Artenschutz Warum Kröten und Frösche wichtig sind

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Viele Amphibienarten sind bedroht. Warum? Und was passiert, wenn es sie irgendwann nicht mehr gibt?

Die Lebensräume für Kröten und andere Amphibien schwinden. Foto: dpa/Patrick Pleul
Die Lebensräume für Kröten und andere Amphibien schwinden. Foto: dpa/Patrick Pleul

Filder - In Deutschland gibt es 20 bis 21 heimische Amphibienarten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) geht davon aus, dass zehn davon, also die Hälfte, bedroht sind.

Besonders dramatische Rückgänge habe es in den vergangenen Jahren bei der Gelbbauchunke, der Kreuz- und Wechselkröte, der Geburtshelferkröte und dem Laubfrosch gegeben. Auch einstmals häufige Arten wie beispielsweise der Teichmolch und der Grasfrosch seien zuletzt auf die so genannte Rote Liste der bedrohten Tierarten gekommen. Das sei alarmierend, warnt der BUND. Bemerkenswert ist dieser Rückgang auch vor dem Hintergrund, dass in Deutschland bereits seit 1980 alle einheimischen Amphibienarten gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz unter Artenschutz stehen, selbst wenn sie in ihrem Bestand nicht gefährdet sind.

Welche Gründe gibt es für das Artensterben?

Die Hauptgründe für das Verschwinden der Lurche seien indus­triell genutzte Wälder und Äcker sowie immer eintöniger werdende Landschaften. Damit würden die letzten Lebensräume der Amphibien verschwinden, kritisiert der BUND und ergänzt: „Die ursprünglichen Lebensräume unserer Lurche sind Flüsse, Auen und Bäche. Gerade diese Refugien wurden jedoch in den letzten 50 Jahren so umfassend verändert, dass viele Amphibienarten hier nur noch wenig passende Lebensräume finden können.“

Laichgewässer seien vernichtet oder verschmutzt und viele Hektar wertvoller Auenflächen durch Hochwasserdämme und Uferverbauung trockengelegt worden. Feuchte Wiesen seien trockengelegt worden. Zudem habe der Mensch Hecken, Raine und Säume abgeholzt und in einheitliche Ackerwüsten umgewandelt.

Auch der fortschreitende Flächenverbrauch durch den Bau neuer Wohn- und Gewerbegebiete sowie die Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Straßen erschweren den Lurchen das Überleben. „Gerade die besonders bedrohten Amphibienarten Kreuzkröte, Gelbbauchunke und Laubfrosch brauchen aber strukturreiche Landschaften“, erklärt der BUND und meint damit wilde Hecken, Raine, Pfützen, brachliegende Randstreifen an Feldern, Flächen mit altem Gras und sanfte Übergänge von Kulturlandschaften zu Wäldern.

Warum sind die Tiere wichtig?

Doch warum sind die Amphibien überhaupt wichtig und damit schützenswert? Das Verschwinden von Kröten, Fröschen und Molchen würde ein empfindliches Loch in die natürliche Nahrungskette reißen, warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz. Denn: „Alle Lurche fressen Käfer, Spinnen, Würmer; sie sind aber auch wichtige Beutetiere für vielerlei Vögel, Reptilien und Säugetiere. So hat jede einzelne Art ihre Bedeutung im Ökosystem.“

Wie können Tierliebhaber helfen?

Der Naturschutzbund gibt Tipps, wie man den kleinen Tieren helfen kann. Amphibien brauchen vernetzte Lebensräume. Darum sollten Gartenbesitzer ihre Grundstücke mit Hecken abgrenzen, die den Kröten, Fröschen und Molchen ein Hindurchschlüpfen ermöglichen. Mauern eignen sich als Begrenzung zu Straßen, damit die Tiere nicht auf die Fahrbahn laufen und überfahren werden. Trockenmauern, Steinhaufen, Laub- und Totholzhaufen bieten Versteckmöglichkeiten. Wer die Tiere schützen möchte, sollte zudem vor dem Mähen der Wiese oder Umgraben der Beete sichergehen, dass sich in diesen Bereichen keine Amphibien befinden. Auf den Einsatz von Chemikalien zur Bekämpfung ungeliebter Pflanzen- und Tierarten ist zu verzichten.

Zudem können Rohre, Abflüsse, Schächte und Brunnen für die Amphibien zur Todesfalle werden. Wer ein Tierfreund ist, kontrolliert diese darum regelmäßig. Oder – noch besser – er deckt diese mit Fliegennetzen oder engmaschigen Gittern ab. In Bereichen von Kellertreppen und Lichtschächten können schmale Holzbretter als Amphibientreppen dienen.

