Insel Kreta für den Nordschwarzwald gewonnen werden und Mediziner von Korfu für Mecklenburg-Vorpommern.

Fuchtel hat aber nicht nur die Kliniken im Visier – auch die Landärzte sind vielfach auf Nachfolger angewiesen, wenn die Praxis nicht dicht gemacht werden soll. Auch diese Not sollen die Griechen lindern. Die Delegation hätte erkannt, dass die Landärzte bereit seien, einen Kollegen über eine längere Phase in der Praxis einzulernen, sagt der Staatssekretär, denn dies sei die größte Sorge der Griechen, dass der Neuzugang sogleich alles beherrschen müsse. Nun sei beim wichtigsten Vertreter der griechischen Ärzteschaft das Bewusstsein geschaffen, dass sich auch in deutschen Landarztpraxen Perspektiven eröffnen.

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