Wer die Möglichkeit dazu hat, kann einen Amphibienteich in seinem Garten anlegen. Der Standort sollte sonnig sein. Die Uferzonen sollten flach auslaufen, die Tiere müssen den Teich verlassen können, sonst ertrinken sie. Außerdem können sich in Flachwasserbereichen Kaulquappen gut entwickeln, da sich das Wasser schnell erwärmt. Die Teichumrandung sollte sowohl Stellen zum Sonnen, als auch schattenspendende Pflanzen und Versteckmöglichkeiten bieten. Wichtig ist zudem, dass keine Fische im Teich sind, denn diese fressen die meisten Kaulquappen. Doch nicht immer ist ein Teich eine geeignete Möglichkeit, um Lurchen zu helfen. „Wenn ein ausgedehntes Verkehrs- und Kanalsystem oder verdohlte Bachläufe in Ihrer Wohngegend überwiegen und keine ausreichenden Vernetzungen zu weiteren Amphibienlebensräumen bestehen, dann verzichten Sie bitte auf einen Teich“, warnt der Nabu.

Mit Stirnlampe und Eimer gute Taten vollbringen

Die Kröte mag es nicht zu kalt, eher ab sechs Grad Celcius aufwärts. Feucht sollte es aber sein, am liebsten mag sie leichten Regen. Und sie liebt die Abendstunden. All das weiß ein Krötensammler wie Martin Rahlenbeck vom Naturschutzbund Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen.

Wenn das Krötenwetter schließlich da ist, packt der Helfer seine Utensilien zusammen: wetterfeste Kleidung, einen Eimer und eine Taschen- oder Stirnlampe. Dann geht es los. Entlang der Wanderstellen setzt der Naturfreund Kröten, Grasfrösche oder Salamander in seinen Eimer, bringt sie sicher über die Straße und lässt sie dort wieder frei. „Die Tiere lassen das mit sich machen und schauen einen mit großen Augen interessiert an“, berichtet Rahlenbeck. Ein besonderes Highlight kann dabei ein Feuersalamander sein, der ebenfalls die Straße queren will. „Die sieht man nicht oft, und sie sind sogar ein bisschen giftig. Das ist ein großes Erlebnis.“

Obwohl sich in der jüngsten Zeit immer mehr junge Menschen im Nabu engagieren, freut sich Rahlenbeck über neue Helfer bei der Krötensammlung. Vor allem selbstständige Helfer werden gesucht, die nach einer einmaligen Einweisung „auch mal alleine losgehen können“.

Der ungewöhnlich milde Winter lässt die Kröten in diesem Jahr früher wandern als sonst. Anstelle von Mitte März geht Martin Rahlenbeck von einer Hauptwanderzeit Ende Februar aus. „Wenn jetzt noch einmal ein Kälteeinbruch kommt, könnte das die Kröten hart treffen.“

Wo sind die Kröten unterwegs?

Auf der Filderebene kreuzen folgende Straßen die Wege der Amphibien: die Falkenstraße in Sonnenberg, der Onstmettinger Weg am Probstsee in Möhringen, die Christian-Belser-Straße in Kaltental, die Musberger Straße in Rohr, die Gustav-Barth-Straße in Heumaden, die Roßhaustraße in Degerloch, die Straße Hintere Weingärten in Heumaden, die Rotwiesenstraße in Schönberg sowie die Eichenparkstraße in Riedenberg.

Südlich der Autobahn sind die Tiere vor allem im Siebenmühlental unterwegs, zum Beispiel auf der Alten Poststraße zwischen Echterdingen und Steinenbronn, auf der Kreisstraße zwischen der Mäulesmühle und der Kläranlage Musberg, auf der Böblinger Straße in Musberg zwischen dem Reichenbach und dem Aktivspielplatz (Aki) sowie in Stetten auf der Zufahrtsstraße zur Kochenmühle.

Kröten: im Geldbeutel geschätzt, notfalls geschluckt und bisweilen geküsst

Krötenwanderung ist dem Menschen am liebsten, wenn genügend Kröten in seinen Geldbeutel wandern. Dafür hat er hart gearbeitet und so manche Kröte schlucken müssen. Frauen haben nach Feierabend Kröten oder Frösche geküsst, in der Hoffnung, dass daraus Prinzen werden. Das Geknutsche hat nichts bewirkt: Die Prinzen blieben Träume, im Alltag blieben Kröten. In der frühen Neuzeit waren Kröten auch Frauensache: Hexen verkochten sie mit Schlangen, halluzinogenen Pilzen und Kräutern angeblich zu Salben, die es ihnen ermöglichte, zum Hexensabbat zu fliegen. Dass Kröten angeblich Bestandteil der Hexensalben gewesen seien, belegen Akten der Ankläger in Hexenprozessen.

Durch Aberglauben sind Kröten ebenso wie Wölfe und Eulen als Sendboten Satans in Verruf geraten. In der Medizin, die dem magischen Weltbild der damaligen Zeit verhaftet war, galten sie ihres Äußeren und ihres Giftes wegen als Abschreckung gegen Krankheitsdämonen. Sie wurden getrocknet, pulverisiert und auf Geschwüre oder Wunden aufgetragen. Ein Patient hatte damals eben so manche Kröte zu schlucken.

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